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Update: 12.09.2011, 16:19 Uhr
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Der Islamwissenschafter Rüdiger Lohlker untersucht an der Universität Wien den Djihadismus im Internet

"Al-Kaidas Theologie ist armselig"



Lohlker leitet an der Uni Wien ein Projekt zum Online-Djihadismus. Pessenlehner

Lohlker leitet an der Uni Wien ein Projekt zum Online-Djihadismus. Pessenlehner Lohlker leitet an der Uni Wien ein Projekt zum Online-Djihadismus. Pessenlehner

Es gibt moderne Wurzeln des Djihadismus?

René Descartes hat gefordert, jeder Gedanke soll klar und distinkt formuliert werden. Darin folgen ihm die Djihadisten, im deutlichen Kontrast zu früher. Ältere Debatten ergehen sich in Ambiguitäten. Es galt der Grundsatz, dass eine Vielfalt der Meinungen im Islam nebeneinander bestehen könne. Der Koran ist für jeden da, für jeden gibt es eine Lesart.

Salafiten halten dem entgegen: Gott ist eindeutig. Er kann nur eines gemeint haben. Nachsatz: Wir wissen was. Frühere Menschen wussten noch, dass sie unvollkommen sind. Der Djihadismus ist eine Gegenideologie zur Moderne im Rahmen der Moderne.

Wie rechtfertigt Al-Kaida den gewalttätigen Djihad?

Den gewalttätigen Djihad gibt es im Islam in der Form des gerechten Kriegs im Christentum. Djihadisten gehen die alten Texte durch und nehmen, was sie brauchen können. All diese Texte sind in Kriegszeiten entstanden. Teilweise sind sie auch wirklich recht heftig. Muslime waren nicht besser als andere Menschen.

Was waren die wichtigsten Reaktionen der islamischen Welt auf diese Ideologie?

Inzwischen gibt es etliche Erklärungen von Islamgelehrten, die den Terrorismus verurteilen. Statistisch bilden Muslime den Großteil der Opfer von Al-Kaida. Eine interessante Gegenmaßnahme zum Djihadismus stellt etwa die "Religious Rehabilitation Group" in Singapur dar (www.rrg.sg), die Muslime mit Gegenstrategien aus djihadistischen Kreisen zu befreien versucht.

Die Reaktion auf 9/11 hat viele Muslime dazu veranlasst, sich mit ihrem Muslim-Sein auseinanderzusetzen. Viele hat es vorher nicht gekümmert. Ihre Umwelt hat sie dazu gezwungen, über ihr Muslimsein zu reden.

Hat sich der Djihadismus in den letzten zehn Jahren verändert?

Die jüngere Generation ist globaler. Al-Kaida war ursprünglich ein rein arabisches Phänomen. Nun mengt sich eine hübsche Mischung aus Türken, Bosniern, Tschetschenen und Konvertiten dazu. Wie haben eine linguistisch differenzierte Online-Szene mit einem niedrigen theologischen Niveau. Meistens geht es um Schlagworte, wie: Der Tod ist wichtig. Immer häufiger werden Videos verwendet, auf denen Muslime gequält und getötet oder Märtyrer verherrlicht werden. Abgesehen von der Globalisierung des Djihadismus haben wir nach meiner Beobachtung eine verstärkte Konzentration auf Südasien.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2011-09-12 14:56:06
Letzte Änderung am 2011-09-12 16:19:16


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