• vom 24.09.2016, 11:00 Uhr

WienerJournal

Update: 25.09.2016, 09:20 Uhr

Fitness

Auf die harte Tour




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Von Christina Mondolfo

  • Wer nach einer herausfordernden, aber extrem effektiven Sportart sucht, sollte es mit Crossfit versuchen. Nebenwirkung – abgesehen vom Muskelkater: Man kommt nicht mehr davon los.

- © Moritz Ziegler

© Moritz Ziegler

So schwer können die Kettlebells gar nicht sein, dass Vanessa, Michael und Maximilian (v.l.n.r.) nicht trotzdem gute Laune verbreiten.

So schwer können die Kettlebells gar nicht sein, dass Vanessa, Michael und Maximilian (v.l.n.r.) nicht trotzdem gute Laune verbreiten.© Moritz Ziegler So schwer können die Kettlebells gar nicht sein, dass Vanessa, Michael und Maximilian (v.l.n.r.) nicht trotzdem gute Laune verbreiten.© Moritz Ziegler

Die Einrichtung des Sportstudios wirkt nahezu spartanisch: Lang- und Kurzhanteln, Bälle, Kettlebells, Seile, Springschnüre, Klimmzugstangen und Gymnastikmatten, aber weder glänzende Hightech-Fitnessmaschinen noch endlose Reihen von Steppern oder Laufbändern. Wer jetzt allerdings denkt, in der Crosszone im ersten Wiener Gemeindebezirk eine ruhige Kugel schieben zu können, liegt völlig falsch. Hier wird Crossfit trainiert,
eine Sportart, die Anfang der 1980er Jahre in den USA entwickelt wurde und ursprünglich dazu diente, diverse Militär- und Polizeieinheiten fit zu machen. Dabei werden unter anderem Elemente aus dem Krafttraining wie Gewichtheben oder Bankdrücken mit Ausdauer-Übungen und Yoga-Elementen kombiniert. Höhepunkt jeder Stunde: das Workout of the Day (WoD), bei dem eine Abfolge verschiedener Übungen in einer bestimmten Zeit oder mit einer festgelegten Anzahl von Wiederholungen absolviert wird. All das ist zwar äußerst anstrengend, fördert aber Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Gleichgewicht, Koordination und Schnelligkeit auf effektive Weise und hat mittlerweile auf der ganzen Welt viele Anhänger gefunden. Die englischen Bezeichnungen werden überall verwendet und so weiß jeder, egal in welchem Land er gerade trainiert, dass ein Push Up ein Liegestütz ist, Squats Kniebeugen sind und mit Pull Up ein Klimmzug gemeint ist. Und außerdem klingt das natürlich gleich viel dynamischer...

Auch in Österreich entdecken immer mehr Menschen die Vorteile dieses fordernden, aber gleichermaßen fördernden Sports. Maximilian Urak, der sportliche Leiter und Cheftrainer der Crosszone, hat gerade Pause und sitzt entspannt neben dem sauber aufgeräumten Trainingsbereich. Nach neun Jahren Profi-Rudern und Kampfsport stieß er vor acht Jahren auf Crossfit, und als sein Freund und Kollege Wilhelm Scholda 2011 die Crosszone gründete, war er von Anfang an dabei. Für Maximilian war Crossfit aber mehr als nur eine neue sportliche Betätigung, erzählt er dem "Wiener Journal": "Ich musste nach einer Oberschenkelverletzung lange pausieren und Crossfit erwies sich als hervorragendes Aufbautraining. Und was mir außerdem daran gefiel, war, dass es für Amateursportler und Profis gleichermaßen sinnvoll ist. Deshalb können Anfänger und Fortgeschrittene, Junge und Ältere problemlos nebeneinander in einer Gruppe trainieren." "Die Übungen sind variier- und skalierbar, wer nicht so fit oder beweglich ist, bekommt eben eine leichtere Variante oder macht nicht so viele Wiederholungen", wirft Vanessa Wagner ein. Die bislang einzige Trainerin im Crosszone-Team war vor einigen Jahren auf der Suche nach einer Trainingsmöglichkeit während des Winters, um für ihre Motocross-Karriere in Form zu bleiben, und kam in Graz erstmals mit Crossfit in Berührung. Heute ist sie nur mehr zum Vergnügen auf zwei Rädern unterwegs, dafür betreibt sie seit zwei Jahren Crossfit wettkampfmäßig. Und zeigt als Coach den Trainierenden, wo’s langgeht…

