"Mode ist meine Arbeit, ich lebe davon, ich lebe dafür. Sie ist ständig um mich. Ein cooler Style für den Mann von heute ist definitiv abhängig vom Alter. In einem nicht mehr ganz taufrischen Zustand befindlich, so jenseits der 40, finde ich extrem modisch gekleidete Männer eher lachhaft. Wenn Mann etwas Falten ansetzt und die Schläfen grau werden, lässt einen das extrem modische Statement eher wie eine Figur wirken. Da fehlt es an Authentizität", so Klaus Mühlbauer, seines Zeichens die neue Generation Hutmacher im Familienunternehmen Mühlbauer Hüte zu Mode und grundsätzlichen Stilfragen: "Sich auf Qualität zu besinnen, ist nie verkehrt. Mehr Klassiker einzubauen, die den Outfits das Gockelhafte nehmen. Jüngere Männer, Mitte Zwanzig, können sich hingegen mehr erlauben. Das sichtbare Mode-Experiment und die Lust am wilden Kombinieren wirken dann auch total nett, interessant und amüsant. Diese Versuche bei der Stilsuche sind sehr erwünscht und es braucht sie, um sich nach und nach stilistisch zu finden." Mühlbauers Hutkreationen sind auch in dieser Saison wieder richtungsweisend. Die zerknautschte Version des klassischen Trilbys ist heute, einige Jahr nach ihrer Lancierung im Hause Mühlbauer, weltweit massentauglich. Die gebleichten ombre-gefärbten Kreationen aus der aktuellen Frühling-Sommer-Kollektion stehen schon als würdige Nachfolger in den Startlöchern. Eine gut gewählte und somit zumeist qualitativ hochwertige Kopfbedeckung kann fürwahr ein Outfit komplettieren, aufwerten und verändern. Ähnliches gilt bei der Wahl des Schuhwerks, des Anzugs und eigentlich generell bei der Selektion an Tragbarem. Die Passform und das Tragegefühl eines maßgeschneiderten Stücks sind einfach einzigartig und unvergleichlich zu einem Konfektions-Kollegen, da sind sich Klaus Mühlbauer und Roman Globan einig. Der multi-talentierte Modemann ist heute weniger als Stylist und mehr als Kreativdirektor sowie als Chefredakteur und Herausgeber des "Peng! Magazine" tätig: "Die besten Anzüge gibt es in der Londoner Savile Row oder bei Tom Ford in New York. Von der Stange tendiere ich zu Dries van Noten, Raf Simons, Dior Homme oder Maison Martin Margiela." Dennoch ist der auf den Leib geschneiderte Stoff bzw. die Designervariante nicht für jederman(n) in leistbarer nächster Nähe. Zumindest war dies noch bis vor kurzem so. Die Brüder Krieglstein haben sich dieser Nische angenommen und nehmen nun unter dem Label Hemdenbrüder in der Modeboutique Turczynski Maß, auf dass ihre Kunden kurze Zeit später einen formschönen Zwirn ihr Eigen nennen können.
Tendenziell
"Modeversierte Männer tragen gerade Spencer-Jacken mit Bundfaltenhosen wieder ganz gerne." So Roman Globan zu Tendenzen in Sachen Anzugformen und weiter auf die Frage nach dem Stellenwert und der Bedeutung von Denim heutzutage: "Ich sags mal so: Könnte man Jeans essen, würde man sie ins Müsli mischen." Auch für Klaus Mühlbauer ist eine dunkelblaue, un-washed Jeans ein alltäglicher Kombinationspartner. Mit dunklem Sakko, zum Hemd kariert, uni oder gestreift oder einfach nur zu einem tollen Strickcardigan ist man(n) so auch für Businessmeetings und Dates zwar locker aber nicht zu leger gekleidet. Im Fokus: die Kunst des Downdressings. Der Mix aus Designer-Teilen und Basics von Retailern wie z.B. H&M, Zara und C&A macht die Spannung, das überraschend Interessante aus und prägt den jeweiligen, individuellen Stil.

