• 20. Juni 2013

  • RSS abonnieren
  • Wiener Zeitung auf Facebook
  • Auf Twitter verfolgen

Sie sind hier:


  • vom 06.04.2012, 11:30 Uhr

WienerJournal

Update: 06.04.2012, 12:39 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Trend oder Nicht-Trend


Von Silvia Matras

  • ...das ist die Frage. Wenn es einen Trend gibt - wer legt ihn fest? Wie wirken sich Trends wirtschaftlich und gesellschaftlich aus?

Links:Lidewij Edelkoort interpretiert Trends. Rechts: Summer of Fashion im Museumsquartier. - © 2011 Getty Images (links), MQ Summer of Fashion / Lisi_Specht (rechts)

Links:Lidewij Edelkoort interpretiert Trends. Rechts: Summer of Fashion im Museumsquartier. © 2011 Getty Images (links), MQ Summer of Fashion / Lisi_Specht (rechts)

An der Mode ist ein Trend am leichtesten festzumachen. Allerdings für uns Otto-Normal-Verbraucher immer nur der aktuelle. Der des kommenden Jahres bleibt unter Verschluss, bis wir via Magazine und Fernsehen eingeweiht werden und den Zaubercode erfahren, der da heißen kann: Luxus ist megaout oder Recyclingmode ist in oder im Grün liegt die Seligkeit.

Werbung

Oh du mein Kaufhaus!

Alle reden von der Krise. Gibt es eine "Krisenmode"? Greift Frau zu Schere und Nadel und näht sich in Sack und Asche? Wohl kaum.

Ein Gang durch die Häuser der großen Ketten macht uns schlauer, welche Farben Muster und Silhouetten in diesem Frühjahr in sind. Shorts in allen Größen und Mustern - von der abgeschnittenen Jean über die edle Weiße bis hin zur Gold-Bestickten - erobern die City. Schon staksen die ersten langbeinigen Girls durch die Straßen. Oben drüber schwebt eine hauchdünne Bluse im Blumen- oder Paisleymuster. Oder auch im guten, alten Hermèsmuster - eben dieses, welches einst die Halstücher der goldbehängten Ladies oder braver Klosterschülerinnen aus der Oberschicht zierte oder das man mit Vorliebe am Flughafen für die Schwiegermutter kaufte. Aus diesen Erinnerungsmustern werden jetzt Röcke und ganze Kleider genäht. Was dann aussieht, als wären mehrere solcher Tücher einfach zusammengenäht worden.

Information

Modepalast: www.modepalast.com, 13.-15. April 2012 in Linz, OÖ Kulturquartier, 4.-6. Mai 2012 in Wien, MAK
blickfang: www.blickfang.com, 19.-21. Oktober 2012 in Wien, MAK
MQ Summer of Fashion: www.mqw.at, Mitte Juni bis 16. September, 2012 im Museumsquartier. Thema: Mode und Kunst
Gänseklein: www.gänseklein.at, Friedmanngasse 5/22, 1160 Wien
Lilo Almog: www.lilo-almog.at, Millöckergasse 6, 1060 Wien

An Farben gibt es so ziemlich alles - von sehr kräftig bis hin zu pastellig-langweilig. Gelb und Orange sind die Hingucker der Saison. Manche Trenddeuter interpretieren das als Aufbruchssignal und meinen den "arabischen Frühling" darin symbolisiert zu sehen. Schwarz wird nur mehr am Abend getragen, Grau und Braun sind in der Schublade verschwunden. Aber Pink ist nicht umzubringen, stöhnt der Trendforscher Peter Wippermann und sagt dieser Verniedlichungsfarbe noch sieben fette Jahre voraus. Psychologen wiederum glauben zu wissen, warum manche Frauen sich von Kopf bis zu den Söckchen in Pink hüllen: Sie wollen nicht erwachsen werden und sehen sich noch immer als junges Mädchen oder als Traummodel.

