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  • vom 08.04.2012, 07:30 Uhr

WienerJournal

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Honeymoon in Macao


Von Stephan Burianek

  • Das Roulette und die Liebe: Ebenso wie Las Vegas vereint auch Macao, was scheinbar zusammengehört

Blick vom Fernsehturm, dem Macao-Tower, auf die City. - © Gareth Brown/Corbis

Blick vom Fernsehturm, dem Macao-Tower, auf die City. © Gareth Brown/Corbis

Auf dem Penha-Hügel spielt es sich ab. Zwei chinesische Brautpaare teilen sich bereits den Kirchenvorplatz, von dem aus man eine schöne Aussicht auf Macaos Hochhäuser sowie auf die riesige Brücke zur Insel Taipa hat. Bald wird es aber eng, denn ein drittes Paar müht sich bereits die letzten steilen Meter hinauf. Ebenso wie die beiden bereits anwesenden Paare entspricht auch das dritte dem klassisch-europäischen Hochzeitsideal: Er trägt einen schwarzen Anzug, sie ein weißes Brautkleid. Ihr langer Schleier wird allerdings nicht von den in Europa üblichen Brautjungfern getragen, sondern von einem Fotografen und dessen Gehilfen. Heute geht es nur um das Foto, verheiratet wurden die Glücklichen bereits Tage oder Wochen zuvor, an einem anderen, wahrscheinlich weniger romantischen Ort.

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Pittoreske Kulissen wie die besagte Kirche auf dem Penha-Hügel gibt es in Macao zuhauf. Im Gegensatz zu Hongkong, das mit der Fähre in etwas mehr als einer Stunde zu erreichen ist und auf der anderen Seite des Perlflussdeltas liegt, ist die einstige portugiesische Kolonie ein regelrechtes Freilichtmuseum. Nicht weniger als acht Plätze und 22 Gebäude des historischen Zentrums, das sich zwischen dem inneren und dem äußeren Hafen über Macaos hügelige Halbinsel erstreckt, erklärte die Unesco vor einigen Jahren zum Weltkulturerbe.

Bei einem Spaziergang durch Macaos winkelige Gassen kommt man vielleicht am ersten westlichen Theater auf chinesischem Boden vorbei. Ganz sicher aber stößt man auf zahlreiche Kirchen, die mit ihren hellen Pastelltönen zwischen tristen Wohnblöcken hervorstrahlen. Von Macao aus versuchte der Katholizismus ab dem 16. Jahrhundert den Sprung nach China, doch nirgendwo im Reich der Mitte konnte er derart nachhaltige Spuren hinterlassen wie an seinem Ausgangspunkt. Selbst Klosterschulen existieren noch.

Bei näherer Betrachtung fällt die bauliche und handwerkliche Qualität der Gotteshäuser auf. Anders als beispielsweise in Kalifornien, wo die Missionskirchen zur selben Zeit mit möglichst einfachen Mitteln errichtet wurden, verwendeten die wohlhabenden Macanesen relativ hochwertige Materialien. Zudem zeugen die Kolonialbauten bis heute von einer großen Liebe zum Detail, dabei existiert der prunkvollste Bau der Stadt eigentlich gar nicht mehr: Von der Mutter Gottes-Kirche steht nur mehr die üppige Eingangsfassade, auf der jesuitische "Comic Strips" zu sehen sind, wie die üppigen Reliefs in jenem informativen Büchlein genannt werden, das wir uns an dem kleinen Kiosk hinter der Fassade kaufen. Wir erfahren auch, dass sich Alexandre de Rhodes, der heute als Erfinder des vietnamesischen Alphabets bekannt ist, im 17. Jahrhundert vom Gold an der Decke und am Boden dieser Kirche sowie von zahlreichen raren Gemälden beeindruckt gezeigt hatte. Er stellte sie in einem seiner Bücher sogar über die Kirchen Italiens - natürlich mit Ausnahme des Petersdoms. Mehr als 200 Jahre später verschlang ein Feuer diesen Prunk, was gleichsam den wirtschaftlichen Untergang Macaos einläutete. Bald danach wurde nämlich Hongkong gegründet, dessen Hafen sich für die im 19. Jahrhundert neu aufkommenden Dampfschiffe als geeigneter erwies. Macao wurde wirtschaftlich schnell uninteressant und fiel in einen langen Dornröschenschlaf.

Unverwechselbar: Die Skyline Macaos, gesehen vom Mount Fortress.

Unverwechselbar: Die Skyline Macaos, gesehen vom Mount Fortress.© Stephan Burianek (oben), Corbis (unten links) Unverwechselbar: Die Skyline Macaos, gesehen vom Mount Fortress.© Stephan Burianek (oben), Corbis (unten links)

In der Blütezeit war das freilich anders. Nicht nur Piraten lockte Macaos Reichtum an, sondern auch Neider aus Europa, vor allem die Niederländer waren eine häufige Bedrohung. Heute dienen die alten Kanonen auf den Befestigungsanlagen zahlreichen Touristen als Turngeräte für das perfekte Selbstportrait. Stilsicherer geht es in der ehemaligen Barra-Festung am Fuße des gleichnamigen Hügels am südlichen Spitz der macanesischen Halbinsel zu. Einst zum Schutz des inneren Hafens errichtet, wurde sie vor einigen Jahrzehnten zu einem staatlichen Hotel umgebaut und erhielt den Namen Pousada de São Tiago. Vor wenigen Jahren ist die Pousada der renommierten Luxushotelvereinigung Relais & Chateaux beigetreten. Wer sich keine der zwölf luxuriös eingerichteten Suiten leisten möchte, sollte zumindest einen Kaffee in der Cascata Bar nehmen und sich somit einen guten Vorwand für einen Blick in die winzige Kapelle nebenan verschaffen. In strahlend bunter Kampfmontur steht dort der Heilige Jakob in Furcht einflößender Pose - immerhin holt er gerade mit seinem Schwert aus. Es soll Paare geben, die das nicht stört, sich sozusagen einer jakobinischen Prüfung unterziehen und einander vor ihm trotzig das Jawort geben. Manche Hochzeitspaare fliegen nämlich nicht nur für den Fototermin nach Macao, sondern leisten sich dort das volle Programm, inklusive einer eingeflogenen Hochzeitsgesellschaft. Neben chinesischen Paaren, so staunen wir, zählen vor allem Inder zur macanesischen Zielgruppe für Hochzeitreisen und Flitterwochen.

Die Pousada de São Tiago gehört heute niemandem Geringeren als Stanley Ho, laut dem "Forbes"-Magazin einer der zehn reichsten Chinesen weltweit, jedenfalls der Reichste in Macao, und ein Lebemann, der sich ganz offiziell vier Frauen leistet. Seinen Reichtum, von dem seine 17 Kinder bestimmt heute bereits gut leben können, erarbeitete er sich in jener Branche, der das moderne Macao seinen wiedergewonnenen Wohlstand verdankt - dem Glückspiel.

Rührend inmitten der modernen Großstadt: Die altehrwürdige St. Dominikus-Kirche.

Rührend inmitten der modernen Großstadt: Die altehrwürdige St. Dominikus-Kirche.© Stephan Burianek / Stephan Burianek Rührend inmitten der modernen Großstadt: Die altehrwürdige St. Dominikus-Kirche.© Stephan Burianek / Stephan Burianek




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-04 10:53:12
Letzte Änderung am 2012-04-06 12:32:13


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