• vom 08.07.2011, 00:00 Uhr

WienerJournal

Update: 08.07.2011, 12:51 Uhr

"Isla bonita" - die schöne Insel




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Von Petra Regensburger

  • La Palma ist saftig grün, knallbunt und ein Sternguckerparadies.

Playa Chica im Südwesten La Palmas.

Playa Chica im Südwesten La Palmas. Playa Chica im Südwesten La Palmas.

"Da kann man ja nur wandern" hört man oft, wenn von La Palma, der drittkleinsten der sieben kanarischen Inseln, die Rede ist. Doch wer auf die "Isla Bonita", "die schöne Insel", reist, braucht nicht zwingend Wanderschuhe im Gepäck. Auch ohne großen Sportsgeist lässt es sich hier zu jeder Jahreszeit ausgezeichnet urlauben.


Wer La Palma erlebt hat - egal, ob er die Insel erwandert oder "nur" per Leihwagen er-fahren hat -, seufzt nur leise und will immer wieder hin. Unbestritten ist die Insel ein Trekking-Mekka und so mancher Aussichtspunkt oder Traumpfad lässt sich ausschließlich auf Schusters Rappen erkunden, aber nicht umsonst sprechen die Palmeros stolz von der kanarischen Schweiz. La Palma ist mit so viel Naturschönheit, atemberaubenden Ausblicken, malerischen Winkeln und Dörfern gesegnet, dass ein normaler Urlaub sowieso nicht ausreichen kann, um alle Attraktionen zu erkunden. Warum also nicht einfach ganz pragmatisch das Wandern weglassen? Nichts leichter als das!

Impressionen von La Palma.

Impressionen von La Palma.© Getty Images Impressionen von La Palma.© Getty Images

Die Playa El Remo, ein kleiner Küstenabschnitt im Südwesten, ist ein idealer Ort, um auf der Insel anzukommen. Hier ist die Welt noch so, wie man sie an vielen Touristenorten vergeblich sucht. Zwischen den am Strand aufgetürmten Lavabrocken sind drei urige Kioske versteckt, die fangfrischen Fisch und Leckereien wie die berühmten Papas arrugadas con mojo anbieten. Die runzeligen Kartoffeln in feiner Salzkruste werden wahlweise mit Paprika- oder Koriandersoße serviert. Den schönsten Sonnenuntergang der Insel gibt es gratis dazu. Ein paar Staubstraßen-Meter weiter liegt das Wochenendparadies der Einheimischen, eine wilde Strandkolonie aus bunt zusammengeschusterten Buden, die oft nicht größer als eine Garage sind - ein Flickenteppich voller Charme. Wer hier wohnt, hat das tosende Meer direkt vor der Nase und die schützende, erstaunlich grüne Gebirgslandschaft im Rücken.

Der Südwesten wird durch die Wetterscheide der Cumbres, der Höhenzüge im Inselinnern, kaum von den Passatwinden erreicht und ist somit die wärmste und trockenste Zone der Insel. In den Wintermonaten hat es auf der Sonnenseite milde 20 bis 24 Grad. Wider Erwarten ist sattes Grün hier trotz Trockenheit die vorherrschende Farbe. In den Steilhängen haben sich Pinien und Feigenkakteen angesiedelt - Pflanzen, die kaum Wasser benötigen. Auf dem flachen Küstenstreifen hingegen wabert ein kilometerlanges Meer von künstlich bewässerten Bananenplantagen. Inmitten dieses immensen Bananenwaldes haben sich neben ruhigen, idyllischen Badebuchten zwei quirlige Badeorte etabliert. Puerto de Tazacorte, der wichtigste Fischereihafen der Insel, lockt mit einer Vielzahl von Fischrestaurants und einem langen, schwarzsandigen Naturstrand. Puerto Naos kann mit dem größten Strand La Palmas und schattenspendenden Kokospalmen aufwarten.

Beim Nachtspaziergang durch den warmen, schwarzen Lavasand offenbart sich ein Bilderbuchhimmel. La Palma bietet beste Bedingungen für Sterngucker. 1985 wurde auf dem höchsten Berg der Insel, dem Roque de los Muchachos (2426 Meter), die bisher größte Sternwarte der nördlichen Erdhälfte eingeweiht. Grund für die Standortwahl waren die klare Luft und der besonders dunkle Nachthimmel - aufgrund der Abgeschiedenheit der Insel und der geringen Bevölkerungsdichte gibt es kaum Streulicht. Der Staat hat sogar eigens für das Observatorium ein Gesetz gegen "Lichtverschmutzung" erlassen. Zur Reduzierung des Lichtsmogs wurde die Straßenbeleuchtung der Insel umgerüstet, indem die sogenannten aggressiven Strahler durch gedämpfte, nach unten gerichtete Lampen ersetzt wurden. Außerdem wurde der nächtliche Flugverkehr über der Sternwarte eingeschränkt.

Farbenpracht.

In der östlichen Haupt- und Hafenstadt Santa Cruz wohnen nur knapp 15.000 Menschen. Die "heimliche Hauptstadt" Los Llanos de Aridane im Westen zählt rund 22.000 Einwohner. In den verwinkelten Gassen der beiden Städtchen lässt sich stundenlang bummeln und staunen. Hier ist alles bunt. Die altkanarischen Häuser mit ihren Fassaden in Himbeerrosa, Knallorange oder Dunkelblau strahlen um die Wette und die kunstvoll geschnitzten Holzbalkone ächzen unter ihrem prächtigen Blumenschmuck. Kaum ein Restaurant, ein kleiner Laden oder eine Galerie, die nicht zum Verweilen einladen. Hier und da finden sich ein paar Neubauten, die aber kaum ins Gewicht fallen. In Los Llanos hat man die nackten Häuserwände geschickt verpackt. Im Rahmen des Kulturprojektes "La Ciudad en el Museo", frei übersetzt "Die Stadt ist das Museum", werden die Mauern nach und nach mit moderner Kunst verschönert. Inzwischen sind 12 von 25 geplanten Werken fertig gestellt. Die bis zu 140 Quadratmeter großen Wandgemälde schweben in kräftigen Farben über den Dächern der klassischen kanarischen Häuser und bilden eine ansehnliche Symbiose aus Tradition und Moderne. So ist ein buntes Band zwischen Himmel und Erde entstanden, ein avantgardistisches Freiluftmuseum, das nicht nur vom Tatendrang, sondern auch von der Aufgeschlossenheit des kleinen Städtchens zeugt.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2011-07-06 19:44:06
Letzte Änderung am 2011-07-08 12:51:03



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