• vom 05.06.2012, 07:35 Uhr

Naher Osten - Aktuelle Berichte

Update: 05.06.2012, 18:03 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Heftige Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen

Syrien stürzt in den Bürgerkrieg



  • UN-Sondergesandter Annan drängt auf Umsetzung des Friedensplans.
  • Russland und China beharren auf Verhandlungslösung.
  • Houla-Massaker: USA bezichtigen Assad der Lüge.

Ein Panzer, der während Gefechten zwischen Regierungstruppen und Rebellen in der Stadt Ariha beschädigt wurde. Steckt Syrien bereits mitten in einem Bürgerkrieg? - APAweb/Edlib News Network ENN/AP

Ein Panzer, der während Gefechten zwischen Regierungstruppen und Rebellen in der Stadt Ariha beschädigt wurde. Steckt Syrien bereits mitten in einem Bürgerkrieg? APAweb/Edlib News Network ENN/AP

Damaskus. Syrien wird von immer heftigeren Kämpfen erschüttert. Aktivisten berichten von Gefechten zwischen Regierungstruppen und den Rebellen in den Provinzen Idlib, Daraa, Latakia und Damaskus-Land, gleichzeitig mehren sich die Attentate auf Kommandanten der Regimetruppen. Der Konflikt hat mittlerweile Dimensionen erreicht, die an einen Bürgerkrieg denken lassen. Der Sprecher des UN-Sondergesandten Kofi Annan erinnert an dessen Warnung, dass Syrien in "einen blutigen, langwierigen, sektiererischen Bürgerkrieg" stürzen könnte. Und fügt hinzu: "Vielleicht ist es schon so weit."

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, am Dienstag sei Brigadegeneral Anwar al-Sakka durch einen Sprengsatz ums Leben gekommen, der unter seinem Auto platziert worden sei. Seine Tochter und sein Fahrer, die mit ihm im Wagen saßen, seien bei dem Anschlag außerhalb von Damaskus verletzt worden. Ein weiterer Brigadegeneral sei im Umland von Damaskus verschleppt worden. Oberst Ahmed Abdul Kader sei in Deir as-Saur von Angreifern, die auf Motorrädern vorbeifuhren, erschossen worden, meldete Sana. Dieses Attentat bestätigte auch die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter.

Hilferuf einer belagerten Kleinstadt
Der Revolutionsrat der Provinz Hama veröffentlichte indes einen Hilferuf für die Kleinstadt Kafr Seita, die seinen Angaben zufolge seit dem vergangenen Samstag unter Dauerbeschuss durch die Regierungstruppen steht. Ein Großteil der Bewohner sei unter Geleitschutz von Deserteuren aus dem Ort geflohen, hieß es. Die verbliebenen Menschen hätten weder Strom noch sauberes Wasser. Die Verletzten erhielten keine ärztliche Hilfe.

Möglicherweise sei die Zeit für die Staatengemeinschaft gekommen, um zu überprüfen, wie eine Umsetzung des internationalen Friedensplans erreicht werden könne, ist aus Annans Umfeld zu vernehmen. Zuvor hatten die Aufständischen den von Annan ausgearbeiteten Friedensplan aufgekündigt und massive Angriffe auf Regierungstruppen gestartet.

Laut Annans Plan sollte ab dem 12. April eine Feuerpause gelten. Diese wurde aber immer wieder verletzt. Die syrische Führung und die Rebellen machen sich gegenseitig dafür verantwortlich. Annan will dem UNO-Sicherheitsrat am Donnerstag Bericht erstatten. Bei dem seit etwa 15 Monaten anhaltenden Aufstand gegen Präsident Bashar al-Assad sind nach UNO-Angaben mehr als 10.000 Menschen getötet worden.

Die UNO traf nach eigenen Angaben mit der syrischen Regierung eine Übereinkunft, nach der Hilfsorganisationen Zugang zu vier Städten erhalten sollen. Humanitäre Hilfe könne nun die Orte Deraa, Deir al-Zor, Homs und Idlib erreichen. Ob es sich dabei um eine aufrichtige Zusage handle, werde sich in den kommenden Wochen zeigen, sagte der UNO-Koordinator für humanitäre Hilfe, John Ging. Er hoffe darauf, Mitarbeiter und Hilfsgüter binnen Tagen vor Ort zu haben.

USA bezichtigen Assad der Lüge
Russland und China glauben trotz der anhaltenden Kämpfe weiterhin an eine Beilegung des Konflikts durch Verhandlungen zwischen Regierung und Rebellen. Die internationale Gemeinschaft müsse sich hinter den Vermittlungsversuch von Annan stellen, berichtete das chinesische Fernsehen von einer Stellungnahme der beiden Staaten. "Beide Seiten sind gegen einen erzwungenen Regime-Wechsel", teilte das chinesische Außenministerium mit. Ein Eingriff unter UNO-Mandat, wie er im Westen angedacht wurde, sei undenkbar.