Eines steht fest: Farben werden von der Industrie festgesetzt und sind ein wesentlicher Bestandteil des Marketings. Aufgabe der Trendforschung ist es, herauszufinden, welche Farbe zu welcher gesellschaftlichen Entwicklung passt.

Als die Autoindustrie und die globale Wirtschaft 2008 zu schwächeln begannen, da sah man auf einmal mitten unter den langweiligen grauen und schwarzen Autos froschgrüne, zitronengelbe oder auch pinkfarbene durch die Straßen kurven. Sie sollten Optimismus verbreiten. Und wie man hört, geht es der Autoindustrie ja inzwischen wieder bestens. Ob es an den neuen Farben liegt? Sicher nicht nur.

Gemeinsam kreativ sein

In der jetzigen Mode orten die Trendforscher verschieden Strömungen, die gesellschaftliche Gegebenheiten reflektieren, wie etwa Vintage, die Rückkehr in das vorige Jahrhundert und die Abkehr von der krisengeschüttelten Gegenwart. Oder die ökologische Schiene, die aus dem Bewusstsein um die gefährdete Umwelt und die zu Ende gehenden Ressourcen entstanden ist.

Eine deutliche Hinwendung zum Handwerklichen - von Trendforschern lange schon vorausgesagt und von mündigen Käufern gefordert und gesucht - ruft die Kreativen auf den Plan. Sie arbeiten immer noch fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Bis auf die wenigen, die es auf das internationale Modeparkett geschafft haben. Seit einigen Jahren jedoch macht sich in Wien eine kreative Szene ganz deutlich bemerkbar. Junge Designer wagen den Schritt in die Selbständigkeit, tun sich zu Produktionsgemeinschaften zusammen oder stellen auf Designermessen aus.

Woher weht dieser frische Modewind? Gabriele Skach ist künstlerische Leiterin der Modeschule Wien in Hetzendorf. Sie besucht jährlich einmal das Seminar von Li Edelkoort, einer der erfolgreichsten Trendforscherinnen zwischen New York und Paris, und setzt die dort gewonnenen Einsichten in ihrem Unterricht um. Für die kommenden Jahre bis 2020 sei die Rückbesinnung auf die Gemeinschaft ein ganz wesentlicher Trend, meint Edelkoort. Ihr Überbegriff für 2013 lautet "Glückseligkeit". Eine gewagte Prophezeiung? "Nein, gar nicht", meint Gabriele Skach. "Woraus schöpfen wir Glück, wenn alles um uns dunkel und drohend ist? - Aus der Gemeinschaft!" Deshalb hält sie die Schülerinnen an, ein visuelles Tagebuch zu führen. Darin sollen sie ihre persönlichen Beobachtungen auf der Straße, in den Medien und wo auch immer festhalten. In Klassen übergreifenden Sitzungen werden die Gemeinsamkeiten herausgearbeitet und danach Stil- und Moderichtungen festgelegt, wie etwa "Opulenz" in Stoff, Muster und Silhouette. Aber auch minimalistische Tendenzen genauso wie Neigungen zum Unfertigen, zum Experiment.

"Wichtig ist das gemeinsame Herausarbeiten der Tendenzen, die dann am Ende des Schuljahres in der Modeschau visualisiert werden", erklärt Gabriele Skach. "Im Team liegt ein ungeheures Potenzial an Kreativität. Dieses Wissen macht unsere Schüler auf dem freien Markt wettbewerbsfähig und auch widerstandsfähig gegen den Massentrend‘ in der Mode. Sie lernen, selbstbewusst eigene Trends zu kreieren", so Gabriele Skach.


© Kirstin Sinclair/Getty Images / Kirstin Sinclair © Kirstin Sinclair/Getty Images / Kirstin Sinclair

Die Farbe ist ein wesentlicher Bestandteil des Marketings. Autos in Signalfarben halfen der Industrie aus der Krise.