Information

INFO
Crosszone:
Studio Innere Stadt:
Fischerstiege 9, 1010 Wien

Studio Josefstadt:
Hamerlingplatz 8/6, 1080 Wien

Studio Währing:
Währingerstraße 90, 1180 Wien


Telefon: +43 1 36 16 800
www.crosszone.at

Preisbeispiele: 10er-Block 179 Euro, 1-Jahres-Vertrag mit unlimitierten Sessions 24 Euro pro Woche (weitere Angebote siehe Homepage)

Dass es anfangs nicht ganz leicht für sie war, gibt sie offen zu: "Es war eine Herausforderung, sich als Frau und Trainerin vor eine Gruppe Männer zu stellen, denn natürlich habe ich mir die Frage gestellt, ob mich die auch ernst nehmen. Also wollte ich beweisen, dass ich genauso anspruchsvoll bin wie ein männlicher Trainer, und war wohl sehr fordernd. Heute weiß ich genau, wann ich welche Leistung von wem verlangen kann." "Vanessa hat sich auch sehr in Sachen Verteilung von Männern und Frauen beim Training verdient gemacht", fügt Maximilian hinzu. "Anfangs lag der weibliche Anteil in den Gruppen bei etwa 25 Prozent, heute sind 50 Prozent der Trainierenden Frauen. Und die Tendenz ist steigend." Das freut Vanessa besonders, denn für sie zählt nicht nur der sportlich-gesundheitliche Aspekt, sondern noch ein weiterer: "Meine Arbeit als Trainerin soll auch zeigen, dass ein schön definierter, muskulöser weiblicher Körper sehr ästhetisch ist. Wenn ich damit zumindest bei einigen Frauen die Einstellung weg vom Magerwahn hin zu einer athletischen Form ändern kann, dann habe ich damit etwas Wichtiges erreicht." Sie lebt das jedenfalls vor, unverkrampft und leidenschaftlich, und was ihre Wettkampfleistungen angeht – die lassen viele Männer vor Neid erblassen...

In den Stunden wird gekeucht, geschwitzt, gestöhnt – und gelacht. Denn neben aller Konzentration und Anstrengung kommt auch der Spaß nicht zu kurz. Und wer sagt schließlich, dass man Gleichgewicht und Geschicklichkeit nicht auch mit "Beinhakeln" oder Kraft mit Seilziehen im Team trainieren kann? Und wenn das Wetter passt, dann werden zum Aufwärmen auch schon einmal zwei oder drei Runden um den naheliegenden Park gelaufen… Für die komplexen Bewegungsabläufe der einzelnen Übungen (ja, auch bei einer Kniebeuge kann man einiges falsch machen…) gibt es sogenannte Movement-Standards, das heißt, alle 18 Trainer der Crosszone zeigen und unterrichten sie auf die gleiche Art und Weise. Das hohe Ausbildungslevel jedes einzelnen ist ein selbstverständliches Kriterium, um in der Crosszone arbeiten zu können: Alle Trainer haben einen leistungssportlichen Hintergrund, die meisten einen sportwissenschaftlichen und einige einen trainingstherapeutischen. Michael Bürger hat alle drei. Der Ex-Basketballer und Kampfsportler betreut seit über fünf Jahren neben den Gruppenstunden auch viele Privatklienten, die nach Operationen, Verletzungen oder Problemen wie Bandscheibenvorfällen wieder fit werden wollen, aber auch Einsteiger, die sich das Training in der Gruppe noch nicht zutrauen. Sicherheit ist für ihn ein wichtiger Faktor: "Crossfit kann wirklich jeder machen – grundsätzliche Sporttauglichkeit natürlich vorausgesetzt. Wir fragen allerdings jedes neue Mitglied nach seinem körperlichen Zustand, um ihn keinem Risiko auszusetzen. Außerdem werden Übungen, die eher für Wettkämpfe gedacht sind, in Gruppenstunden selten und wenn, dann in quasi alltagstauglicher Form gezeigt. Und da wir maximal 15 Trainierende in eine Stunde nehmen, kann der Trainer auf jeden einzelnen ein Auge haben." Jede Übung wird vorgezeigt und genau erklärt, Haltungsfehler werden sofort korrigiert. Menschen, die aufgrund körperlicher Probleme für Personal Trainings zu ihm kommen, kann sich Michael intensiv widmen. Er passt die Übungen äußerst sorgfältig an und achtet ständig auf die richtige Ausführung. Wo so präzise trainiert wird, ist das Verletzungsrisiko nahezu gleich Null, Probleme tauchen höchstens auf, wenn sich Menschen überschätzen. "In den vergangenen Jahren haben Medien immer wieder negativ über Verletzungen durch Crossfit berichtet, doch nicht der Sport per se hat Schuld daran. Natürlich gibt es wie überall Risiken, aber darum hat man ja Trainer, die einem erklären, wie man es richtig macht. Es geht schließlich auch niemand in die Berge klettern, ohne es sich vorher von einem Fachmann zeigen zu lassen", betont Maximilian.

