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Wir sind wieder konservativ

Illustration

Von Andreas Unterberger

Es ist noch nicht lange her, da war es mega-out. Die Schwarzen wehrten sich mit Händen und Füßen dagegen, als "konservativ" bezeichnet zu werden; die Roten verwendeten dieses Adjektiv, um ihre Konkurrenten mit einem einzigen Wort vernichtend abzuqualifizieren. So wie die heutige Möchtegern-Spin-Doktorin Laura R. alles Böse mit dem Vokabel "neoliberal" zu entlarven glaubt (ohne es auch nur annähernd definieren zu können oder zu wissen, wie sehr sich Alfred Gusenbauer selbst um das Etikett "liberal" für seine Partei bemüht hat).

Heute ist alles anders. Wir wissen zwar noch nicht, wie die große Krise zu Ende gehen wird und ob die jetzigen Staatsinterventionen nicht noch mehr Unheil anrichten. Eines steht aber fest: Konservative Werte erleben ein gewaltiges Comeback.

Nach dem aggressiven Egoismus der parasitären 68er Generation wie auch dem der Schulden verjubelnden Banker-Generation wissen wir heute: Vorsicht und Sparsamkeit sind die erste Bürgerpflicht. Die Menschen können das lange vergessene Wort "Risiko" wieder buchstabieren. Das einstige De-facto-Parteiinstitut "Bank Austria" plakatiert, wie konservativ es sei. Junge Frauen lachen über verkrampfte Feministinnen. "Heimat" und "Familie" bekommen bei Umfragen absolute Spitzenwerte. Im deutschen Fernsehen wird jeden dritten Tag diskutiert, wie schön es ist, Kinder zu bekommen (der 68er ORF hinkt da wie immer nach). Leistung und Elite, Erziehung und Bildung haben wieder einen rasch wachsenden Stellenwert (während die Unterrichtsministerin und ihre lebensfremden Berater noch an die gleichmacherische Gesamtschule glauben). Auch die meisten Theater (bis auf die Burg) haben aufgehört, das Publikum zu vertreiben. Pornografie – eine Hauptforderung der 68er – wird teilweise wieder pönalisiert. Eine Partei nach der anderen schwenkt auf einen harten Law-and-Order-Kurs ein.

Dieser historische Paradigmenwechsel ist freilich noch unvollständig. Noch ist der Wert der klassischen Sprachen und Literatur nicht wiederentdeckt. Noch streiten die Christen lieber, statt ihr wert-volles Angebot in die Auslage zu stellen; und verwechseln individuelle Nächstenliebe mit dem politischen Kampfslogan Solidarität. Noch akzeptieren wir nicht die Pflege der eigenen Familienangehörigen als unsere eigene Pflicht.

Dennoch steht fest: Der Wandel findet statt.

Printausgabe vom Samstag, 28. März 2009
Online seit: Freitag, 27. März 2009 18:07:19


Kommentare zum Artikel:

24.11.2009 11:26:45 Entgegnung(2)
@pumuckl
Theorien, wie Kapitalismus und Marktwirtschaft
funktionieren sollen, gibt es einige -
mit der Wirklichkeit stimmt keine überein.
Die einzige Theorie, die mit der Wirklichkeit übereinstimmt,
ist die von Nationalökonom Prof. Dr. H.C.Binswanger;
er zeigt in seinem Buch "Geld und Wachstum"
anhand einer Modellrechnung :
"Ein Wirtschaftssystem mit Geld und Zins muss
wachsen(=zunehmen) - oder zusammenbrechen,
wenn es nicht mehr zunehmen kann.
Ein Lauf auf gleichbleibender Höhe ist unmöglich."
und die Praxis gibt seiner Theorie eher recht:
Jahre mit zuwenig oder 0 Wachstum waren ungute Jahre,
die Marktwirtschaft hat auch schon einige Zusammenbrüche
hinter sich.
Auf einer endlichen Erde kann nichts immerfort wachsen.
Wenn wir nicht periodische Zusammenbrüche in kauf
nehmen wollen, werden wir
ein neues grundsätzlich anderes Wirtschaftssystem
erfinden müssen.
neue Denkansätze dafür gibt es bereits,
z.B. auf der Homepage
http://home.pages.at/goedhe/GOD_Deutsch/Zusammenarbeit/IQOAsD.html
Diese Ansätze sind bewahrend(konservativ) bezüglich
Gesundheit, Umwelt, Rohstoffe ...
Anm.:Diese Entgegnung wurde von Herrn Unterberger zensuriert
Heinz Göd
24.11.2009 11:21:04 Entgegnung(1)
@CP
aus Wikipedia:
"Frühe Ideen des abendländischen Feminismus finden sich in den Schriften von Marie Le Jars de Gournay, die schon im 17. Jahrhundert die Menschenrechte proklamierte."
"In Österreich erhielten Frauen das allgemeine Wahlrecht am 12. November 1918 durch das Gesetz über die Staats- und Regierungsform von Deutschösterreich, ... "

