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  • vom 09.09.2014, 15:30 Uhr

WienerJournal

Update: 09.09.2014, 15:42 Uhr

Wiener Journal

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Von Teresa Reiter

  • Menschen, die Sozialarbeit in Anspruch nehmen müssen, entsprechen beinahe nie dem Klischeebild, das die Öffentlichkeit von ihnen hat. Ihre Betreuerinnen und Betreuer hingegen kennen die Nuancen des Lebens derjenigen, die vom Absturz bedroht sind.

"Mit vierzehn hast du einfach keine Perspektiven. Es lebt dir keiner vor, wie du es richtig machen sollst." - © Christoph Liebentritt

"Mit vierzehn hast du einfach keine Perspektiven. Es lebt dir keiner vor, wie du es richtig machen sollst." © Christoph Liebentritt

Es ist der Abend vor Silvester, als bei den Wiener Frauenhäusern das Telefon läutet. Am anderen Ende ist eine junge Frau, die um Hilfe bittet. Ihre Freundin Marija* brauche dringend einen Ort, an dem sie vor ihrem Mann sicher ist, sagt sie. Als die Freundin mit der Sozialarbeiterin spricht, klopft Marijas Herz laut. Der Anruf ist für sie ein Sprung ins kalte Wasser. Die 29-Jährige weiß nicht was jetzt kommt. Wird man ihr helfen? Wird man ihr glauben?

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Marija ist eine von hunderten Frauen, die jedes Jahr Schutz in den Wiener Frauenhäusern suchen. Sie kommen Tag und Nacht, manchmal mit hastig zusammengepackten Sachen, einige tragen Kinder im Arm. Die Bandbreite ihrer schlechten Erfahrungen mit Männern ist groß. Sie wurden verprügelt, vergewaltigt oder sie wurden Opfer von psychischer Gewalt. Geschäftsführerin Andrea Brem erklärt, dass sich die Gewalt, denen ihre Klientinnen ausgesetzt waren, verändert. Immer öfter kämen nun Frauen, die von ihren Männern mit Psychoterror verfolgt werden. Pathologische Eifersucht, Verfolgung und Drohungen stünden mittlerweile für viele Frauen auf der Tagesordnung. "Es ist uns ein Anliegen, ein Bewusstsein für diese Art der Gewalt zu schaffen", sagt Andrea Brem. Viele Menschen tendierten nämlich dazu, psychische Gewalt zu verharmlosen. Viele Opfer würden deshalb den Fehler bei sich selbst suchen.

Ähnlich erging es auch Marija. Sie stammt aus einem kleinen osteuropäischen Land und eigentlich begann ihr Leben in Österreich gar nicht so schlecht. Sie fand bald eine gute Stelle im Pflegebereich und lernte ihren Mann Petar* kennen. Auch er ist Osteuropäer und sucht in Österreich Arbeit auf der Baustelle. Sie heiraten jung und ziehen zusammen in eine kleine Wohnung. Am Anfang ist alles in Ordnung, Petar gibt sich Mühe und lernt sogar Marijas Muttersprache.


Geborgtes Geld

Doch mit den Jahren verändert sich Petar. Er hört auf zu arbeiten, ist oft aggressiv, wenn er nach Hause kommt. Er nimmt Marija die Kontokarte ab. Das Geld, das sie verdient, gehört jetzt ihm. Schon bald reicht ihm ihr Gehalt nicht mehr. Er möchte in Osteuropa Häuser für seine Familie bauen. Dafür soll Marija bezahlen. Wenn sie nicht genug nach Hause bringt, wird Petar wütend. Er zerschlägt die Möbel in der gemeinsamen Wohnung, beschimpft Marija und beginnt schließlich sie zu schlagen. Für die junge Frau wiederholt sich der Alptraum von da an beinahe täglich. Manchmal entschuldigt sich Petar, beteuert, er werde sich ändern, doch nach ein paar Tagen ist alles beim Alten. Er macht Marija für alles verantwortlich, dass sie zu wenig Geld haben, dass er sie schlägt. Immer wieder sagt er ihr, sie sei selbst schuld, bis sie ihm schließlich glaubt.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-09-09 15:31:23
Letzte Änderung am 2014-09-09 15:42:26



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