Sommer, Sonne, Hitze, Trockenheit - und schon beginnt wieder die Waldbrandsaison rund um das Mittelmeer. Alljährlich brechen in dieser Region unfassbare 50.000 Waldbrände aus, wobei bis zu einer Million Hektar Wald vernichtet werden. Das entspricht der Fläche ganz Kretas oder Korsikas - Tendenz steigend.
Spektakuläre Bilder von Flugzeugen und Hubschraubern, die aus der Luft Flammen löschen, gehen durch die Medien. Menschen verlieren ihr Zuhause, stehen plötzlich vor dem Nichts. Aber warum sieht man alljährlich die gleichen Szenen, scheint man der Urgewalt des Feuers kaum noch Herr werden zu können? Trotz aller Technik sieht sich der Mensch hier einem Element ausgeliefert, das er nicht beherrschen kann, sobald es eine gewisse Durchschlagskraft entwickelt hat.
Die Brandstifter.

Fast unweigerlich lautet die Diagnose nach jedem Feuer: Brandstiftung. Steigende Grundstücks-preise heizen die Gier an und durch ein Feuer lässt sich schnell geschütztes Waldland in Bauland umwandeln. Fataler Auslöser: In den meisten Mittelmeerstaaten fehlt ein zuverlässiger Grundstücks-kataster, der verhindert, dass abgebranntes Land in Bauland umgewandelt wird, obwohl es die lokale Gesetzeslage sogar verbieten würde.
Hinzu kommen die Landflucht der Bevölkerung und die prekäre Einkommenssituation derer, die ohne aufmerksame Nachbarn auf dem Land zurückbleiben. Da wird ein Landwirt oder Schäfer schnell einmal zum Brandstifter - manchmal sogar ein Feuerwehrmann oder Forstarbeitet. Feuer schafft nämlich nicht nur Flächen für Landwirtschaft oder Immobilien, sondern auch Arbeit. Unterbeschäftigte Forstarbeiter und Feuerwehrleute helfen daher immer öfter nach, lässt sich doch an Löschaktionen und Aufforstung verdienen.
Schließlich gibt es noch die professionellen Brandstifter, also jene die im Auftrag von Hintermännern handeln und am Zündeln verdienen. Laut Erkenntnissen italienischer Ermittler lässt sich mit Brandlegung zwischen 200 und 5000 Euro verdienen. Kuriosum am Rande: Pensionisten sind mit rund 30 Prozent unter den Brandstiftern besonders stark vertreten. Jeder zweite Brandstifter ist z.B. in Italien über 60 Jahre alt und bessert sich mit den feurigen Zusatzeinkünften seine Rente auf.
Politisches Kalkül.
So aufsehenerregend die Bilder von waghalsigen Lufteinsätzen zur Brandbekämpfung sind, so wenig hilfreich sind Last-Minute-Löschaktionen langfristig gesehen. Vorbeugung und Beobachtung, Waldpflege und Aufklärung klingen zwar vergleichsweise langweilig, würden aber ungleich mehr Effekte haben, urteilt der World Wildlife Fund (WWF) in seiner Waldbrandstudie. Besonders die Politik kommt hierbei nicht gut weg. Sie reagiert nur im Katastrophenfall und investiert lieber in teure technische Ausstattung zur Brandbekämpfung statt in die weniger spektakuläre Vorbeugung.
Beispiel Griechenland.
Dies lässt sich gut am Beispiel Griechenlands darstellen. 1998 wurde hier die Verantwortung für die Waldbrandbekämpfung vom Forstdienst abgezogen und der Feuerwehr übertragen. Daraufhin wurden vorbeugende Maßnahmen vernachlässigt und es wurde in Löschflugzeuge und Helikopter investiert. Innerhalb von fünf Jahren verdoppelte sich das dafür aufgewendete Budget. Griechenland hat mittlerweile die größte Flotte an Löschflugzeugen unter den Mittelmeerländern. Die Brandkatastrophe von 2007 konnte dennoch nicht verhindert werden. Ein Winter mit wenigen Niederschlägen, mehrere Hitzeperioden während der Sommermonate und eine Menge brennbares Material, das sich in den Wäldern ansammeln konnte - fertig waren die Zutaten für eine Mega-Brandkatastrophe.
Ende August 2007 verbrannten auf dem Peloponnes 170.000 Hektar Wald. 69 Menschen starben, 1710 Menschen wurden obdachlos. Mängel bei der Koordination der verantwortlichen Stellen in den verschiedenen Ministerien und der gleichzeitig stattfindende Wahlkampf taten das Ihrige, die Situation zu verschärfen. Die griechische Obrigkeit verkündete zunächst auf Druck der Öffentlichkeit, dass die Brandgebiete geschützt bleiben. Bereits einen Monat später wurde jedoch schon die Bebauung dieser Zonen geplant. 2009 folgte der nächste Megabrand am Rande der Millionenstadt Athen - man hatte nichts aus der Katastrophe zwei Jahre zuvor gelernt. Hinzu kommen aktuell noch Finanzkrise und Sparzwang. Für die Forstbehörde in Griechenland gibt es daher kein Budget mehr zur Brandvorbeugung oder auch nur zur Erhaltung der Forststraßen, die bei der Brandbekämpfung lebensnotwendig sind. Die nächste Katastrophe ist damit vorprogrammiert.
Sinnvolle Vorbeugung.
Durch Ursachenforschung und Evaluation der Kosten und Folgekosten von Waldbränden können sinnvolle Maßnahmen entwickelt werden, um die Schäden von Waldbränden erheblich zu reduzieren, urteilt der WWF. Aufklärung und Erziehung ist eine Seite, die Waldpflege die andere Seite dieses Katalogs an Möglichkeiten.
So sollten Monokulturen wie die in Portugal verbreiteten Eukalyptus-Haine vermieden werden und wieder durch die dort einst heimischen Korkeichen ersetzt werden. Natürliche Wälder verringern die Brandgefahr, weil sie widerstandsfähiger sind, sich leichter regenerieren. Es gibt sogar Wälder, die vom Feuer abhängig sind, sich damit schneller regenerieren. Vorrausetzung dafür ist allerdings, dass es sich nur um kleinere Feuer handelt. Wird das Unterholz regelmäßig reduziert, bekommt ein Feuer weniger Nahrung. Statt eines Megabrandes kann das Feuer so auf kleinere Flächen beschränkt werden.