@Peter
Bei den '68-ern' war ich nicht,
bin auch bei keiner Organisation.
Könnte nur durch Bücher 'indoktriniert' worden sein,
ein Auszug aus meiner Bücherliste für eine Analyse durch Sie:
http://home.pages.at/goedhe/GOD_Deutsch/Zukunft/LiteraturD.html

Anm.:Diese Entgegnung wurde von Herrn Unterberger zensuriert
Heinz Göd
02.04.2009 20:21:51 Konservatives Bewusstsein
Ich bin sehr geneigt Herrn Unterberger zuzustimmen. Allerdings darf man eines nicht außer acht lassen: Die Linke ist eine intellektuell hochgerüste Macht, die man nicht mit Biertisch- Parolen und einem diffusen Hurra- Patriotismus zurückdrängen kann. Ich habe manchmal den Eindruck die Rechte ist insgesamt illiterat. Um mit Linken argumentativ konkurrieren zu können, sollte man sich nicht nur gut in Volkswirtschaft auskennen, sondern auch wissen wer Karlheinz Weißmann, das Institut für Staatspolitik und die Zeitschrift Sezession sind. Ein "Gegen 68" von rechts ist nur möglich durch eine Graswurzelrevolution um intellektuellen Milieu.
Hannes Lechner
30.03.2009 16:40:39 Es ist nicht alles ...
... falsch, was Herr Unterberger schreibt. Aber vieles dürfte doch mehr seiner Wunschvorstellung entspringen denn der Realität.
So ist die Gesamtschule sicher nicht gleichmacherisch, sondern ein Weg in den (echten!) Individualismus im Bildungsbereich. Das derzeitige Schulsystem fördert weder Leistung, noch Entwicklung, noch Bildung, noch Eliten. Es fördert eher eine verkrustete Klassen- und Kastengesellschaft, die sich nicht nach den Bedürfnissen der Kinder, sondern bestenfalls nach denen der Eltern, schlechtestenfalls nach denen der Lehrer richtet. Noch hat bisher niemand bewiesen, dass 10jährige Kinder in der Lage sind zu entscheiden, welchen Bildungsweg sie wählen.

Auch die Vorstellung, dass Theater nicht mehr provozieren, trifft nicht die Realität. Ich bin kein Freund ausländischer Theaterdirektoren, die provozierten, um in die Medien zu kommen. Aber Theater darf prinzipiell (fast) alles, das ist gut so und wird immer so bleiben.

Und dass Pornographie pönalisiert wird, also davon habe ich zum Glück auch nirgends etwas gehört. Zumindest wenn man unter Pornographie das versteht, was ich darunter verstehe: Die Darstellung sexueller Handlungen aller Art zwischen Erwachsenen. Dass Perversionen dieses Begriffs nun schärfer verfolgt werden, hat nichts mit dem Verbot von Pornographie zu tun, sondern mit dem Schutz Minderjähriger, der offenbar gerade von den seit Jahren in politischer Verantwortung befindlichen Konservativen nicht ausreichend wahrgenommen wurde.
Kater
30.03.2009 15:29:18 Heute war Morgen noch Gestern
Wie alles Konservativen liegt Ihr Utopia in der Vergangenheit. Könnten Sie mir bitte sagen ob es ein konkretes Datum gibt? Damals als man noch auf Schutzbündler schießen durfte?
Christian Gradwohl
30.03.2009 13:28:19 Herr Göd
Auf all die von Ihnen aufgelisteten Begriffe, reagieren Sie mit Beißreflex. Sind Sie ev. ein bisserl indoktriniert worden?
Peter
30.03.2009 12:26:16 Neoliberalismus
Freilich sollte man den "Neoliberalismus" eher als "Ortholiberalismus" bezeichnen.

