• vom 28.08.2017, 16:56 Uhr

Alpbach


Gastkommentar

Die neue Ökonomie




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Von Sigrid Stagl

  • Wirtschaften im Anthropozän braucht andere Spielregeln.

Sigrid Stagl ist Professorin für Umweltökonomie und -politik an der Wirtschaftsuniversität Wien und leitet das Institute for Ecological Economics.

Sigrid Stagl ist Professorin für Umweltökonomie und -politik an der Wirtschaftsuniversität Wien und leitet das Institute for Ecological Economics. Sigrid Stagl ist Professorin für Umweltökonomie und -politik an der Wirtschaftsuniversität Wien und leitet das Institute for Ecological Economics.

Der Großteil der menschlichen Entwicklung gelang während des Holozäns mit seinem relativ stabilen Klima. Die menschliche Bevölkerung und die Produktion stieg stetig, am stärksten jedoch in den vergangenen Jahrzehnten. Mittlerweile verändert der Mensch die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde so stark, dass Geologen das neue Zeitalter nach ihm benennen.

Wirtschaftliche Aktivität kann weder losgelöst von sozialen Regelungen und Gesetzen noch in einem biophysischen Vakuum stattfinden. Gesellschaftliche, wirtschaftliche und biophysische Bedingungen müssen gut aufeinander abgestimmt sein, um menschliche Entwicklung zu ermöglichen. So zeigte der Wirtschaftshistoriker Karl Polanyi, dass eine Marktwirtschaft immer auch eine Marktgesellschaft voraussetzt. Erst durch soziale Beziehungen und gesetzliche Regelungen definieren wir, was wir unter Wirtschaft verstehen. Außerdem finden menschliches Leben und Wirtschaften in einer physischen Umgebung statt. Das heißt, wir konsumieren organisches und anorganisches Material und transformieren somit unsere Umwelt.

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Für die Urväter der Ökonomie, die Physiokraten, war das völlig klar. Zu ihrer Zeit waren die produktiven Tätigkeiten eng mit Landwirtschaft verbunden und der Zusammenhang mit natürlichen Prozessen war leicht erkennbar. Mit der Industrialisierung und der Digitalisierung wurden die Ressourcenextraktion und deren Auswirkungen räumlich und zeitlich gedehnt und damit für die Konsumenten schwerer erkennbar. Mit dem Übergang von der Klassik auf die Neoklassik in der ökonomischen Theorie wurde Land - heute würden wir es Umwelt oder biophysische Grundlagen nennen - in den Hintergrund der ökonomischen Analyse gedrängt. Heute werden Umwelt- und Ressourcenökonomie als ein angewandtes Feld der Ökonomie gesehen, nicht als durchgehend relevanter Aspekt des Wirtschaftens. Um Wirtschaften im Anthropozän erfassen und gestalten zu können, braucht es eine andere Art der Ökonomie.

Wie Johan Rockström und weitere Naturwissenschafter im Jahr 2009 eindrucksvoll dargestellt haben, sind die menschlichen Eingriffe in das natürliche System enorm. Sie haben festgestellt, dass mehrere der von ihnen definierten Planetaren Grenzen ("Planetary Boundaries") schon überschritten sind, zum Beispiel die Treibhausgaskonzentration oder die Rate der Biodiversitätsverluste.

Märkte liefern die Ergebnisse für die Gesellschaft, welche durch gesetzliche und sonstige Regelungen erlaubt und begünstigt sind. Die im Bundesverfassungsgesetz über die Nachhaltigkeit und umfassenden Umweltschutz festgelegte Orientierung der Staatsziele schafft zusammen mit dem Paris Klimaabkommen und den von den Vereinten Nationen verabschiedeten Zielen für Nachhaltige Entwicklung die Grundlagen.

Um im Anthropozän langfristig erfolgreich wirtschaften zu können, brauchen wir - basierend auf diesen Grundlagen - neue Spielregeln, die gesetzlich bindend sind. Beispiele dafür sind Klimaschutzgesetze, die die Nutzung der verbleibenden Kohlenstoffbudgets regeln, oder weltweit schärfere Vorschriften für die Verbreitung von Kunststoff.




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Dokument erstellt am 2017-08-28 17:00:09




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