Die Farbe ist ein wesentlicher Bestandteil des Marketings. Autos in Signalfarben halfen der Industrie aus der Krise.© EPA / SALVATORE DI NOLFI Die Farbe ist ein wesentlicher Bestandteil des Marketings. Autos in Signalfarben halfen der Industrie aus der Krise.© EPA / SALVATORE DI NOLFI




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-04 10:17:10
Letzte Änderung am 2012-04-06 12:39:54


Werbung



Beliebte Inhalte



Indes gehen die Verhandlungen zwischen den Favoritnern und 1899 Hoffenheim um Torschützenkönig Philipp Hosiner laut dessen Berater Wolfgang Rebernig weiter. - APA/HELMUT FOHRINGER
  • Hosiner-Wechsel zu Deutschen nach wie vor nicht vom Tisch
  • weiter

Auch in Ankara ging die Polizei mit Tränengas nicht sparsam um - nun kommt es zu Engpässen. - APAweb / REUTERS / Dado Ruvic
  • Lage in Istanbul ruhig - OSZE kritisch - FPÖ und BZÖ fordern Abbruch von Beitrittsgesprächen.
  • weiter

Wie Franz von Assisi ein Freund der Armen und der Tiere. - epa
  • Franziskus ermuntert Bischöfe und Laien zum ursprünglichen Christentum.
  • weiter

Schauspieler Ben Kingsley hat zusammen mit Fotograf Bryan Adams eine besonders gute Kamerachemie. - Bryan Adams Bryan Adams war indisponiert. Als er am Mittwoch seine Fotos in der Galerie Ostlicht vor Journalisten präsentieren sollte...weiter

Bernd Wiegand konnte es nur falsch machen. Er hatte keine andere Chance. Bernd Wiegand - das ist der Oberbürgermeister von Halle an der Saale...weiter

Kindergarten ab eins und Ganztagsschule: für Brandsteidl die beste Lösung. - Radule Bozinovic/KOSMO
  • Stadtschulratspräsidentin hält Trennung von deutsch- und nichtdeutschsprachigen Kindern für wenig sinnvoll.
  • weiter

Veganes Urgestein Chen Huang versorgt Wiens Veganer mit dem Nötigsten. - Mazak
  • Wien ist Stadt mit höchster Dichte an veganen und vegetarischen Restaurants.
  • weiter

Die US-Geheimdienste lesen mit. - © Andrea Danti - Fotolia.com
  • Unter Barack Obama wurde das Programm noch ausgeweitet.
  • weiter





Schwere Unwetterschäden nach einem Murenabgang im Ortskern von Hallstatt aufgenommen am Mittwoch, 19. Juni 2013. Nach einem heftigen Unwetter ist der Mühlbach über die Ufer getreten wobei eine Mure den Ortskern von Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut beschädigt hat.

Ein Fahrrad an einer Kreuzung mitten im 9. Bezirk war der etwas ungewöhnliche Rastplatz für ein Bienenvolk. Guten Tag, Lubango! Der Giraffen-Junge kam am Samstag, 15. Juni, zur Welt.

19.6.2013: Ein Turopolje-Schwein schwimmt in einem Teich im Tierpark in Schleswig-Holstein. Die robusten Schweine stammen ursprünglich aus den Flussniederungen der Save in Kroatien. Die Turopolje sind ausgezeichnete Schwimmer, die sich bei Überschwemmungen die Nahrung auch unter Wasser suchen und sogar nach Muscheln tauchen. Kunstraub der anderen Art: Von einer Hauswand  in London ausgemeißelt wurde im Februar das Banksy-Graffitikwerk "Slave Labour". Kurz darauf tauchte es bei einem Auktions-Haus in Miami in Florida wieder auf. Am 2. Juni wiederum wurde es trotz Proteste um 1,1 Millionen Dollar in London versteigert. Das Kulturbild der Woche geht nun für zwei Wochen auf Urlaub und ist am 24.Juni wieder zurück.

Werbung