Ein Verbleib von Syriens Staatschef Bashar al-Assad an der Macht ist in den Augen der russischen Regierung allerdings keine Bedingung für eine Verhandlungslösung zur Beendigung des Blutvergießens in Syrien. "Wir haben nie gesagt oder darauf bestanden, dass Assad am Ende eines politischen Prozesses notwendigerweise an der Macht bleiben muss", sagte Vize-Außenminister Gennadi Gatilow. Über die Frage müssten aber die Syrer selbst entscheiden. Ähnlich hatte sich bereits im Februar Außenminister Sergej Lawrow geäußert.

Die USA haben Assad im Zusammenhang mit dem Massaker von Houla indes der Lüge bezichtigt. Die Regierung in Damaskus versuche, ihre Beteiligung an dem Blutbad mit mehr als 100 Toten zu verleugnen, sagte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Jay Carney, am Montag in Washington. Auf die Frage eines Journalisten, ob Assad die Weltgemeinschaft angelogen habe, antwortete Carney "Ja".

In einer Rede vor dem Parlament in Damaskus hatte der Staatschef am Sonntag einmal mehr das Ausland und "Terroristen" für die Gewalt verantwortlich gemacht und jede Beteiligung an dem Massaker von Houla Ende Mai zurückgewiesen.




Schlagwörter

Syrien

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-06-05 07:50:13
Letzte Änderung am 2012-06-05 18:03:06


Der Globalist-Blog

Hier in Damaskus heißt der Bürgerkrieg harmlos: "Die Situation"

20120905bombe - APAweb / Reuters, Sana "Let us shape the future together – not wait for it", "Lasst uns die Zukunft gemeinsam gestalten und nicht darauf warten"... weiter



Werbung



Beliebte Inhalte



Mord in Wien. Eine Frau wurde in Simmering erstochen. - APAweb / APA, Herbert P. Oczeret
  • Passanten hielten Täter fest.
  • weiter

Indes gehen die Verhandlungen zwischen den Favoritnern und 1899 Hoffenheim um Torschützenkönig Philipp Hosiner laut dessen Berater Wolfgang Rebernig weiter. - APA/HELMUT FOHRINGER
  • Hosiner-Wechsel zu Deutschen nach wie vor nicht vom Tisch
  • weiter

Geld versenkt haben die Gläubiger der Alpine - unter anderem im Tunnelbau. - apa
  • Republik und Banken tragen Hauptlast, schlechte Karten für Anleihezeichner.
  • weiter

Arbeiten in der prallen Sonne: Besonders Bauarbeiter stöhnen unter der Hitze. - apa/Hans Klaus Techt
  • Baufirmen können Arbeiter ab 35 Grad Außentemperatur bezahlt freistellen.
  • weiter

Bernd Wiegand konnte es nur falsch machen. Er hatte keine andere Chance. Bernd Wiegand - das ist der Oberbürgermeister von Halle an der Saale...weiter

Kindergarten ab eins und Ganztagsschule: für Brandsteidl die beste Lösung. - Radule Bozinovic/KOSMO
  • Stadtschulratspräsidentin hält Trennung von deutsch- und nichtdeutschsprachigen Kindern für wenig sinnvoll.
  • weiter

Veganes Urgestein Chen Huang versorgt Wiens Veganer mit dem Nötigsten. - Mazak
  • Wien ist Stadt mit höchster Dichte an veganen und vegetarischen Restaurants.
  • weiter

Die US-Geheimdienste lesen mit. - © Andrea Danti - Fotolia.com
  • Unter Barack Obama wurde das Programm noch ausgeweitet.
  • weiter





Schwere Unwetterschäden nach einem Murenabgang im Ortskern von Hallstatt aufgenommen am Mittwoch, 19. Juni 2013. Nach einem heftigen Unwetter ist der Mühlbach über die Ufer getreten wobei eine Mure den Ortskern von Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut beschädigt hat.

Ein Fahrrad an einer Kreuzung mitten im 9. Bezirk war der etwas ungewöhnliche Rastplatz für ein Bienenvolk. Guten Tag, Lubango! Der Giraffen-Junge kam am Samstag, 15. Juni, zur Welt.

20. 6. 2013: Golf ist ein eindeutig ein Sport, wie Maximilian Kieffer beim BMW International in München mit diesem konzentrierten Späh-Liegestütz beweist. Kunstraub der anderen Art: Von einer Hauswand  in London ausgemeißelt wurde im Februar das Banksy-Graffitikwerk "Slave Labour". Kurz darauf tauchte es bei einem Auktions-Haus in Miami in Florida wieder auf. Am 2. Juni wiederum wurde es trotz Proteste um 1,1 Millionen Dollar in London versteigert. Das Kulturbild der Woche geht nun für zwei Wochen auf Urlaub und ist am 24.Juni wieder zurück.

Werbung