Definieren läßt er sich indes schon: Der Neoliberalismus ist jene pervertierte Form des Liberalismus, in welchem die Freiheit als eine Freiheit von Großkonzernen definiert wird, die keinerlei wie auch immer gearteten Beschränkungen, auch nicht ethisch-moralischer Natur, unterworfen werden darf. Unter anderem wird jene Freiheit so gedeutet, dass die Großindustrie das Recht hätte, Geld auch zum schweren Schaden aller anderen Bürger zu erwerben, z.b. durch Verkauf der Trinkwasserrechte wie in Südamerika geschehen, wodurch Seuchen und größte Not ausgebrochen sind. Die Definition könnte beliebig verfeinert werden....
LG
Karl Lamprechtsdorfer
30.03.2009 10:17:49 Konservativ =Panikreaktion?
Ich finde es zwar schön wenn junge Frauen in Zeiten der Wirtschaftskrise noch lachen können. Und wenn sie sich die Ergebnisse über die Gehaltsschere zwischen den Geschlechtern anschaun, dann ist es vermutlich sehr bitter.
Aber bei Leistung und Elite möchte ich doch noch einmal nachhaken:
Leben wir in einer Leistungsgesellschaft, wenn die größten Nieten die dicksten Gehälter einstreifen. Haben sie deshalb so kolossal versagt, weil sie so hoch gebildet und so wohlerzogen waren?
Otto
30.03.2009 09:44:18 Konservativ
Im Ingenieurwesen ist eine "konservative" Annahme eine, mit der man auf der sicheren Seite liegt.

Konservativ Sparen heißt, sich ein Bündel an Anlageformen zuzulegen und nicht alles auf eine Karte zu setzen. Z.B.: Haus und Grund, etwas Gold, Sparbuch und möglichst sichere Wertpapiere.

Konservativ heißt erhaltend und bewahrend.
Ferdinand G.
30.03.2009 03:00:27 @Göd: Zum Wesen der Marktwirtschaft & des Geldes
Marktwirtschaft im wahrhaft konservativen Sinn lebt nicht davon, dass auf Teufel komm raus Geld zirkuliert, sondern dass nur das produziert und geleistet wird, was einer ungelenkten Nachfrage entspricht, um die Gemeinwirtschaft (vormals 'Volkswirtschaft') in die Lage zu versetzen, noch am Ehesten alle Bedürfnisse zu befriedigen. Die größtmögliche Befriedigung allgemeiner Bedürfnisse setzt Sparsamkeit voraus, wie sie im Preiswettbewerb - und den Effizienzbemühungen dahinter - zum Ausdruck kommt.
Eine solche Wirtschaft hat eine unverkrampfte Einstellung zu Geld, weil nur dieses zurückliegende Leistungen entgelten kann. Geld ist der Ausfluss eines Gerechtigkeitsverständnisses, das auf dem Leistungsgrundsatz beruht. Das Gegenteil der sog Meritokratie ist die Ausbeutung, weil danach davon gelebt werden soll, was andere erwirtschaftet haben.
Sehr viele Entartungen der Geld- und Marktwirtschaft lassen sich auf den Einfluss von Gruppen zurückführen, die eben nicht ökonomischen Kreisen zuzuordnen sind.
pumuckl
29.03.2009 22:00:33 Wandel zum Guten?
Ich wünschte, es wäre so; aber solange uns die EU-Hintermänner und die heimischen Polit-"Eliten" platt gendern (Stichwörter Krippenforcierung, Frauen in die Industrie, Homo-Förderung, Islamisierung), kann ich nicht so recht dran glauben.

Aber bitte auf jeden Fall dran bleiben und weiter "bohren"!
Karl Schmikl
29.03.2009 19:57:55 Ich weiß ...
... ja nicht, wie es in Deutschland ist, aber dass sich Österreich grundsätzlich selbst ernähren kann, ist wohl außer Frage (insofern nicht alles, in globalisierender Manier, nach Buxtehude verschickt wird).

Ah ja, dass Frauenleben vor dem Feminismus, sah gewiss nicht so aus, wie in den Horrorgeschichten der postfeministischen Ära ...

---

Ansonsten Gratulation zur Erwähnung der "Eliten" - wie man das so nennt - bzw. der Besten (und nicht zum nächstbesten Pöbel), zu denen man endlich zurück kehren sollte.
CP
29.03.2009 12:31:32 'Konservative' Werte ?

