Heute ist alles anders. Wir wissen zwar noch nicht, wie die große Krise zu Ende gehen wird und ob die jetzigen Staatsinterventionen nicht noch mehr Unheil anrichten. Eines steht aber fest: Konservative Werte erleben ein gewaltiges Comeback.
Nach dem aggressiven Egoismus der parasitären 68er Generation wie auch dem der Schulden verjubelnden Banker-Generation wissen wir heute: Vorsicht und Sparsamkeit sind die erste Bürgerpflicht. Die Menschen können das lange vergessene Wort "Risiko" wieder buchstabieren. Das einstige De-facto-Parteiinstitut "Bank Austria" plakatiert, wie konservativ es sei. Junge Frauen lachen über verkrampfte Feministinnen. "Heimat" und "Familie" bekommen bei Umfragen absolute Spitzenwerte. Im deutschen Fernsehen wird jeden dritten Tag diskutiert, wie schön es ist, Kinder zu bekommen (der 68er ORF hinkt da wie immer nach). Leistung und Elite, Erziehung und Bildung haben wieder einen rasch wachsenden Stellenwert (während die Unterrichtsministerin und ihre lebensfremden Berater noch an die gleichmacherische Gesamtschule glauben). Auch die meisten Theater (bis auf die Burg) haben aufgehört, das Publikum zu vertreiben. Pornografie – eine Hauptforderung der 68er – wird teilweise wieder pönalisiert. Eine Partei nach der anderen schwenkt auf einen harten Law-and-Order-Kurs ein.
Dieser historische Paradigmenwechsel ist freilich noch unvollständig. Noch ist der Wert der klassischen Sprachen und Literatur nicht wiederentdeckt. Noch streiten die Christen lieber, statt ihr wert-volles Angebot in die Auslage zu stellen; und verwechseln individuelle Nächstenliebe mit dem politischen Kampfslogan Solidarität. Noch akzeptieren wir nicht die Pflege der eigenen Familienangehörigen als unsere eigene Pflicht.
Dennoch steht fest: Der Wandel findet statt.
Printausgabe vom Samstag, 28. März 2009Online seit: Freitag, 27. März 2009 18:07:19
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