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Die Formel 1 erwartet sich viel von der Rückkehr Michael Schumachers – in Bahrain ist es so weit

Neue Hoffnungen auf alten Glanz

Alle Augen sind auf Michael Schumacher gerichtet – der will aber "einfach nur schnell fahren". Foto: ap

Alle Augen sind auf Michael Schumacher gerichtet – der will aber "einfach nur schnell fahren". Foto: ap

Aufzählung Comeback nach 1239 Tagen Pause.
Aufzählung Großer Bahnhof im Autozirkus.

Sakhir/Wien. (sla) Er kam, sah – und grinste. Hauptsächlich grinste er, eigentlich kam er aus dem Grinsen und Winken gar nicht mehr heraus. Und irgendwie musste man sich nicht nur fragen, ob das wirklich noch der Mensch war, der sich vor Jahren aus Selbstschutz die Maske des Roboters aufgesetzt hatte, sondern auch, ob Michael Schumacher sich vor lauter Winken, Grinsen und Posieren für Fotos überhaupt aufs Fahren wird konzentrieren können.

Aufzählung Das Neue steckt im Detail

Am Sonntag (13 Uhr) bestreitet er beim Grand Prix von Bahrain sein erstes Formel-1-Rennen nach mehr als drei Jahren, oder, wie deutsche Medien nicht müde werden vorzurechnen, 1239 Tagen Pause. Der Countdown davor war einer minutiösen Durchorganisiertheit unterworfen, als erste Höhepunkte absolvierte Schumacher am Donnerstag Fotoshooting und internationale Pressekonferenz, ab Freitag stehen die Trainingsfahrten, am Sonntag das Rennen auf dem Programm, in das er mit 41 Jahren und der Startnummer 3 gehen wird.

Was sich dabei und vor allem im weiteren Saisonverlauf, wenn die Formel 1 nach Europa zurückkehrt, abspielen wird, lässt sich bisher nur erahnen. Einen ersten Einblick bekam man allerdings schon am Donnerstag, als Hunderte Journalisten und Kameraleute sich drängten, eine Stunde, bevor Schumacher sich blicken ließ.

Da kam er, in Jeans und T-Shirt mit dem Mercedes-Stern und anderen Sponsorenlogos gekleidet – daran besteht in diesem Team kein Mangel –, mit Kapperl, einem, eh klar, breiten Grinsen im Gesicht und, auch nicht überraschend, den üblichen Floskeln auf den Lippen. Man werde wohl nicht von Anfang an konkurrenzfähig sein, habe aber durchaus berechtigte Hoffnungen, dass man um den Titel mitreden könne. Und: "Ich liebe diesen Kampf, deshalb bin ich zurückgekehrt."

So sieht der Deutsche seine Rolle in der Formel 1 also, die wiederum will in ihm weitaus mehr sehen. Michael Schumacher, das ist die personifizierte Hoffnung, dass es nach Jahren von Pleiten, Blech und selbstverschuldeten Pannen wieder aufwärts geht mit dem Zirkus, zu dem machtgeile Funktionäre und fad anmutende Rennfahrer die Formel 1 gemacht haben.

Sie alle begrüßen den siebenfachen Weltmeister nun als eine Art Heilsbringer für ihre Branche, und die, die ihn einst als Schummel-Schumi bezeichnet haben, halten sich jetzt vornehm zurück. Nur Teamkollege Nico Rosberg weiß noch nicht so recht, was er von dem prominenten Teamkollegen, der all die Aufmerksamkeit auf sich zieht, halten soll. Die offizielle Diktion im Mercedes-Team freilich weist keinen der beiden als favorisierten Fahrer aus, man mag davon halten, was man will. Denn es ist nicht zu leugnen, dass es vor allem Michael Schumacher ist, der die Hoffnungen des gesamten Daimler-Konzerns auf einen "Schub für das ganze Unternehmen" trägt, wie der Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche selbst sagt.

Tatsächlich ist Mercedes, das Schumacher vor allem mit Teamchef Ross Brawn, einem alten wie innigen Freund aus früheren Tagen, aus der Pension lockte, mit seiner Verpflichtung ein Coup gelungen, dessen Dimension noch gar nicht abzusehen ist.

Die Kombination Schumacher-Rosberg macht die Sache noch interessanter: Jung und Alt, Zukunftsaktie und ein Hauch von Nostalgie, zwei deutsche Fahrer in der "deutschen Nationalmannschaft der Formel 1", als die Mercedes GP sich selbst gern bezeichnet. Marketingexperten sehen darin einen schlauen Schachzug, von dem das gesamte Unternehmen mittelfristig profitieren wird.

Michael Schumacher, das ist auch die Hoffnung der Fernsehsender auf neue Rekordquoten. Als er nach Ende der Saison 2006 aufhörte, gingen die Zahlen allerorten, vor allem – trotz des Aufstiegs Sebastian Vettels – in Deutschland spürbar zurück. Am unmittelbarsten wahrnehmbar wird der Schumacher-Effekt aber wohl an den Rennstrecken sein. Erstmals seit vielen Jahren könnte der GP am Hockenheimring, der am 25. Juli gefahren wird, ausverkauft sein, schon am Tag der Ankündigung seines Comebacks brach die Telefonleitung für den Kartenverkauf zusammen.

Schumacher selbst sieht den Rummel gelassen. Er kümmere sich nicht um das Rundherum, erklärt er, sondern konzentriere sich auf seine Aufgabe: schnell zu fahren. Also doch.



Printausgabe vom Freitag, 12. März 2010
Online seit: Donnerstag, 11. März 2010 18:51:00

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