• vom 01.02.2011, 19:00 Uhr

Ägypten - Hintergrund

Update: 01.02.2011, 19:01 Uhr
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Die alten Oppositionparteien und die junge Garde



  • Einheitliche Linie, unterschiedliche Ansichten.
  • Wien. Die großen Oppositionsparteien in Ägypten haben sich am Dienstag auf eine einheitliche Linie gegen Präsident Hosni Mubarak und eine gemeinsame Plattform geeinigt. Nach dem Sturz des Regimes wird aber der politische Wettbewerb wieder beginnen. Unklar ist, ob auch die Jugendbewegung 6. Juni in eine politische Partei münden kann. Sie hat über das Internet die jüngsten Proteste initiiert.

Groß sind im Westen und in Israel die Befürchtungen, dass die islamistische Al-Ikhwan al-Muslimun (Muslimbruderschaft) an die Macht kommen könnte. Die wahrscheinlich größte Oppositionsbewegung Ägyptens macht offiziell keinen Hehl aus ihrem Hass gegenüber jenem Regime, das korrupt und dekadent ist, mit den Amerikanern paktiert und mit den Israelis an einem Tisch sitzt. Dem Regime seinerseits gelten die "Ikhwan" als jene Dämonen, die bei einem Machtverlust Mubaraks an die Macht gespült werden. Ängste, mit denen der Präsident seine Politik der eisernen Faust gegen jegliche Opposition gerechtfertigt hat.

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Soziale Muslimbrüder

Dabei ist die Rolle der Muslimbrüder hinter den Kulissen wesentlich komplizierter. Nicht wenige Experten gehen davon aus, dass das Verhältnis zwischen den Islamisten und der Regierung auf einem Zweckbündnis beruht: Solange die Bruderschaft keine ernsthaften Versuche startet, sich mit dem Regime anzulegen, überlässt das Regime der Organisation gerne das soziale Feld der Schulen, Krankenhäuser, Hilfsorganisationen, Lehrer- und Anwaltsverbände, in denen die "Ikhwan" neue Anhänger sammeln. Daher sehen viele Experten selbst im Falle eines Umsturzes in den Islamisten kein große Gefahr. Ihr Wählerpotenzial wird auf 30 Prozent geschätzt.

Sozialisten, Kommunisten und Nasseristen - Anhänger des arabischen Volkshelden Gamal Abdel Nasser, der in den fünfziger und sechziger Jahren eine Art arabischen Sozialismus propagierte - finden sich dagegen in der Partei Tagammu (Sammlung). In diesen Tagen kennen die einst zerstrittenen Genossen nur noch ein Ziel: Den Sturz Mubaraks, "des Pharaos", wie Parteiführer Sayyed Abdul Aal sagt. Im Rahmen der Proteste ist sie als Partei aber bisher kaum in Erscheinung getreten. "Dies ist eine Intifada", erläutert Abdul Aal, "nicht die Parteien sprechen, das Volk spricht."

Systematischer bereitet sich derzeit eine andere Partei auf den erhofften Umsturz vor: Wafd (Delegation), einst eine antikolonialistische Honorationenpartei, die lange Zeit vor sich hin dümpelte, ehe ihr reiche Professoren und Geschäftsleute neues Leben einhauchten. Zu ihren Anhängern zählen vor allem die koptischen Christen. Im Wappen der Wafd ist seit kurzem ein Kreuz und ein Halbmond zu sehen. Auf mindestens 20 Prozent schätzen Experten den Rückhalt in der Bevölkerung.

Fast bedeutungslos ist die liberale Bewegung Al-Ghad-Partei (Morgengrauen) des Rechtsanwalts Aymar Nour. Immerhin war es aber Nour, der den Präsidenten 2005 medienwirksam herausforderte und anschließend für vier Jahre ins Gefängnis wanderte.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2011-02-01 19:00:53
Letzte Änderung am 2011-02-01 19:01:00

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