
Damaskus/Beirut/Kairo. Nach Oppositionsangaben sind am Freitag bei einem Massaker von Regierungstruppen in der syrischen Stadt Houla (Al-Hula) 110 Zivilisten getötet worden. Die Hälfte der Opfer seien Kinder, erklärte der oppositionelle Syrische Nationalrat am Samstag. Eine Abordnung der UNO-Beobachtermission, die eine an sich geltende Waffenruhe überwachen soll, traf nach Angaben des Nationalrats inzwischen am Schauplatz des Geschehens in der Provinz Homs ein.
Über den Hergang des mutmaßlichen Massakers sickerten in Exilkreisen am Samstag nur bruchstückhafte Informationen durch. So seien die Menschen entweder beim Artilleriebeschuss der Stadt gestorben oder anschließend von regimetreuen Freischärlern getötet worden, die im Feuerschutz der Truppen von Haus zu Haus gegangen seien.
Massenflucht bestätigt
Wie die in London ansässige syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mitteilte, setzte eine Massenflucht von Überlebenden aus Houla ins Landesinnere ein. Die Nachrichten konnten wegen der Medienblockade des Regimes nicht überprüft werden, die syrische Führung hat die meisten ausländischen Journalisten ausgewiesen. Sollten sich die Berichte bestätigen, so wäre dies das schlimmste Blutbad an Zivilisten an einem Ort seit Monaten in Syrien.
Houla war in den vergangenen Monaten Schauplatz häufiger Kundgebungen gegen das Regime von Präsident Bashar al-Assad. Dies gilt aber auch für andere Regionen der Provinz Homs sowie die gleichnamige Provinzhauptstadt. Aktivisten verbreiteten in der Nacht auf Samstag das Video einer Solidaritätskundgebung in der Stadt Homs für die Opfer von Houla. Darauf ist zu sehen, wie die Teilnehmer schwören, das vergossene Blut nicht ungesühnt zu lassen.
Der Syrische Nationalrat forderte die Einberufung des UNO-Sicherheitsrates, um die Verantwortlichen für das mutmaßliche Massaker festzustellen. In dem seit März 2011 dauernden Aufstand gegen Präsident Assad sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen bisher mehr als 10.000 Menschen getötet worden.
Die etwas mehr als 250 UNO-Beobachter sind seit Mitte des Vormonats im Land und unbewaffnet. Sie sind durch die "Sicherheitsvorbehalte" des Regimes in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Waffenruhe und UNO-Einsatz sind Teil des Friedensplans des internationalen Vermittlers Kofi Annan. Der ehemalige UNO-Generalsekretär (1997-2006) wird am kommenden Montag zu Gesprächen in Damaskus erwartet. Experten halten seinen Syrien-Plan inzwischen für gescheitert.
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