• vom 10.10.2011, 13:24 Uhr

Ägypten - Hintergrund

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Nach Jahrzehnten des Wachstums von Abwanderung bedroht

Koptische Gemeinde Ägyptens erlebt Massenmigration



Kairo. Die Kopten leiten ihre Abkunft von den alten Ägyptern ab. Der arabische Name "Kibt" kommt von "Aigyptos". Der Anteil der Kopten an der ägyptischen Bevölkerung beträgt ungefähr zehn Prozent. Verlässliche Statistiken gibt es nicht. Ihr prominentester Vertreter ist der frühere UNO-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali. Mehr als 100.000 koptische Christen haben Ägypten seit dem Sturz des Regimes von Ex-Präsident Hosni Mubarak im März laut der "Egyptian Union for Human Rights" verlassen. Nach Schätzungen der Organisation könnte die Zahl der emigrierten Christen bis zum Jahresende 250.000 erreichen.

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  Bei anhaltender Abwanderung würde die koptische Gemeinschaft in Ägypten demnach binnen zehn Jahren um ein Drittel schrumpfen, dabei seien sie eine "wirtschaftliche Säule des Landes". Die koptischen Christen reisten nicht freiwillig aus, sondern würden durch Einschüchterungen von fundamentalistischen Salafisten - Anhänger einer radikalen Richtung des Islam - und aufgrund fehlenden Schutzes durch die Regierung dazu gezwungen, so die Organisation. Die Auswanderung betreffe vor allem die junge Wirtschaftselite unter den Kopten, die Repressalien von militanten Islamisten und Einschränkungen für ihr Leben und ihre Geschäftstätigkeit fürchteten.

Auswanderung in die USA
  Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation wanderten die meisten Kopten in die Vereinigten Staaten aus. Rund 16.000 ließen sich demnach in Kalifornien nieder, 10.000 in New Jersey, 8.000 in New York und weitere 8.000 in den übrigen US-Bundesstaaten. 14.000 Kopten siedelten laut der Organisation nach Australien über; 20.000 suchten eine neue Heimat in Europa, vor allem in den Niederlanden, Italien, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und auch Österreich.

  In Österreich ist die koptisch-orthodoxe Kirche seit 1976 präsent. Sie zählt mehr als 5.000 Mitglieder. 2003 wurde sie staatlich anerkannt. Die koptisch-orthodoxe Kathedrale im 22. Wiener Gemeindebezirk wurde 2004 von Kopten-Papst Shenouda III. feierlich geweiht.

Monophysitische Kirche
  Die koptisch-orthodoxe Kirche führt ihre Anfänge auf den Evangelisten Markus zurück, als dessen 117. Nachfolger das derzeitige Oberhaupt Schenuda (Shenouda) III. gilt. Derzeit hat der Koptenpapst ("Papst von Alexandrien und Patriarch des Stuhles des Heiligen Markus") seinen Sitz in Kairo. Die Kopten gehören zu den altorientalischen (monophysitischen) Kirchen. Von diesen wurde die auf dem Konzil von Chalcedon im Jahr 451 angenommene Zweinaturenlehre von der göttlichen und menschlichen Natur Christi abgelehnt. Der theologische Streit über die Natur des Erlösers wurde erst in diesem Jahrhundert in einem Briefwechsel zwischen Papst Johannes Paul II. und Schenuda III. auf "sprachliche Missverständnisse" und politische Ursachen zurückgeführt und für beendet erklärt.

  Die mit griechischen Fremdwörtern durchsetzte koptische Sprache verwendet das griechische Alphabet mit zusätzlichen eigenen Schriftzeichen und gliedert sich in mehrere Dialektgruppen. Sie wurde als Umgangssprache durch das Arabische ersetzt.

Starker Aufschwung in letzten Jahrzehnten
  In den vergangenen Jahrzehnten erlebte die koptische Kirche einen starken Aufschwung. In ihrer Tradition ist die Liturgie in den ursprünglichen Formen bewahrt geblieben. Zentren der geistlichen Erneuerung sind die zahlreichen Klöster und die Theologische Hochschule in Kairo. Auslandsdiözesen gibt es in Nordamerika, Europa, Schwarzafrika und Australien. Die äthiopische Kirche erkennt den Koptenpapst nur als Ehrenprimas an. Seit 1992 ist auch die koptische Kirche in Eritrea autokephal.

  Es existiert auch eine kleine mit Rom unierte koptische Kirche. 1895 errichtete Papst Leo XIII. ein koptisches Patriarchat.



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Dokument erstellt am 2011-10-10 13:27:02


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