• vom 07.08.2013, 14:19 Uhr

310 Jahre Wiener Zeitung

Update: 07.08.2013, 14:29 Uhr

Wiener Zeitung

Ein Spiegel über vier Jahrhunderte




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Von Andrea Reisner

  • Als österreichische Chronistin schreibt die "Wiener Zeitung" seit 310 Jahren Geschichte
  • Ein Streifzug durch die Historie der ältesten noch erscheinenden Tageszeitung der Welt, von der Ära Prinz Eugens bis in die Gegenwart.

Am 8. August 1703 erschien zum ersten Mal das "Wiennerische Diarium". Wie sahen die ersten Ausgaben aus? Winzig (Format ca. 16 mal 20 cm), und – wie damals in ganz Europa üblich – sehr dünn, meist 8 Seiten. Einer heutigen Zeitung entsprach das Blättchen jedenfalls nicht: keine Schlagzeilen, keine Bilder (nur selten Schmuckleisten). Das "Wiennerische Diarium", das später ein "n" im Titel verlor, kam lediglich mittwochs und samstags heraus – Wien besaß miserable Nachrichtenverbindungen, nur an zwei Wochentagen traf Fernpost ein. Vielleicht ein halbes Dutzend Mitarbeiter werkte im Haus zum roten Igel an der Ecke Brandstätte-Wildpretmarkt, ca. 1000 bis 1500 Exemplare passierten die hölzernen Pressen, die im Regensburgerhof am Lugeck standen.

Zeitung war damals reiner Luxus. Ein Großteil der Menschen, darunter viele Analphabeten, lebte in bitterer Armut. Unser Blatt kostete 7 Kreuzer. Für 3 Kreuzer bekam man im Kaffeehaus eine Tasse Kaffee. Und als Draufgabe durfte man in den Gazetten blättern.


Unsere Redaktion versprach schon in der ersten Ausgabe "Alles Denckwürdige" aus Wien und "auß der gantzen Welt", und das ohne "Poetischen Schminck". In den ersten Jahren stand kriegerische Berichterstattung im Vordergrund. Bis 1713/14 war die Monarchie in einen großen europäischen Konflikt verstrickt (Spanischer Erbfolgekrieg). Die Menschen des Landes, die ungeheures Leid erlebten und härtestem Steuerdruck ausgesetzt waren, wollten natürlich wissen, wie die Dinge lagen und wie sie sich entwickeln würden. Das "Diarium" kam wie gerufen.

Noch einmal zur allerersten Nummer: "Mit Ihro Römischen Kayserlichen Majestät allergnädigsten Privilegio" vermerkt das Titelblatt. Im Prinzip hieß das nichts anderes, als dass Kaiser Leopold I. den Druck des Periodikums erlaubte. Es existierte keinerlei Pressefreiheit, ohne Zustimmung des Herrschers durfte kein publizistisches Unternehmen agieren. Doch verlegte nicht der Hof das "Diarium", das in diesem Sinne also keine reine Hofzeitung war. Die Redaktion hatte durchaus Freiräume. Zwar erfolgte die Gründung natürlich im Interesse und Auftrag des Regenten, der ein seriöses und repräsentatives Blatt wünschte, aber die Herausgabe lag gut eineinhalb Jahrhunderte in den Händen Privater. Und die bewiesen immer wieder erstaunliche Eigenständigkeit. Als Erster war Johann Baptist Schönwetter (ca. 1670-1741) am Ruder. 1721 verlor er sein Privileg an Johann Peter van Ghelen (1673-1754), einen findigen Unternehmer mit Wurzeln in Flandern.

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Wiener Zeitung, 310 Jahre

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Dokument erstellt am 2013-08-07 12:23:39
Letzte nderung am 2013-08-07 14:29:41



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