• vom 28.08.2017, 18:32 Uhr

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Umwelt

Der kranke Titan




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Von Edwin Baumgartner

  • Klimaerwärmung, Plastikmüll und Überfischung setzen den Weltmeeren zu.

Der Müll bildet Inseln.

Der Müll bildet Inseln.© reuters/Enny Der Müll bildet Inseln.© reuters/Enny

Wien. Auf Hawaii züchtet die britische Meeresbiologin Ruth Gates eine Superkoralle. Die Erwärmung der Meere durch den Klimawandel setzt nämlich den Nesseltieren zu. Bleichen die äußeren Enden, stirbt eine Korallenkolonie ab. Das Great Barrier Reef vor Australien erlebt derzeit wieder eine solche Korallenbleiche. Ruth Gates, Direktorin des Hawaii Institute of Marine Biology der University of Hawaii, kreuzt nun die robustesten Exemplare der robustesten Korallenarten, um die Superkoralle zu erzeugen, der keine Meereserwärmung mehr etwas anhaben kann. Schließlich seien nahezu alle Haustierarten aus Züchtungen hervorgegangen, die einen bestimmten Plan verfolgten, argumentiert Ruth Gates, der Mensch greife nun einmal in die Natur ein. Weshalb solle Korallen schaden, was etwa bei Rindern, Katzen oder Hunden an der Tagesordnung sei. Genetische Manipulationen stehen nicht auf dem Plan von Ruth Gates - noch nicht: Notfalls wäre freilich auch das eine Möglichkeit für sie.

Meere des Mülls
Unter Meeresbiologen ist das Vorhaben der Britin in höchstem Maß umstritten. Es ist nämlich völlig ungeklärt, welche Auswirkungen eine Superkoralle auf schwächere Artgenossen hat. Der Selektion im Rahmen der Evolutionstheorie zufolge riskiert, meinen die Skeptiker, Ruth Gates, dass die Superkoralle alle anderen Korallenarten verdrängt. Zwar stimme das Argument, dass der Mensch Haustiere gezüchtet habe, aber der Mensch habe die Ergebnisse unter Kontrolle gehabt. In freier Wildbahn, zumal in der unkontrollierbaren Weite des Meeres, sei das Spiel mit der Superkoralle indessen eine Gefahr für das Ökosystem.


Die Sucht nach Plastik



Dass der Mensch überhaupt tätig werden muss, um Teile der Meeresfauna zu retten, schien bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein ein Hirngespinst von Öko-Phantasten und Drehbuchautoren von Science-Fiction-Filmen. Seine schiere Größe schien den Ozean vor allem zu schützen, was der Mensch ihm antun könne. Doch heute wissen wir, dass der Titan sterblich ist und jetzt sogar schon ernsthaft krank.

Nicht allein die Erwärmung setzt dem Meer zu. Ein noch größerer Feind hat sich manifestiert: die Sucht des Menschen nach Plastik.

Der Kampf gegen das Plastiksackerl, den europäische Supermärkte betreiben, um als umweltfreundlich zu gelten, ist da ein fast schon vernachlässigbarer Beitrag. Denn dieselben Supermärkte bieten einen großen Teil ihrer Ware in Plastikverpackungen an, und während das Plastiksackerl wenigstens noch als Mistbeutel ein zweites Leben führen kann, ist die Plastikfolie über der Plastiktasse mit den Gurken, den Zwiebeln oder den Äpfeln ebenso eine Einweg-Verpackung wie der Plastikbecher des Joghurts oder die Plastikflasche der Limonade oder des Mineralwassers. Selbst die meisten Papp-Tetrapacks haben Plastiköffnungen mit Plastikverschlüssen.

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Schlagwörter

Umwelt, Natur, Anthropozän

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Dokument erstellt am 2017-08-28 18:36:06




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