
Damaskus/Kairo/Beirut/Paris. Die Luft um den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad wird dünner: Nach zahlreichen hohen Militärs und Diplomaten hat sich nun auch sein Ministerpräsident Riyad Hijab ins Ausland abgesetzt. Der Regierungschef ging über die grüne Grenze ins benachbarte Jordanien, berichtete der Nachrichtensender Al-Jazeera unter Berufung auf jordanische Sicherheitskreise. Das Regime zog unterdessen neue Truppen vor der heftig umkämpften Stadt Aleppo zusammen.
Nach Angaben des Syrischen Nationalrates (SNC) sollen zwei weitere syrische Minister und drei Offiziere gemeinsam mit Hijab am Sonntag nach Jordanien geflohen sein. Auf Al-Jazeera bestätigte der Sprecher Hijabs, Mohamed Atari, der Premierminister sei desertiert und habe sich der Opposition angeschlossen. Die Flucht des Politikers sei "seit mehr als zwei Monaten geplant" gewesen, die aufständische Freie Syrische Armee (FSA) habe dabei geholfen. Hijab befinde sich nun mit seiner Familie an einem sicheren Ort.
"Ich erkläre heute meine Desertion"
Der Sprecher verlas auch ein Statement Hijabs: "Ich erkläre heute meine Desertion von diesem terroristischen Regime, das für zahlreiche Morde verantwortlich ist, und erkläre, dass ich mich der Revolution für Freiheit und Würde angeschlossen habe. Ich erkläre, dass ich ab heute ein Soldat dieser seligen Revolution bin."
Die Führung in Damaskus bestätigte die Flucht des Premierministers zunächst nicht. Kurz vor den Berichten darüber verbreiteten die Staatsmedien allerdings die Nachricht, dass dieser aus dem Amt entlassen worden sei. Ein Grund dafür wurde nicht genannt. Zum Übergangspremier wurde Omar Ghalawanji ernannt, der zuvor das Amt des Vize-Premiers innegehabt hatte.
Ein General und seine Offiziere
Desertiert ist am Montag auch ein weiterer General der syrischen Armee, wie türkische Medien berichteten. Mit ihm hätten sich weitere fünf ranghohe Offiziere sowie 30 Soldaten in die Türkei abgesetzt. Einem ehemaligen hochrangigen Offizier der syrischen Armee zufolge sind bisher vor allem Sunniten desertiert: Mehrere hundert sunnitische Offiziere hätten dem Regime bisher den Rücken gekehrt, jedoch lediglich drei Alawiten und fünf Angehörige anderer religiöser Minderheiten. Die Sunniten stellen zwar die Mehrheit der Bevölkerung, innerhalb der Armee sind jedoch nur 4.000 der 33.000 Offiziere Anhänger des sunnitischen Islams.
"Let us shape the future together – not wait for it", "Lasst uns die Zukunft gemeinsam gestalten und nicht darauf warten"...
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