Damaskus. Die Grausamkeit an den verschiedenen Fronten in Syrien nimmt mit jedem Monat weiter zu. In Kreisen der Exil-Opposition sorgte am Mittwoch ein Video für Entsetzen, in dem getötete Soldaten zu sehen sind. Das Video, das von der Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter veröffentlicht wurde, soll am vergangenen Samstag in der Provinz Aleppo aufgenommen worden sein. Es zeigt mehrere bewaffnete Männer, die einer Brigade der Revolutionstruppen angehören sollen. Vor ihnen liegen an einer Bordsteinkante etwa 20 Leichen von Männern, die offensichtlich aus nächster Nähe erschossen wurden. Ihre Hände sind gefesselt.
Der Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation, Rami Abderrahman, sagte der Nachrichtenagentur dpa, er wolle nicht nur die Verbrechen der Regierungstruppen dokumentieren, sondern alle Menschenrechtsverletzungen: "Wir können derartige Vorfälle nicht einfach ignorieren. Und wenn wir die Augen davor verschließen würden, dann würde dies nur dem Regime nützen."
In einer Erklärung, die der Syrische Nationalrat (SNC) am Abend veröffentlichte, hieß es: "Der SNC hat erfahren, dass eine Gruppe, die sich selbst als Teil der syrischen Revolutionstruppen bezeichnet, Soldaten in Uniformen der syrischen Armee hingerichtet hat, nachdem sie diese in Aleppo gefangen genommen hatte." Der SNC bezeichnete die Tötung der Soldaten als "ein Verbrechen, für das es keine Rechtfertigung geben kann".
Zivilisten auf offener Straße misshandelt
Andere Aktivisten verbreiteten unterdessen Videoaufnahmen, die ihren Angaben nach zeigen, wie Zivilisten auf der Straße mehrere am Boden liegende Männer in Zivil misshandeln und töten. Eine Gruppe von Soldaten, die daneben steht, unternimmt nichts, um sie daran zu hindern. Wann und wo die Aufnahme gemacht wurde, ließ sich nicht zweifelsfrei klären.
Aus dem Umland von Damaskus meldeten Aktivisten am Dienstag Gefechte zwischen Regierungstruppen und Deserteuren. Während es in den Vororten fast täglich zu Kämpfen kommt, bei denen zum Teil auch die Luftwaffe eingesetzt wird, ist es in einigen Vierteln der Hauptstadt nach Angaben von Bewohnern immer noch relativ ruhig. 102 Menschen sollen am Dienstag landesweit getötet worden sein, darunter 12 Kinder. Die meisten Opfer soll es im Großraum Damaskus sowie in den Provinzen Aleppo und Hama gegeben haben.
Angelina Jolie setzt sich für Opfer ein
Während sich die humanitäre Krise in Syrien weiter verschärft, setzt sich nun auch Hollywoodstar Angelina Jolie für die Opfer ein. Jolie zeigte sich bestürzt vom Schicksal der syrischen Bürgerkriegsflüchtlinge. Die schrecklichen Erzählungen von geflüchteten syrischen Frauen und Kindern hätten sie bewegt und mit Sorge erfüllt, sagte die politisch engagierte Oscar-Preisträgerin am Dienstag nach einem Besuch im Flüchtlingslager Saatari in Jordanien.
"Es ist herzzerreißend, wenn Syrer fragen, ob ich denn wisse, warum niemand eine Lösung für sie findet", sagte die Schauspielerin. Sie wolle Solidarität mit den Notleidenden zeigen und auf deren Lage aufmerksam machen, hieß es beim Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) in Genf.
UNHCR-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres forderte die internationale Gemeinschaft auf, ihre Hilfe für die Flüchtlinge zu verstärken. Die UN und die Länder, die Flüchtlinge aufnehmen, würden dringend Mittel benötigen, um die Menschen zu versorgen, sagte Guterres in Jordanien. Die Zustände im Saatari-Lager seien "inakzeptabel", fügte er hinzu. Seit Freitag stieg die Zahl syrischer Flüchtlinge in benachbarten Ländern erneut um mehrere Tausend auf inzwischen rund 253.100 an. Allein im Lager Saatari werden etwa 28.000 Syrer versorgt. Insgesamt hat das UNHCR in Jordanien bisher mehr als 85.000 syrische Flüchtlinge registriert. Noch weitaus mehr Syrer flohen in die Türkei. Auch der Libanon und der Irak haben Kriegsflüchtlinge aufgenommen.
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