"Vorsicht und Sparsamkeit":
das wird der Marktwirtschaft möglicherweise nicht guttun,
Marktwirtschaft lebt vom Kaufen, also Geldausgeben.
"Junge Frauen lachen über verkrampfte Feministinnen":
Die lachenden jungen Frauen sollten einmal nachlesen,
wie das Frauenleben vor dem Feminismus aussah.
"Heimat":
ist gut, aber sie lässt sich nicht von der Welt abkoppeln.
Globales Denken ist zwar unbequem, aber notwendig.
"... schön es ist, Kinder zu bekommen":
ja, aber wieviele? Deutschlands Landwirtschaft könnte
wahrscheinlich nicht einmal die Jetzige Bevölkerung
ernähren ohne Argentinien und Brasilien.
"Leistung":
ja, aber für wen und was ?
"Elite":
die bisherigen 'Eliten' haben langfristig noch immer
das Volk an die Wand oder in den Krieg gefahren,
'Eliten' wollen nur die 'Eliten' selber,
das Volk hat die 'Eliten' berechtigterweise satt.
"Erziehung":
ja, aber durch wen und wozu?
"Bildung":
ja, aber welche:
Allgemeinbildung mit welchen Inhalten? oder
Fachausbildung bis zum Fachidioten ?
"Law-and-Order":
ja, aber wo ist die Grenze bei 'Order' ?
Beim Untertanen-Staat ohne die Möglichkeit des Bürger-Protests?
Heinz Göd
28.03.2009 21:35:00 wieder konservativ
wunderbarer kommentar.er bringt in intellektueller form auf den punkt,was die normalen "menschen da draussen",egal welcher weltanschauung oder provenienz,grossteils immer empfunden haben.instinktiv sürten und spüren die leute,dass weder der linke 68-zugang,mit antiautoritärer erziehung,gefängnisloser gesellschaft etc.noch der hemmungslose kapitalismus verbunden mit grössenwahn und verächtlichem abtun von gutbürgerlichen tugenden wie sparsamkeit richtig sein können.
vereinfacht könnte man von naturgesetzen sprechen,und solange kein deutlicher evolutionssprung stattfindet,von den gesetzen der menschlichen natur.
leider gibt es wenige journalisten,die die gabe und die einstellung haben,das so auf den punkt bringen zu können wie dr.unterberger.
byrig
28.03.2009 20:49:23 Hat Dada ausgedadat ?
So manches, das sich lange Zeit avantgardistisch wähnte, war letztlich bloß der Griff in ein zauses Plusquamperfekt.
(Qualität ernennt sich nicht selbst-).

Wenn Parteien, Politiker, Gesellschafts- und Meinungsdemiurgen endlich aus ihren selbst- und fremdverordneten Dadaismus-Exkursionen zurückkehrten, gäbe es vielleicht bald wieder so etwas wie erkennbare Komposition.
Beatrix Pirchner
28.03.2009 16:16:31 'Konservative' Werte ?
Im derzeitigen Gesellschafts- und Wirtschaftssystem ist
der oberste Wert das Geld.
Dem Geld wird alles untergeordnet
und den Geldinteressen werden alle Werte geopfert.
Und das wird so bleiben, solange gilt:
"Geld regiert die Welt."
Wenn die Menschheit wert-voll werden will,
so wird sie die Herrschaft des Geldes abschütteln
müssen.
Heinz Göd
28.03.2009 12:49:37 Skepsis
Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Ich bin jedenfalls der Meinung, daß die Substanz in der österreichischen Gesellschaft längst so nachhaltig kaputt ist, daß man als echter Konservativer nur noch mit Anstand ausster ben kann. Zum wirklichen Konservativ-Sein braucht es Weltanschauung und Kontinuität, und genau diese beiden wurden in diesem Lande ab 1970 vorsätzlich ruiniert und gingen schließlich völlig verloren. Leute wie wir, Herr Chefredakteur Unterberger, sind schon seit Jahrzehnten Fossilien aus der Kuriositätenkammer. Alles was uns zu tun bleibt - und das ist auch eine gesellschaftliche Aufgabe! -, ist es, den Propheten des Fort-, des Stolper- oder Was immer-Schritts von Zeit zu Zeit zu zeigen, daß irgendwo in diesem Lande noch ein paar Leute sitzen, die diesen ganzen Schall und Rauch durchschaut haben und sich nicht jeden (linken)Bären aufbinden lassen. Lehnen wir uns also zurück uns schauen wir uns an, was da kömmt!
Sueton
28.03.2009 08:59:20 Die Botschaft hör ich wohl...
...allein mir fehlt der Glaube. M.a.W: schön wär's, oba spü'n tan sie's net!
E.B.
28.03.2009 08:29:47 Zustimmung
Herr Unterberger ist ja schon fast ein Prophet! Nur schade, dass es eine derartige Krise braucht, damit viele Menschen zur Einsicht kommen und erkennen, dass gewisse Grundwerte wie Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Treue, das "Gebet im stillen Kämmerlein", ohne öffentlichkeitswirksames Getue, zeitlose Werte sind. Und eine andere Sorge habe ich auch noch: wird die Einsicht Bestand haben? Oder ist bei nächsten kleinen Aufschwung gleich wieder alles vergessen? Hoffen wir's nicht.
Johann Hinterleitner
27.03.2009 20:59:06 Zustimmung
Danke für diesen Artikel. Dermaßen vernünftige Worte bekommt man bei anderen Zeitungen, die sich selbst gerne als Qualitätsblatt bezeichnen (huststandardhust) nicht zu lesen. Aber vielleicht bald! Der Wandel findet stattt, wie Sie sagen.
unintelligent_design
27.03.2009 19:23:14 Na ja
Hoffentlich ist es noch nicht zu spät.
Paige
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