• vom 29.08.2017, 18:08 Uhr

Alpbach

Update: 29.08.2017, 20:48 Uhr

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Grüne Innovation für die Weltrettung




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  • In Alpbach diskutieren Politik und Wirtschaft über die Umsetzung und Zukunft des Pariser Klimaabkommens.

Diskutierten über "Green Innovation": Molterer, Sachs, Mazzucato, Föderl-Schmid, Kern und Robertson (v. l. n. r.). - © Maria Noisternig

Diskutierten über "Green Innovation": Molterer, Sachs, Mazzucato, Föderl-Schmid, Kern und Robertson (v. l. n. r.). © Maria Noisternig

Alpbach. (red) Jeffrey Sachs ist unzufrieden. Der amerikanische Ökonom, Berater der Vereinten Nationen, verweist unermüdlich auf den essenziellen Zusammenhang zwischen Wirtschaft und Umweltpolitik. "Ich sage es schon sehr lange und ich kann kaum glauben, dass ich immer noch darüber reden muss, aber wir spielen hier mit einem Desaster. Der Zeitfaktor ist das Allerwichtigste für uns." Das letzte Mal, als die globale Durchschnittstemperatur 1°C über der jetzigen gelegen sei, vor 115.000 Jahren, sei der Meeresspiegel um sechs bis acht Meter angestiegen. Aber man müsse gar nicht so weit in die Vergangenheit blicken, seien doch die Auswirkungen des Klimawandels schon sichtbar. Man müsse sich daher auf immer mehr Flut- und Dürrekatastrophen einstellen, so Sachs.

Dieser Gedanke zieht sich auch durch die Diskussion "Green Innovation" im Rahmen der Politischen Gespräche beim Forum Alpbach in Tirol. Montagabend trafen Politik und Wirtschaft zusammen, um die Strategien und Ideen zur Verminderung des Klimawandels zu diskutieren. Kanzler Christian Kern, EIB-Vizepräsident Wilhelm Molterer, der Bürgermeister von Vancouver Gregor Robertson sowie Jeffrey Sachs und die Ökonomin Mariana Mazzucato gaben den Input, wie das Pariser Klimaabkommen von 2015 umgesetzt werden sollte. Das Abkommen definiert erstmals die internationale Anstrengung von 195 Staaten, um den globalen Temperaturanstieg deutlich unter 2° C zu halten und die Folgen des Klimawandels zu vermindern. "Die International Energy Agency schätzt, dass dafür zusätzlich 1,1 Trillionen US-Dollar jedes Jahr benötigt werden, und das alleine im Energiebereich", erklärte Mariana Mazzucatto, Professorin am University College London und Direktorin des IIPP, Institute for Innovation and Public Purpose.


Klimapolitik im Finanzministerium
Eine erfolgreiche Implementierung von grünen Innovationen könne nur sektionsübergreifend passieren. Das bedeute nicht nur eine intensivere Auseinandersetzung innerhalb der Regierungen, sondern auch eine Verbindung von öffentlichen und privaten Sektoren, sagte Wilhelm Molterer. Der Markt alleine könne die Kosten der Umsetzung nicht stemmen, es brauche Unterstützung durch die Politik, die mit vorhersehbaren und definierten Zielen den Maßstab setze. Mazzucato sieht darin aber eine Falle. Private Investoren seien oft nur indirekt durch Steueranreize der Staaten involviert, ohne wirkliche grüne Initiativen zu setzen. Besonders die Finanzministerien müssten viel mehr in den Dialog über Klimapolitik eingebunden werden. Die Finanzierung des Weltrettungsunterfangens soll sich darüber hinaus auf mutige Unternehmen verlassen können, die für ihre Anstrengungen von den Staaten auch belohnt würden, so die Ökonomin. Diese Co-Investments benötigen eine starke und selbstbewusste Policy, die die Rahmenbedingungen für den Weg in eine grüne Richtung vorgebe. Auch das Zusammenspiel auf regionaler und nationaler Ebene müsse funktionieren.

Gregor Robertson, Bürgermeister von Vancouver, verortet dort ein Problem: "Wenn wir nichts auf nationaler Ebene verändern, hat es keine Bedeutung mehr, wie sehr wir uns anstrengen." Robertson hat während seiner Amtszeit Vancouver immer mehr zu einer "Clean City" entwickelt.

Grüne Standards für Wirtschaftswachstum
Das ist der rigorosen Implementierung von grünen Standards zu verdanken, die der Stadt nicht nur einen schönen ökologischen Fußabdruck, sondern auch ein stabiles Wirtschaftswachstum bescheren. Andere kanadische Städte müssen da erst nachziehen. Robertson will ihnen in einem Städtenetzwerk unter die Arme greifen und s die Ziele des Pariser Abkommens verwirklichen. Bundeskanzler Kern sieht in der "Green Innovation" eine Chance für neue Arbeitsplätze. Je weiter wir uns in eine grüne Richtung bewegen würden, desto mehr Anpassungen seien in Forschung, Ausbildung, Infrastruktur und Energiebereich nötig. Und darin sieht Kern einen machtvollen Anstoß für das Wirtschaftswachstum. Mit seinem Plan A will er eine Energiewende vorantreiben und Österreich als Standort von Unternehmen, die den Bereich der Umwelt- und Energietechnologie vorantreiben, stärken. Auf EU- Ebene scheitere es jedoch oft an den Eigeninteressen der Mitgliedstaaten, so der Kanzler.

Auch Wirtschaftsnobelpreisträger Sachs zeigt sich verwundert. "Europa ist der klügste und nachhaltigste Teil der Welt. Ich finde es absurd, dass es dafür keinen EU-Plan gibt. Macht einen Plan!"




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-29 18:15:06
Letzte nderung am 2017-08-29 20:48:04




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