• vom 12.08.2013, 07:27 Uhr

310 Jahre Wiener Zeitung

Update: 12.08.2013, 08:30 Uhr

"Öffentlichkeit kann man nicht abschaffen, nur verderben"




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Von Gerald Schmickl und Franz Zauner

  • Interview mit dem Wiener Essayisten, Kulturkritiker und Schriftsteller Franz Schuh.

Journalismus als Einflussnahme auf große Menschenmassen ist am Ende, sagt Franz Schuh.
- © WZ Online / Franz Zauner

Journalismus als Einflussnahme auf große Menschenmassen ist am Ende, sagt Franz Schuh.
© WZ Online / Franz Zauner

Das Internet - ein "extremistisches Neutralisierungsmedium".

Das Internet - ein "extremistisches Neutralisierungsmedium".
© dpa/Martin Gerten Das Internet - ein "extremistisches Neutralisierungsmedium".
© dpa/Martin Gerten

"Wiener Zeitung": Bevor wir beginnen, ein Wort zum Anlass dieses Interviews: Die "Wiener Zeitung" feiert heuer ihr 310-jähriges Bestehen…

Franz Schuh: … dann kann ich gleich erzählen, wie ich versucht habe, bei der "Wiener Zeitung" Theaterkritiker zu werden.

WZ: Also lautet die erste Frage: Warum sind Sie nicht Theaterkritiker bei der "Wiener Zeitung" geworden?

Schuh: In den 70er und 80er Jahren hat es allmählich diese Vielzahl an "proletarisierten Akademikern" gegeben. Die altmodische Literatenexistenz ließ sich nur unter großem Verzichtsaufwand führen, heute nennt man das, was ich damals suchte, ein  "prekäres Arbeitsverhältnis". Für einen Literaten war und ist der so genannte Journalismus ruinös, aber stets eine scheinbare Möglichkeit. Und da wurde zufällig in der "Wiener Zeitung" die Stelle für Theaterkritik frei. Ich kannte Thomas Pluch (Stv. Chefredakteur, Drehbuchautor, Ressortleiter Chronik und Feuilleton-Beilagen, Anm.), den ich sehr geschätzt habe. Ohne, dass er im geringsten revolutionär gewesen wäre, war er eine Art Danton der Wiener Kulturpublizistik, ein Genussmensch unter den Linksliberalen, der in meinen Augen, vor allem mit dem Film "Das Dorf an der Grenze", eine befreiend-erfrischende, aufklärerische Sichtweise auf Kärnten ermöglicht hat. Das sahen die Rechten anders und sie versahen den Film unter anderem mit dem Etikett: "... vom kommunistischen Ausland gelenkt und gegen die westlich-demokratische Gesellschaftsordnung gerichtet".

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Ich ging also in die Redaktion und war fest entschlossen, unter Pluch Theaterkritiker zu werden. Kollegen, die dann Jahre später bei der "Wiener Zeitung" angeheuert haben, nachdem sie bei der privaten Presse gescheitert sind, sprachen damals geringschätzig von "Zeitungsbeamten". Ich fand den Beamtenstatus in der "Wiener Zeitung"  aber ganz gut - und tue es noch, weil das Öffentlich-Rechtliche in einer quotengeilen Atmosphäre eine relative Freiheit, eine Freiheit des Urteilens von der Zustimmung ermöglichen könnte, die es sonst gar nicht mehr gäbe. Damals war noch Heinz Fahnler Chefredakteur, der berühmte Fußball-Schiedsrichter, ein sehr freundlicher Mann, wir wurden handelseins. Aber es wurde nichts daraus.

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Dokument erstellt am 2013-08-09 11:39:56
Letzte nderung am 2013-08-12 08:30:51



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