• vom 30.11.2013, 16:03 Uhr

WienerJournal


Loebner-Preis

Auf der Suche nach dem menschlichsten Computer




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Von Raffael Fritz

  • Zum 23. Mal wurde im September der Loebner-Preis verliehen: Er soll Computerprogramme prämieren, die sprachliche Intelligenz beweisen – doch mit ihrer Intelligenz ist es bislang nicht weit her.

"Ezähl’ mir einen Witz", tippt Noel Sharkey in das Textfeld. Nach ein paar Sekunden erscheint eine Antwort auf dem Computerbildschirm: "Ein Freund hat mir gesagt, er kennt einen Mann mit einem Holzbein namens Smith. Also habe ich ihn gefragt: Wie heißt sein anderes Bein?" Sharkey zieht einen Mundwinkel nach oben, dann tippt er die nächste Frage in das Textfeld: "Was ist größer, ein großer Löwe oder ein kleiner Berg?" Und prompt erscheint wieder die Antwort: "In meinen Augen ist ein großer Löwe größer." Sharkey zupft an seinem weißen Bart, kritzelt etwas auf einen Zettel, dann schreibt er: "Tut mir leid, du versuchst mich glauben zu machen, dass du ein Mensch bist. Aber in Wirklichkeit bist du eine Maschine." "In Ordnung", antwortet ihm Tutor, eines der vier Computerprogramme im Finale des diesjährigen Bewerbs um den Loebner-Preis. Noel Sharkey, Professor für Robotik und Künstliche Intelligenz an der Universität Sheffield, ist einer der vier Juroren – und in der ersten Runde hat er nur zwei Fragen gebraucht, um die Maschine zu entlarven.

Computer können heute allerhand: Sie machen Berechnungen, für die ein Mensch Jahrtausende bräuchte, sie sammeln und werten Unmengen von Daten aus – doch eine normale Konversation mit einem Menschen zu führen, das ist eine ganz andere Herausforderung. Und um diese Herausforderung geht es beim Loebner-Preis. Die Idee dahinter geht auf den Begründer der Informatik, Alan Turing, zurück. Im Jahr 1950, als die ersten digitalen Computer das Licht der Welt erblickten, fragte er sich: Können Maschinen denken? Und um diese Frage zu klären, schlug er einen Test vor: Ein Fragesteller führt über Bildschirm und Tastatur eine Konversation mit zwei ihm unbekannten Gesprächspartnern. Der eine ist ein Mensch, der andere eine Maschine. Beide versuchen den Fragesteller davon zu überzeugen, dass sie menschlich sind. Ist der Fragesteller am Ende nicht sicher, wer der Computer ist, hat dieser den Turing-Test bestanden – er besitzt zumindest menschenähnliche Intelligenz.


Jahrzehntelang war der Turing-Test nur von theoretischem Interesse. Er sei nichts weiter als ein "interessantes Stück Science-Fiction", hat der Philosoph Richard Purtill Anfang der siebziger Jahre geschrieben. Doch im Jahr 1990 änderte sich das, als der amerikanische Millionär Hugh Loebner einen alljährlichen Bewerb ausrief, bei dem Computerprogramme in einem Turing-Test gegeneinander antreten. Und in seiner dreiundzwanzigsten Auflage geht dieser Bewerb in Londonderry, Nordirland, über die Bühne. Im Großen Saal der University of Ulster sitzen knapp 50 Zuschauer und sehen den Juroren zu, wie sie an ihren Computern tippen. Auf ihren Bildschirmen sind zwei Chat-Fenster nebeneinander zu sehen. Im einen Fenster chatten sie mit einem Computerprogramm, im anderen mit einem Menschen, der in einem Nebenraum sitzt. Und die Jury versucht, in Konversationen von jeweils 25 Minuten herauszufinden, in welchem Fenster der Mensch und in welchem die Maschine antwortet.

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Dokument erstellt am 2013-11-28 10:15:36
Letzte ─nderung am 2013-11-28 10:21:19



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