• 24. Mai 2013

  • RSS abonnieren
  • Wiener Zeitung auf Facebook
  • Auf Twitter verfolgen

Sie sind hier:


  • vom 20.04.2012, 09:00 Uhr

WienerJournal

Update: 20.04.2012, 12:41 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Der besonders große "Kleine Unterschied"


Von Alexandra Grass

  • Der sogenannte "Kleine Unterschied" zwischen Mann und Frau scheint so klein gar nicht zu sein.

Jahrhundertelang wurde in der Medizin so getan, als gäbe es nur ein Geschlecht - und zwar das männliche. Kein Wunder, dass Herzinfarkte bei Frauen deshalb oft unerkannt blieben, denn die Symptome sind anders als bei Männern. "Es schockierte mich, als ich erfahren musste, wie viele Frauen vom Arzt mit der (Fehl-)Diagnose Angstattacke oder hysterischer Anfall wieder weggeschickt wurden, obwohl sie mit ernsten Anzeichen eines Herzinfarkts zur Untersuchung gekommen waren", schreibt die US-amerikanische Kardiologin Marianne Legato in ihrem Buch "Evas Rippe". Dies war die Initialzündung für Legato, sich fortan der sogenannten Gender-Medizin zu widmen. Sie gilt als Vorkämpferin und ist bis heute führende Expertin auf dem Gebiet der geschlechtsspezifischen Medizin.

Werbung

Oft falsch behandelt

Schon Ende der 1980er Jahre hatte sie sich mit Herzkrankheiten bei Frauen beschäftigt und war immer öfter auf Besonderheiten im Vergleich zu Männern mit denselben Erkrankungen gestoßen. Sie entdeckte immer mehr Fälle, in denen Frauen nicht nur falsch diagnostiziert, sondern auch falsch behandelt wurden. Das Wissen über die Unterschiede zwischen Mann und Frau in der Medizin ist seither immens gestiegen.

Alexandra Kautzky-Willer, seit 2010 Inhaberin des Lehrstuhls für Gender-Medizin an der Medizinischen Universität Wien, rechnet mit noch vielen spannenden Ergebnissen im Rahmen ihrer Forschungstätigkeit auf diesem Gebiet. In ihrem neu erschienen Buch "Gesundheit: Eine Frage des Geschlechts" zeigt sie auf, warum es wichtig ist, dass die Medizin einen Unterschied zwischen Mann und Frau macht.

Information

Bücher:

"Gesundheit: Eine Frage des Geschlechts": Alexandra Kautzky-Willer, Elisabeth Tschachler, Orac-Verlag, 192 Seiten, 22 Eur
"GourMed-Cuisine: Gesunde Küche für Genießer", Alex Witasek, Dominik Stolzer, Orac-Verlag, 214 Seiten, 29,90 Euro

Website La Pura Womae's Health Resort Kamptal

Schon in der Diagnosestellung gibt es erhebliche Differenzen. Während Männer ihre Beschwerden gezielt angeben, verlieren sich Frauen häufig in unspezifischen Schilderungen. Wesentliche Symptome werden auch oft verschwiegen. Nicht selten kommt es dazu, dass dadurch Krankheiten nicht rechtzeitig erkannt und behandelt werden können. Die Hormone, die Erbanlagen, die Anatomie und Stoffwechselvorgänge tun ihr Übriges, um für unterschiedliche Ausprägungen ein und derselben Krankheit zu sorgen.

Für Frauen und Männer

Gen-der-Medizin ist allerdings keineswegs mit Frauenmedizin gleichzusetzen. Meist werden die Frauen deshalb hervorgehoben, "weil dort einfach die Unterschiede krasser sind und Nachholbedarf besteht", erklärt Kautzky-Willer. Es gibt allerdings auch Beispiele - etwa der Darmkrebs -, wo Männer häufiger mit aggressiveren Formen und einem rascheren Fortschreiten zu kämpfen haben. Vermutlich wird man aus diesem Grund bald das Alter für die Darmkrebsvorsorgeuntersuchung bei Männern um fünf Jahre heruntersetzen - nämlich auf 45 Jahre.

Bei Frauen treten hingegen Allergien, Autoimmunerkrankungen, Depressionen, Osteoporose, Diabetes und chronische Erkrankungen viel häufiger auf. Im Steigen sind auch die sogenannten Zivilisationskrankheiten wie Adipositas, degenerative Erkrankungen der Wirbelsäule und Erkrankungen aufgrund mangelnder Bewegung, was auf einen veränderten Lebensstil mit Mehrbelastung und Stress zurückzuführen ist.

Aber auch bei der Depression sind die Unterschiede nicht zu unterschätzen. Während die Diagnose bei Frauen aufgrund vieler unklarer Symptome zu häufig und oft zu Unrecht gestellt wird, wird sie bei Männern meist gar nicht als Möglichkeit herangezogen. Mit ein Grund dafür ist, dass depressive Männer eher zu aggressivem Verhalten oder zu Alkoholmissbrauch neigen und damit falsch diagnostiziert werden.

