• vom 30.06.2012, 16:37 Uhr

Ägypten - Hintergrund

Update: 30.06.2012, 16:43 Uhr
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Naglaa Ali Mahmud

First Lady wider Willen


Von Nehal El-Sherif/dpa

  • Die Präsidentengattin besticht durch Unscheinbarkeit - und ein konservatives Rollenbild.

Naglaa Ali Mahmud, die Frau des neugewählten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi, will keine "First Lady" sein. - APAweb / EPA

Naglaa Ali Mahmud, die Frau des neugewählten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi, will keine "First Lady" sein. APAweb / EPA

Kairo. Sie scheut das Licht der Öffentlichkeit, sie gibt selten Interviews. Sie kleidet sich traditionell islamisch, mit Kopftuch und langen Gewändern, und verzichtet auf Make-up und Nagellack. Als Gattin des neuen Präsidenten Mohammed Mursi ist Naglaa Ali Mahmud das schiere Gegenteil der früheren ägyptischen First Ladys.

Jihan, die Gemahlin von Anwar al-Sadat (1918-1981), hatte Gespür für Glamour und trat für Frauenrechte ein. Suzanne Mubarak, die Gattin des im Vorjahr gestürzten Sadat-Nachfolgers Husni Mubarak, gefiel sich in stilvollem Auftreten und kämpfte gegen die Genital-Verstümmelung bei kleinen Mädchen. Beide waren First Ladys ganz nach amerikanischem Vorbild.

"Dienerin des Volkes"
Frau Mahmud - nach traditionell islamischer Gepflogenheit nahm sie den Namen ihres Mannes nicht an - will gar nicht First Lady sein. "Im Islam ist der Herrscher der Diener seines Volkes", erklärte sie in einem seltenen Interview der Lokalzeitung "Nus al-Dunia". "So ist auch die Frau des Herrschers eine Dienerin des Volkes - einen anderen Titel nehme ich nicht an."

Im Freundes- und Familienkreis nennt man sie "Umm Ahmed" - Ahmeds Mutter. Dabei handelt es sich um die arabische Sitte, wonach Frauen (oder Männer) als Mutter (oder Vater) des jeweils erstgeborenen Sohnes bezeichnet werden. Sie stammt aus ärmlichen Verhältnissen. Mohammed Mursi, ihren zehn Jahre älteren Cousin, heiratete sie im Alter von 17 Jahren. Sie ging noch zur Schule.

Eine Universität schloss sie nicht ab. Nach der Heirat ordnete Mahmud ihr Leben den familiären Verpflichtungen unter. Ihrem Mann gebar sie fünf Kinder, vier Buben und ein Mädchen. In den 1980er-Jahren begleitete sie Mursi in die USA, wo dieser sein Ingenieursstudium fortsetzte. Mahmud blieb auch dort Hausfrau, arbeitete aber nebenbei als Übersetzerin.

Unscheinbare Hausfrau sorgt für reichlich Gesprächsstoff
In den USA wurden Mursi und seine Frau von Landsleuten für die Muslimbruderschaft angeworben. Die islamistische Organisation war damals im Heimatland teils verboten, teils geduldet und agierte zumeist im Untergrund. Nach der Rückkehr war sie erneut Stütze der Familie. Mursi und zwei der inzwischen volljährig gewordenen Söhne landeten immer wieder im Gefängnis. In der Bruderschaft betätigte sie sich als Ausbilderin in der Mädchen-Sektion.

Eine unscheinbare Hausfrau von nebenan als First Lady wider Willen: In der tratschfreudigen ägyptischen Gesellschaft sorgt Mahmud für reichlich Gesprächsstoff. Was für ein Bild wird sie auf dem internationalen Parkett machen?, fragen die einen sorgenvoll. Wird sie ausländischen Präsidenten überhaupt die Hand schütteln?

Andere wiederum meinen, dass Mahmud und ihr konservatives Rollenbild sehr genau den sozialen Wandel der vergangenen Jahrzehnte in Ägypten reflektieren. Das Land ist frömmer geworden - und es hat eine Revolution stattgefunden. Gemacht haben sie Leute wie Du und Ich. Jetzt seien eben auch Herr und Frau Präsident Menschen wie Du und Ich.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-06-30 16:38:39
Letzte Änderung am 2012-06-30 16:43:40


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