• vom 16.04.2012, 13:11 Uhr

Naher Osten - Aktuelle Berichte

Update: 16.04.2012, 16:54 Uhr
  • Artikel
  • Fotosstrecke
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



UNO-Beobachter konnten Arbeit vorerst nicht aufnehmen

Ban Ki-moon: Einhaltung der Waffenruhe in Syrien "sehr fragil"



  • UN-Generalsekretär fordert syrische Regierung zu Zurückhaltung auf.

Damaskus/ Brüssel. Ungeachtet der Ankunft der ersten UNO-Militärbeobachter kam es in Syrien auch am Montag wieder zu Gefechten zwischen Aufständischen und der Armee. Das Vorauskommando der Beobachter konnte seine Arbeit in den Städten und Dörfern des Landes noch nicht aufnehmen. "Zuerst muss zusammen mit den syrischen Behörden ein Protokoll vereinbart und unterzeichnet werden, denn die Vereinten Nationen können ihre Aufgabe sonst nicht wahrnehmen", sagte am Montag ein aus Marokko stammendes Mitglied der Delegation, die am Vorabend in Damaskus eingetroffen war.

Oberst Mohammed Hmeish erklärte jedoch, er sei überzeugt, "dass wir mit der praktischen Arbeit sehr bald beginnen werden." Die syrische Führung hatte zuvor betont, die Einzelheiten der Beobachtermission müssten erst in Verhandlungen mit dem Vorauskommando geklärt werden. Auf das erste Vorausteam unter Leitung des marokkanischen Obersten Ahmed Himmiche sollen später noch etwa 25 weitere Beobachter folgen. Insgesamt wollen die Vereinten Nationen 260 Militärbeobachter schicken. Beides ist Teil des Sechs-Punkte-Plans des Sondergesandten Kofi Annan, den sowohl die Regierung als auch die Opposition akzeptiert hatte. Zunächst war die Rede von sechs Beobachtern gewesen. Hmeish erklärte jedoch, zusammen mit ihm seien lediglich vier weitere Militärs in Damaskus eingetroffen. Sie stammen unter anderem aus Finnland, Indien und den Niederlanden.

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana schrieb am Montag, die Regierung habe nichts gegen die Präsenz der Beobachter, solange die Souveränität des Landes nicht verletzt werde. Vielmehr hoffe sie, dass die Beobachter die Machenschaften der "bewaffneten terroristischen Banden" bezeugen.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete unterdessen am Montag von heftigen Gefechten zwischen Deserteuren und Soldaten in der Stadt Idlib im Nordwesten des Landes. In Hama seien zwei Zivilisten beim Beschuss ihres Autos getötet worden. Die Armee habe zudem ihren Granatenbeschuss der Stadtteile Chaldije und Bajada in der Rebellenhochburg Homs fortgesetzt. Nach Angaben der Beobachtungsstelle sind derzeit aber weiterhin 30 Prozent der im Zentrum des Landes gelegenen Großstadt unter Kontrolle der Aufständischen.

55 Menschen seit Beginn des Waffenstillstands getötet
UN-Generalsekretär Ban Ki-moon forderte die syrischen Behörden am Montag zu äußerster Zurückhaltung auf. Bei einer Pressekonferenz mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Brüssel warnte Ban, der Waffenstillstand sei noch immer "sehr fragil". Um eine erneute Eskalation der Gewalt zu verhindern, müssten auch die oppositionellen Kräfte "vollständig kooperieren". Immerhin hätten sich nun auch Russland, China und der Iran auf die Vorschläge verständigt. Mitglieder der Arabischen Liga hätten unterschiedliche Ideen, doch wichtig sei, dass auch das Regime in Syrien der Beobachtermission zugestimmt habe, sagte Ban Ki-moon. Allerdings "jeder Gewehrschuss kann diesen zerbrechlichen Prozess zerstören".

Barroso betonte, oberste Priorität habe der Zugang für humanitäre Hilfe "ohne jede Einschränkung". Die Umsetzung des Friedensplans von UNO-Sondergesandtem Kofi Annan sei "von äußerster Dringlichkeit".

Der UN-Sicherheitsrat hatte die Entsendung von Beobachtern am Samstag gebilligt, nachdem auch Russland dem Resolutionsentwurf zugestimmt hatte. Annans Sprecher zufolge soll bis zum Ende der Woche eine zweite Resolution verabschiedet werden, die einen Einsatz von mindestens 250 Beobachtern vorsieht, unter ihnen auch Menschenrechtsexperten.

Nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden seit Beginn des Waffenstillstands am Donnerstag landesweit 55 Menschen getötet. Seit Beginn des Volksaufstands Mitte März 2011 seien insgesamt 11.117 Menschen getötet worden, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, der Nachrichtenagentur AFP. Bei den Todesopfern habe es sich um 7972 Zivilisten und 3145 Soldaten gehandelt, davon rund 600 Deserteure. Er habe eine Liste mit den Namen der Toten und dem Ort ihres Todes. Seit Beginn der Proteste seien zudem mehr als 100.000 Menschen festgenommen worden, wobei viele weiter in Haft seien.




Schlagwörter

Ban Ki-Moon, Syrien, UNO

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-16 13:12:24
Letzte Änderung am 2012-04-16 16:54:33


Der Globalist-Blog

Hier in Damaskus heißt der Bürgerkrieg harmlos: "Die Situation"

20120905bombe - APAweb / Reuters, Sana "Let us shape the future together – not wait for it", "Lasst uns die Zukunft gemeinsam gestalten und nicht darauf warten"... weiter



Werbung



Beliebte Inhalte



Wenn Eis taut, dann ändert sich die physikalische Ordnung der Materie. - corbis
  • Das Modell ist auf viele, unterschiedlichste Systeme anwendbar.
  • weiter

In Syrien gefallener Hisbollah- Kämpfer wird im Libanon zu Grabe getragen. - reuters
  • Aufhebung des Waffen-Embargos für Syrien: EU streitet, Faymann droht.
  • weiter

  • Neue Regierung will Verhandlungen mit Brüssel nicht fortsetzen.
  • weiter

Bundeskanzler Faymann tauscht die Position mit Luxemburg: Österreich kann sich jetzt einen Bankdatenaustausch bis Jahresende vorstellen, Luxemburg stellt plötzlich Bedingungen. - APAweb / Andy Wenzel
  • Luxemburg knüpft Zustimmung an Verhandlungsergebnis mit Drittstaaten.
  • weiter

"Bevor uns das Rohöl ausgeht, geht uns das Wasser aus" , ist Brabeck-Letmathe überzeugt. - dpa
  • Spitzenmanager über Europas Defizite und emotionale Debatten.
  • weiter

Haben die Wiener Senioren mehr Weitblick als die eigene Partei? - Rösner
  • Die "rote Basis" macht Urlaub - und schimpft über die (grüne) Stadtpolitik.
  • weiter

Schütze Bosko Rasovic trainiert fünfmal pro Woche. S. Jenis
  • Rund 24.000 Wiener haben eine Waffenbesitzkarte.
  • weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter





Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Mailands "neubabylonischer" Hauptbahhnhof Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

Werbung