Was Crossfit so einzigartig in der Sportwelt macht, ist die Abwechslung. "Der sportmedizinische Vorteil liegt dabei im Aufbau der allgemeinen Fitness, also in der Verbesserung der Leistung des Herz-Kreislauf-Systems und der Muskelkraft. Der Körper gewöhnt sich bei Crossfit nicht an stets wiederkehrende und gleichbleibende Reize, sondern wird immer wieder überrascht und muss sich neu einstellen", erklärt Michael. Und das dient eben nicht nur der Steigerung der allgemeinen Fitness, sondern passt auch bestens als Aufbautraining – und als Prophylaxe. Und wenn sich dadurch die Lebensqualität steigern lässt, strengt man sich auch gerne an. "No pain, no gain – das stimmt für Crossfit garantiert. Allerdings darf man das Wort pain nicht mit Schmerz übersetzen, sondern in diesem Fall bedeutet es, immer wieder seine Grenzen zu überwinden", definiert Michael. "Wenn ich mich richtig verausgabe, wenn der zehnte Klimmzug nur mehr halb gelingt, aber ich habe ihn trotzdem in korrekter Ausführung gemacht, dann bedeutet das Weiterentwicklung. Ohne Anstrengung gibt es keine Verbesserung, mit Schmerz darf das allerdings nichts zu tun haben." Maximilian hat die wienerische Version dieses Mottos parat: "Von nix kommt nix" – und diese weise Erkenntnis passt schließlich auf das ganze Leben…

Wer zum ersten Mal in die Crosszone kommt, dem fallen sofort die familiäre Atmosphäre, der herzliche Umgangston und die Leidenschaft, die sowohl Trainer als auch Trainierende für Crossfit zeigen, auf. Das ist für Vanessa, Michael und Maximilian auch besonders wichtig. Ihre Motivation und das lockere, offene Klima machen die Vermittlung ihrer Begeisterung für Crossfit nach außen einfach. Falsche Versprechen werden keine gemacht: "In sieben Minuten pro Woche fit wie ein Turnschuh gibt’s nicht", betont Vanessa, "und das sagen wir auch jedem. Wir versprechen, dass es anstrengend wird, dass man seine Grenzen überwinden muss und dafür aber ziemlich schnell seine Leistung verbessern kann und dieses Versprechen halten wir auch." Das Konzept scheint zu funktionieren – über 700 Mitglieder sprechen für sich. Und die lächelnden Gesichter derer, die müde, aber stolz auf sich, nach einer Crossfit-Stunde das Studio verlassen – und beim nächsten Mal genauso motiviert wiederkommen...

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Schlagwörter

Fitness, CrossFit, Sport

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-09-23 09:41:07
Letzte ńnderung am 2016-09-25 09:20:39



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