• vom 15.08.2013, 16:08 Uhr

Ägypten - Hintergrund

Update: 15.08.2013, 16:11 Uhr

Milliarden, gemeinsame Manöver und Akademie-Besuche

Das Verhältnis von Ägypten und den USA




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  • Washington und Kairo kooperieren seit Jahrzehnten militärisch.
  • Gewalt in Ägypten schreckt ausländische Konzerne.

Kairo/Washington. Milliardenhilfen aus Washington, Ausbildung der Offiziere in den USA und gemeinsame Militärmanöver: Die Streitkräfte Ägyptens und der USA arbeiten seit Jahrzehnten eng zusammen. Sowohl nach dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär als auch nach der gewaltsamen Räumung der Protestcamps seiner Anhänger am Mittwoch taten sich die USA daher schwer im Umgang mit Ägyptens Generälen.

  US-Präsident Barack Obama vermied es tunlichst, Mursis Sturz als Putsch zu bezeichnen, denn dann wäre die US-Regierung per Gesetz gezwungen, die jährliche Militärhilfe in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar (rund eine Milliarde Euro) für Ägypten einzufrieren. Außenminister John Kerry sagte gar zu Mursis Entmachtung, die Armee sei auf Wunsch des Volkes eingeschritten und habe die "Demokratie wiederhergestellt" - auch wenn er dies nach einer Welle der Kritik relativierte. Die Ereignisse rund um die Räumung der Protestcamps bezeichnete Kerry als "bedauerlich".


  Nach Angaben des Rechercheinstituts des US-Kongresses (CRS) ist Ägypten seit 1979 nach Israel der größte Empfänger bilateraler Hilfe aus den USA. Im Jahr 1979 war unter US-Vermittlung der Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel geschlossen worden - ein Stabilitätsanker in der unruhigen Region. Seitdem flossen 68 Milliarden Dollar (51,35 Mrd. Euro) in das Land am Nil. Damit deckt Kairo fast 80 Prozent seiner Ausgaben für die Ausrüstung der Armee - und kauft US-Panzer und -Kampfjets.

  Alle zwei Jahre halten die Streitkräfte beider Länder ein gemeinsames Manöver ab. Ägyptische Offiziere werden regelmäßig in US-Einrichtungen ausgebildet, so etwa der derzeitige Armeechef und Verteidigungsminister Abdel Fattah al-Sisi sowie Generalstabschef Sedki Sobhi. Beide Generäle verbrachten jeweils ein Jahr am US Army War College in Pennsylvania.

  Sisis Dozent Stephen Gerras beschreibt den General als "sehr ernsthaft, sehr intelligent" und als "fromm und freundlich". Dieser habe seinen Kurs mit kritischer Einschätzung verfolgt und die "Haltung der anderen" stets berücksichtigt. Sisi schrieb demnach sogar eine wissenschaftliche Arbeit über Demokratisierung im Nahen Osten - auch wenn er sich gegen deren Veröffentlichung entschied.

  In der Zeit auf dem War College entstünden gute Beziehungen, und die ausländischen Militärangehörigen bekämen sowohl ein Gespür für die US-Kultur als auch für die Denkweise der Militärvertreter der Vereinigten Staaten, sagt Gerras. Fast hundert ägyptische Soldaten werden jedes Jahr an Bildungseinrichtungen des US-Militärs geschickt. Das stärkt nach Überzeugung des Pentagon vor allem auch die militärische Zusammenarbeit in Krisenzeiten.

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Dokument erstellt am 2013-08-15 16:09:42
Letzte nderung am 2013-08-15 16:11:49



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