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Europäische StaatenPrint this

Handystrahlung: Belgien senkt Grenzwert massiv

Aufzählung Tausend Masten müssen getauscht werden.
Aufzählung Bestrahlte Ratten starben bei Studie doppelt so häufig.

Brüssel/Wien. (rs) Auf die belgischen Mobilfunkanbieter kommt in den nächsten Monaten viel Arbeit zu: Nicht weniger als 1000 Sendemasten müssen in den Regionen Wallonien und Brüssel umgebaut werden.

Der Grund dafür: Nach Luxemburg und Italien hat nun auch Belgien die Grenzwerte für Strahlenbelastung durch Handy-Funkmasten drastisch gesenkt – nur noch 3 Volt pro Meter sind künftig erlaubt. In Österreich liegt der Wert derzeit noch bei 41 Volt pro Meter, was etwa dem Vierzehnfachen entspricht.

Grundlage für die Umstellung ist eine Studie der Katholischen Universität Löwen (KUL), die allerdings schon vor über einem Jahr publiziert wurde. In einer Testreihe wurde untersucht wie sich Ratten verhalten, die bis zu 18 Monate unterschiedlich starken Strahlen oder überhaupt keiner Strahlung ausgesetzt wurden. Die Tiere, die über längere Zeit einer durchschnittlichen bis starken Dosis ausgesetzt waren, wiesen dabei eine doppelt so hohe Sterblichkeitsrate auf. Einige der Ratten hatten auch Tumore entwickelt. Laut André Van der Vorst, der die Studie betreut hat, wurden durch die Handy strahlung auch die Merkfähigkeit und das Immunsystem geschwächt.

Die Mobilfunkindustrie warnt indessen vor Panikmache. Es gebe viel mehr Studien, die nachweisen, dass die Strahlung harmlos sei, erklärte Jack Rowley von der GSMA, einem Zusammenschluss von weltweit 750 Mobilfunkanbietern, in der "ZiB 2".

Der Leiter des Instituts für Umwelthygiene der medizinischen Universität Wien, Manfred Neuberger, sieht die Sache hingegen kritischer. "Wenn sich wirklich bestätigen sollte, dass die Gedächtnisleistung von Ratten abnimmt, wäre das ein alarmierendes Ergebnis", sagte Neuberger im Ö1-"Morgenjournal". Bisher hätten Tierversuche allerdings keine Zunahme von Tumoren durch Handy-Strahlung belegen können. Da es aber überhaupt noch keine Studien über Langzeitfolgen gebe, sei eine Anpassung der Grenzwerte an den jeweiligen Stand der Technik aber in jedem Fall sinnvoll. Ganz billig dürfte diese Zugang freilich nicht sein. In Belgien erwachsen den Mobilfunkbetreibern aus der Umstellung der 1000 Masten Kosten von rund 100 Millionen Euro.

Printausgabe vom Donnerstag, 18. Juni 2009
Online seit: Mittwoch, 17. Juni 2009 17:31:07

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