Medikamentenstudien

Ein weiteres Problem: Der Prototyp für Medikamentenstudien ist der 30- bis 40-jährige, weiße, normalgewichtige Mann mittlerer Körpergröße. Einerseits liegt das an langwierigen Zulassungsverfahren für Arzneien und der Angst, Medikamente an Frauen zu testen, die unbemerkt schwanger sein könnten. Auch zeigt der weibliche Körper stärkere hormonelle Schwankungen, was die Wirkung von Medikamenten unterschiedlich beeinflussen kann. Aber auch Kinder oder alte Menschen sind damit von der Pharmaindustrie vernachlässigt. Nur langsam rücken die Unterschiede in den Blickpunkt der Forschung.

In der Diagnose und Therapie scheinen die Männer bevorzugt und dennoch sterben sie früher. Frauen hingegen leben länger, allerdings weniger Lebensjahre in guter Gesundheit. Das Doppel-X Chromosom dürfte bei Frauen grundsätzlich für eine Bevorzugung im Immunstatus und in den Genen für die Herz-Kreislauffunktion sorgen, was zu einer längeren Lebenserwartung führt, erklärt Kautzky-Willer. Je mehr sie sich jedoch den männlichen Lebensstil aneignen, desto mehr wird in den nächsten Jahren auch dieser biologische Vorteil verloren gehen.

Aus dem Bereich der Gender-Medizin kommen fast täglich neue Erkenntnisse. Und: Es profitieren beide Geschlechter davon.

La Pura Women´s Health Resort

Als wissenschaftliche Leiterin betreut Alexandra Kautzky-Willer seit vergangenem Jahr das erste frauenspezifische Gesundheitsresort in Österreich: Das der Vamed-Gruppe angehörige "la pura women´s health resort Kamptal" richtet seinen Fokus ausschließlich auf die Gesundheit der Frau. Das Team des Hauses in Gars am Kamp setzt die Erkenntnisse der gendermedizinischen Forschung in ganzheitliche Gesundheitsangebote um. Frau kann Kraft tanken, sich einen neuen Schwung für den Alltag holen oder Hilfe bei bestehenden Erkrankungen erhalten. Das Ärzteteam, angeführt von Gabrielle Dienhart-Schneider, versucht, im Rahmen eines ärztlichen Erstgesprächs, die Problemfelder jedes einzelnen Gastes abzustecken, um gezielte Therapien anbieten zu können.

Depressive Männer neigen zu Alkoholmissbrauch.

Depressive Männer neigen zu Alkoholmissbrauch. Depressive Männer neigen zu Alkoholmissbrauch.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-19 17:17:06
Letzte Änderung am 2012-04-20 12:41:38


Werbung



Beliebte Inhalte



"Totally sexy" lautet hier das Motto. Und das um jeden Preis. - Luiza Puiu
  • Label balanciert auf dem schmalen Grat zwischen sexy und ordinär.
  • weiter

RBI-Chef Herbert Stepic stellt seine Funktion als CEO zur Verfügung. - APAweb / Hans Klaus Techt
  • "Mr. Osteuropa" verabschiedet sich von seinem "Lebenswerk"
  • weiter

Solidarität, Unverständnis, aber auch Furcht und Hass machen sich in London breit. - APAweb/REUTERS/Luke MacGregor
  • Islamistischer Tathintergrund: Polizei geht von "einsamen Wölfen" aus.
  • weiter

In Stockholm kam es die fünfte Nacht in Folge zu Krawallen. - APAweb / Reuters
  • Auch wegen Fußballspielen und Prinzessinnen-Hochzeit.
  • weiter

"Bevor uns das Rohöl ausgeht, geht uns das Wasser aus" , ist Brabeck-Letmathe überzeugt. - dpa
  • Spitzenmanager über Europas Defizite und emotionale Debatten.
  • weiter

Haben die Wiener Senioren mehr Weitblick als die eigene Partei? - Rösner
  • Die "rote Basis" macht Urlaub - und schimpft über die (grüne) Stadtpolitik.
  • weiter

Eine erste Teststrecke beim Westbahnhof wurde grün angemalt. - APAweb / Georg Hochmuth
  • City-Chefin Stenzel: Grüne geben Steuergelder für Parteiwerbeaktion aus.
  • weiter

Schütze Bosko Rasovic trainiert fünfmal pro Woche. S. Jenis
  • Rund 24.000 Wiener haben eine Waffenbesitzkarte.
  • weiter





Gottfried Helnwein, Peinlich, 1971,

Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. 23.05.2013: Nach 28 Jahren stießen Biologen auf eine unbekannte Affenart in Afrika: die Lesula-Affen. Sie leben versteckt in der Lomami-Region in der Dem. Rep. Kongo und wurden nun von der Universität von Arizona für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt.

Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird. Mailands "neubabylonischer" Hauptbahhnhof

Werbung