Kairo. Der ägyptische Finanzminister Hazem al-Beblawi hat Konsequenzen aus den Unruhen zwischen Christen und dem Militär gezogen: Auch wenn die staatliche Sicherheit nicht in sein Ressort fällt, ist Beblawi zurückgetreten. Er begründete seinen Schritt mit der "schwachen Leistung der Regierung beim Umgang mit den Zusammenstößen". Das erfuhr die Nachrichtenagentur dpa am Dienstag aus Regierungskreisen.
Bei den schlimmsten gewalttätigen Zusammenstößen seit dem Sturz von Langzeitherrscher Hosni Mubarak sind 22 christliche Zivilisten, drei Soldaten und ein Polizist ums Leben gekommen, hieß es am Dienstag aus Sicherheitskreisen in Kairo. Dem Vorgehen der Sicherheitskräfte war am Sonntagabend eine Demonstration der Kopten vorausgegangen.
Das Militär gerät nun zusehends ins Zwielicht: Augenzeugen berichteten der Nachrichtenagentur AFP, dass Truppenfahrzeuge in die versammelte Menge rasten. Nach Angaben des Gerichtsmediziners Maged Luis al-Nimr, der 17 Leichen untersuchte, wurden zehn der 17 Opfer von Fahrzeugen überfahren. Vertreter der koptischen Christen machten am Dienstag erneut die Armeeführung für das Blutbad verantwortlich. Diese bestritt jedoch, die Militärpolizisten mit scharfer Munition versehen zu haben. Zudem nahm die Militär-Staatsanwaltschaft 19 Christen und zwei Muslime in Untersuchungshaft, denen sie Zerstörung öffentlichen Eigentums und Angriffe auf die Armee vorwirft. Die Anzahl der festgenommenen Christen stehe in merkwürdiger Diskrepanz zum Anteil der Christen unter den Getöteten, stellten Beobachter fest.
Auch international sorgten die Unruhen für Reaktionen. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon forderte die Behörden auf, die Bürgerrechte aller Ägypter zu schützen, gleich welchen Glaubens sie sind. Zudem fordert die UNO eine unabhängige Untersuchung der Zusammenstöße. Die USA riefen alle Seiten zur Mäßigung auf.