• vom 03.09.2017, 07:00 Uhr

Alpbach

Update: 03.09.2017, 09:42 Uhr

Mieten

Der Traum vom leistbaren Wohnen




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Von Michael Ortner

  • Knapper Wohnraum, teure Mieten: Soll der Staat mit einer Mietpreisgrenze eingreifen oder den Wohnraum dem freien Markt überlassen?

Wohnraum wird immer teurer. Eine Studie des Wifo kommt zu dem Ergebnis, dassösterreichweit rund elf bis 15 Prozent der Haushalte von mangelnderLeistbarkeit betroffen sind. - © APA, dpa, Andreas Gebert

Wohnraum wird immer teurer. Eine Studie des Wifo kommt zu dem Ergebnis, dassösterreichweit rund elf bis 15 Prozent der Haushalte von mangelnderLeistbarkeit betroffen sind. © APA, dpa, Andreas Gebert



"Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung (…)" heißt es in Artikel 25 der Erklärung der Menschenrechte. Wohnen ist ein menschliches Grundbedürfnis. Ein verbrieftes Recht auf eine Wohnung – das klingt nach einer utopischen Welt, in der niemand auf der Straße leben muss. Doch in der Praxis sieht es ganz anders aus. Obwohl Österreich ein reiches Land ist, sind geschätzt 8000 Menschen obdachlos, 7100 weitere nehmen zeitweise Einrichtungen für Obdachlose in Anspruch. Nicht jedem kann der Staat also ein Dach über dem Kopf garantieren.

In Zukunft könnte es vielleicht noch mehr treffen. Denn immer mehr Menschen ziehen in die Städte. Leistbarer Wohnraum wird knapp. Vor allem in Wien, wo drei Viertel der Bevölkerung in Mietwohnungen lebt. Die starke Nachfrage wirkt sich auf den Preis aus. Seit Jahren steigen Immobilien- und Mietpreise stark an. Laut Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) sind die Immobilienpreise in Österreich seit 2005 um über 60 Prozent gestiegen. Auch die Quadratmeterpreise in Mietwohnungen in Wien zogen extrem an: Von 2006 bis 2016 hat sich der Preis pro Quadratmeter Wohnfläche laut WKÖ Fachverband der Immobilientreuhänder um mehr als 32 Prozent erhöht.



Doch warum steigen die Mietpreise eigentlich so sehr? "Wien ist eine expandierende Stadt und wird in Zukunft noch mehr wachsen", sagt Christian Keuschnigg, Professor für Nationalökonomie an der Universität St. Gallen und Leiter des Wirtschaftspolitischen Zentrums in Wien. "Es wird mehr Wohnraum benötigt. Doch das Angebot zieht mit der Nachfrage nicht schnell genug mit." Derzeit leben rund 1,87 Millionen Menschen in der Bundeshauptstadt, das macht Wien zur zweitgrößten Stadt im deutschsprachigen Raum. Vergangenes Jahr wurden mehr als 27.000 Menschen zu Neo-Wienern. Seit 2007 ist die Bevölkerung um 12,4 Prozent gewachsen. In Zukunft werden noch mehr Menschen nach Wien ziehen. Sie alle suchen Wohnraum. Falls die Zuwanderung anhält, wird damit gerechnet, dass Wien bereits im Jahr 2022 die Zwei-Millionen-Grenze knackt. Für die Stadt bedeutet dies eine große Herausforderung. Sie muss nicht nur Infrastruktur, Energie und Arbeit bereitzustellen, sondern vor allem auch leistbaren Wohnraum.



Wohnen als finanzielle Belastung

Was es für den einzelnen bedeutet, wenn der Wohnraum teurer wird, lässt sich an den Ausgaben für Wohnen deutlich ablesen. So betrugen laut Statistik Austria 2009 die durchschnittlichen Wohnkosten inklusive Betriebskosten 393,3 Euro. Vergangenes Jahr lag dieser Wert bei 488,5 Euro – ein Anstieg von 24 Prozent. Gleichzeitig sind die durchschnittlichen Nettojahreseinkommen – nicht inflationsbereinigt – im selben Zeitraum aber nur um rund 6,7 Prozent gestiegen. Im Schnitt gehen in Wien 22 Prozent des Einkommens für die Miete drauf.


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Dokument erstellt am 2017-08-28 10:05:59
Letzte ńnderung am 2017-09-03 09:42:37




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