Kairo. Der Oberste Militärrat von Ägypten hat sich für die tödliche Gewalt der Polizei gegen Demonstranten entschuldigt. In einer Erklärung der Generäle am Donnerstag heißt es, es sei sehr bedauerlich, dass bei den Protesten rund um den Tahrir-Platz in Kairo Menschen getötet worden seien.
Die Militärs, die nach dem Abgang von Präsident Hosni Mubarak im Februar die Macht übernommen hatten, kündigten eine Untersuchung der Vorfälle an. Bei den Protesten der vergangenen Tage, die von der Polizei mit brutaler Gewalt unterdrückt worden waren, sollen mehr als 35 Menschen ums Leben gekommen sein.
Militärrat schließt Verschiebung der Wahl aus
Wegen der anhaltenden Proteste soll Ägyptens Innenminister einem TV-Bericht von "Al Jazeera" zufolge die Verschiebung der Parlamentswahl in Erwägung gezogen haben. Der Militärrat schloss eine Verschiebung der Wahl, die am Montag beginnen soll, allerdings dezidiert aus. Die Generäle, die nach dem Abgang von Präsident Hosni Mubarak im Februar die Macht übernommen hatten, erklärten am Donnerstag, sie wollten möglichst bald die Verantwortung an eine gewählte zivile Regierung abgeben. Deshalb solle der vereinbarte Zeitplan trotz der blutigen Unruhen der vergangenen Tage eingehalten werden. Auch die Wahlkommission besteht auf dem geplanten Wahltermin. Er sei bereit, die Abstimmung unter allen Bedingungen von statten gehen zu lassen, sagte Wahlleiter Abdel Moez Ibrahim. Die Parlamentswahl soll in drei Phasen stattfinden und im Jänner enden. Im Juni soll dann ein neuer Präsident gewählt werden.
Erneut Straßenschlachten in Kairo
In der Nacht lieferten sich Gegner des Militärrats und Sicherheitskräfte in Kairo erneut Straßenschlachten. Auf dem Tahrir-Platz harrten Zehntausende aus. Der Übergang zur Demokratie lässt auf sich warten und viele Ägypter haben das Gefühl, dass sich trotz der Revolution im Land nicht wirklich etwas geändert hat.
Der Großscheich der Kairoer Al-Azhar-Universität und -Moschee, Ahmed al-Tayeb, der höchsten theologischen Autorität im sunnitischen Islam, forderte die Polizei in der ägyptischen Hauptstadt auf, nicht weiter auf die Demonstranten zu schießen. Jeder "mit Blut befleckte Dialog" sei zum Scheitern verurteilt und "seine Früchte werden bitter sein", erklärte Tayeb (Tajjeb) am Mittwoch in einer im Staatsfernsehen verbreiteten Botschaft. Die Führung der Polizei müsse "unverzüglich" den Befehl ausgeben, dass die Sicherheitskräfte ihre Waffen nicht gegen die Demonstranten richten dürften.
Die renommierte Universität rufe zudem "unsere Kinder auf dem Tahrir-Platz" und allen Plätzen des Landes auf, trotz aller Opfer und Schwierigkeiten die "friedliche Natur ihrer Revolution zu wahren" sowie "privates und öffentliches Eigentum zu schützen", hieß es in der Erklärung weiter. Die al-Azhar-Universität gilt den Sunniten als oberste Instanz für religiöse und rechtliche Fragen. Nach neuen Angaben des Gesundheitsministeriums kamen seit Beginn der jüngsten Massenproteste am Samstag mindestens 35 Menschen ums Leben. Die Demonstranten fordern den Rücktritt des Obersten Militärrats, der nach dem Sturz von Präsident Hosni Mubarak die Macht übernahm.