Stil mobil
Für alle, die mit mehr als sieben Sachen unterwegs sind, hat Klaus Mühlbauer einen alltagstauglichen Tip: "Bevor die Verlegenheit entsteht, zu einem Männerhandtascherl zu greifen, passt ein einfaches Nylonsackerl, in das man(n) Laptop, Magazine & Co. einpackt, wirklich immer." Wer dabei noch mehr ein modisches Statment setzen möchte, greift einfach zu einem mit Mode-Logo bedruckten Exemplar. Hier bietet es sich an, tragbare Plastikbeutel von österreichischen Mode-Größen wie Ute Ploier, Fabrics Interseason oder Wendy & Jim und solchen, die gerade auf dem Weg sind, im Modeolymp Einzug zu halten, wie George Bezhanishvili oder Markus Binder zu wählen. "Österreichische Designer wie Petar Petrov, Winfried Mayer oder Peter Holzinger von Superated jonglieren gekonnt zwischen Klassik und Mode-Experiment, während sie dem Versuch nachgehen und auch nachkommen, Neues zu etablieren. Das ist spannend!", so Klaus Mühlbauer.
Modestadt Wien
Roman Globans Lieblingsstadt ist ganz pragmatisch gesehen Wien: "Weil man nirgends auf der Welt eine so hohe Lebensqualität zu einem vergleichsweise günstigen Preis bekommt." In Boutiquen wie Song, Park, Chegini, Amicis und Mühlbauer gibt es von der Innenstadt über die Praterstraße bis hin zur Neubaugasse eine global relevante Selektion an Designern aus den Modemetropolen wie Paris, London, New York, Tokyo, Stockholm und Mailand. Kaufhäuser im Stil von Harrods in London, Bon Marché in Paris oder NK in Stockholm wären wohl der nächste große Schritt in Richtung eines noch etablierteren Modestadt-Status. Dennoch ist es beachtlich, wie sich Wien im vergangenen Jahrzehnt modisch (weiter)entwickelt hat. Der boomende E-Commerce-Markt gestattet weitere Vertiefung in stilistische Liebeleien und komplettiert ubiquitär erreichbar das Style-Faible für außergewöhnliche Fashion-Pieces. Ob diese zu gewagt, unmännlich oder gar "No-Go"-Signale aussenden, liegt wohl im Auge des Betrachters und ist Geschmacksache. Roman Globan mag weder Geschlechterklischees noch findet er den Genderwahnsinn zeitgemäß: "Insofern gibt es für mich den Begriff des Unmännlichen‘ gar nicht. Es geht vielmehr um Authentizität. Jeder sollte sich verhalten und kleiden, so wie er wirklich ist und sich fühlt, dementsprechend wäre für mich das Gegenteil davon dann ein No-Go‘. Tendenziell kann man sagen, dass die Männermode in den letzten Jahren unisexueller bzw. femininer geworden ist, d.h. Leggings, Röcke, Schuhe mit Absatz etc. sind keine Seltenheit mehr in den Kollektionen der Designer. Ob das gut oder schlecht ist, kann jeder für sich selber entscheiden. Für mich ist die Männermode aber zumindest im 21. Jahrhundert angekommen und symbolisiert dadurch das Aufbrechen klassischer Geschlechterrollenklischees." Diese These untermauert der US-Modedesigner Jeremy Scott: "Es gibt immer mehr Möglichkeiten. Verschiedene Formen, Schnitte und Materialien geben mehr Freiheit beim Styling. Männer wie etwa der Sänger Kanye West, der auf Welt-Tournée mit Jay Z meine Designs auf der Bühne trägt, macht so einen Rock für jeden Mann greifbarer." Extravaganz ist seine Spezialität. Mit Comic-Prints auf Hosen, Jacken sowie ausgefallenen Sneaker-Modellen mit Flügeln oder Stoffteddys, die in Kooperation mit Adidas Originals entstehen, sind Jeremy Scotts Entwürfe Lichtjahre von Anzügen, Krawatten und genagelten Schuhen der Corporate Business World entfernt. Scotts Lebensmittelpunkt spielt sich in den Hollywood Hills von Los Angeles ab. Durch die geographische Nähe erklärt sich jene zur Musik- und Filmszene. Auch die Queen of Pop, Madonna, kleidet sich für ihre Auftritte gerne medienwirksam, was mit den bunten Sportswear-Entwürfen von Mister Scott garantiert ist.