• Artikel vom 12.09.2011, 14:49 Uhr

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Update: 12.09.2011, 16:19 Uhr
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Der Islamwissenschafter Rüdiger Lohlker untersucht an der Universität Wien den Djihadismus im Internet

"Al-Kaidas Theologie ist armselig"


Von Stefan Beig
  • Lohlker über die Terror-Ideologie.
  • "Al-Kaida ist gescheitert, aber nicht ungefährlich."

"Wiener Zeitung":

Lohlker leitet an der Uni Wien ein Projekt zum Online-Djihadismus. Pessenlehner

Lohlker leitet an der Uni Wien ein Projekt zum Online-Djihadismus. Pessenlehner Lohlker leitet an der Uni Wien ein Projekt zum Online-Djihadismus. Pessenlehner

Al-Kaida hat nicht nur Botschaften gegen den Westen verfasst, sondern auch in Traktaten den gewaltlosen Islam der meisten Muslime verurteilt.

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Rüdiger Lohlker: Das ist ein entscheidender, oft übersehener Punkt. In den 80er Jahren wurde Al-Kaida zu einem transnationalem Phänomen. Der palästinensische Djihad-Ideologe Abdullah Azzam wetterte damals gegen die "Sessel-Mujahedeen", die nichts tun. Was muss ein Muslim heute tun? Seine Antwort: bewaffneter Kampf.

Die meisten Muslime waren für Al-Kaida Feinde?

Wichtig für Djihadisten ist die Abgrenzung zu "nominellen Muslimen", denen sie das Muslim-Sein absprechen. Entschieden wird das anhand von Fragen, wie, ob Muslime Regime als islamische Regime anerkennen dürfen, die mit dem Westen kooperieren. Das wird eindeutig verneint

Wie versucht Al-Kaida "ihren Islam" zu belegen?

Es wird auf islamische Traditionen Bezug genommen. Koran-Verse und Aussagen von Gelehrten werden herangezogen und langsam verschoben, bis sie in den eigenen Rahmen passen. Oft werden dabei Zitate abgekürzt. Die Theologie der Djihadisten ist meistens armselig.

Oft geht es um Einzel-Momente. Es gibt Aussagen im Islam, die es verbieten, Ressourcen der Feinde zu vernichten. Die Djihadisten rechtfertigen die Anwendung von Massenvernichtungswaffen mit dem Umkehrschluss: Wir sind absolut bedroht, also dürfen wir uns absolut wehren.

Gibt es Vorformen ihrer Ideologie?

Djihadisten sehen sich in der Tradition der Salafiyya (Anm.: fundamentalistische Strömung im sunnitischen Islam), sie sind dschihadistische Salafiten. Zentrale Behauptung der Salafiyya ist: Die Gelehrten haben ein umfassendes System geschaffen, das alles regelt. Ihre Theologie ist eng und vereinfacht. Daran knüpfen Djihadisten an. Mit diesem einfachen System wird der Djihad etabliert.

Das ist primär für Saudi-Arabien und dessen religiöses Establishment ein Problem, das keine klare Grenze zum Djihadismus gezogen hat. Saudische Gelehrte erklären heute in Abgrenzung zum Djihadismus: Wir sind die wahren Salafiten. Aber die theologischen Unterschiede sind minimal. Gleichzeitig ist die Ideologisierung des Islam ein modernes System.

Es gibt moderne Wurzeln des Djihadismus?

René Descartes hat gefordert, jeder Gedanke soll klar und distinkt formuliert werden. Darin folgen ihm die Djihadisten, im deutlichen Kontrast zu früher. Ältere Debatten ergehen sich in Ambiguitäten. Es galt der Grundsatz, dass eine Vielfalt der Meinungen im Islam nebeneinander bestehen könne. Der Koran ist für jeden da, für jeden gibt es eine Lesart.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2011-09-12 14:56:06
Letzte Änderung am 2011-09-12 16:19:16


Die Bauarbeiten auf dem Gelände des ehemaligen "World Trade Center" sind noch nicht abgeschlossen.

Die Maschine der United Airlines, Flug 175, bevor sie in den Südturm des WTC fliegt.

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