• vom 16.03.2014, 11:47 Uhr

WienerJournal

Update: 08.04.2014, 13:34 Uhr

Fasten

"Der Mensch lebt nicht vom Brot allein" (5. Mose 8.3)




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Von Edit Rainsborough

  • Was haben Moses, Jesus, Mohammed und Buddha gemeinsam? Sie alle haben an entscheidenden Wendepunkten ihres Lebens gefastet. Heute ist es ob des allgegenwärtigen Konsumwahns und Überangebots wieder schick, zu verzichten. Doch Fasten ist mehr als nur eine Modeerscheinung.

"Zwei Bier sind auch ein Schnitzel", pflegte ein Freund immer zu sagen, und auch des Mittelalters Mönche waren überzeugt, dass Flüssiges das Fasten nicht breche ("Liquida non frangunt ieunum"). Sogar die von der römisch-katholischen Kirche als Heilige verehrte Hildegard von Bingen empfahl, Bier zu trinken ("Cervisiam bibat!"). Wohl aus gesundheitlichen Gründen, denn "die Qualität des Trinkwassers war bis in die Neuzeit schlecht", erzählt der Religionswissenschafter Franz Winter von der Universität Wien. Wie viel Bier die Klosterbewohner trinken durften, regelte 817 das Konzil zu Aachen: "Der Chorherr bekommt fünf Pfund Bier, die Nonne aber nur drei Pfund." Täglich. Und damit die fünf Pfund Bier mehr Kalorien hergeben als zweieinhalb Schnitzel, brauten die Mönche ein besonders nahrhaftes Bier, das unter dem Namen "Fastenbier" (Starkbier, Bockbier; siehe Kasten S. 6–7) zur Fastenzeit noch heute gebraut wird.

Fasten ist noch immer Bestandteil des religiösen Lebens. Essensbeschränkungen, Fastenregeln bestimmten früher den Alltag. Nahezu alle Religionen kennen den Verzicht.
Im Judentum gibt es beispielsweise nur einzelne Fastentage, wie Jom Kippur, Tischa beAv oder das Esther-Fasten vor Purim. "Das Fasten an diesen Tagen dauert 25 Stunden, an denen weder gegessen noch getrunken wird", sagt der gläubige Jude Aaron Schwartz aus Berlin. Die Bibel schreibt zum Fasten an Jom Kippur: "Denn an diesem Tag entsühnt man euch, um euch zu reinigen. Vor dem Herrn werdet ihr von allen euren Sünden wieder rein." (3. Mose 16.30) Für Schwartz ist die soziale Komponente des Fastens ebenso wichtig, "es gibt einem das Gefühl der Zusammengehörigkeit".


"Innere Abrechnung"

Für die in Wien lebende Muslima Mona Bassiouni birgt das Fasten im Ramadan etwas Schönes, "weil da alle mitmachen und es einem das Gefühl gibt, dazuzugehören". Im Islam wird einen ganzen Monat lang gefastet, täglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang darf weder gegessen noch getrunken werden. "Am Abend brechen wir das Fasten mit drei Datteln und etwas Saft. Nach dem Abendgebet essen wir zusammen", sagt Bassiouni. Dass das leichte Nachtmahl des Öfteren üppiger als notwendig ausfällt, ist ob der Freude am gemeinsamen Tun kaum zu verübeln. Das Fasten im Ramadan, eine der fünf Säulen des Islam, "ist eine innere Abrechnung, ein Gottesdienst, sich mit dem Glauben und sich selbst auseinanderzusetzen", meint Bassiouni, "man fastet, um näher zu sich und zu Gott zu kommen und um Abstand von weltlichen Dingen zu bekommen". Im Koran steht: "Ihr, die ihr glaubt, euch ist das Fasten vorgeschrieben wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren, damit ihr vielleicht gottesfürchtig werdet." (Qur'an 2:183)

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Dokument erstellt am 2014-03-24 11:48:32
Letzte ─nderung am 2014-04-08 13:34:48



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