Damaskus/New York. Ein Doppelanschlag auf das Gebäude des Generalstabs in Damaskus, zu dem sich eine islamistische Gruppe bekannte, hat dem syrischen Sicherheitsapparat am Mittwoch einen erneuten Schlag versetzt. Aktivisten zufolge lieferten sich Rebellen und Soldaten anschließend die heftigsten Kämpfe in der Hauptstadt seit Beginn des Konflikts. Tunesien erklärte unterdessen in New York seine Unterstützung für eine arabische Friedenstruppe in Syrien.
Nach Angaben der Armee sprengten sich am Morgen zwei Attentäter in die Luft und töteten vier Wachleute des Gebäudes. Sämtlichen Kommandanten und Offizieren gehe es aber gut. Mindestens 14 Zivilisten und Militärs seien bei den Anschlägen verletzt worden. Iranischen Medien zufolge wurde außerdem der Reporter Maya Nasser des englischsprachigen iranischen Fernsehsenders Press TV von einem Heckenschützen getötet, als er live über die Anschläge berichtete.
Islamistische Gruppe bekannte sich
Der in Syrien ansässige Arm der islamistischen Gruppe Tajamo Ansar al-Islam bekannte sich im Internet zu der "komplexen Selbstmord-Operation", die "auf den Sitz des Generalstabs der kriminellen Bande" von Präsident Bashar al-Assad abgezielt habe. Der Erklärung zufolge sprengte ein Attentäter sein Auto am Haupteingang des Gebäudes in die Luft. Zudem seien Bomben gezündet worden, die im dritten Stock "in Abstimmung mit ehrenwerten" Soldaten abgelegt worden seien.
Ein Sprecher der aus Deserteuren gebildeten "Freien Syrischen Armee" (FSA) sagte, neben Tajamo Ansar al-Islam hätten mindestens drei weitere Rebellengruppen an dem Angriff teilgenommen. "Wir versprechen dem kriminellen Regime weitere Aktionen, die es zu Fall bringen werden", erklärte ihrerseits die Islamisten-Gruppe. Die Verbindungen zwischen der Freien Armee und den islamistischen Gruppen sind unklar. Nach Angaben der "Freien Syrischen Armee" gab es bei dem Doppelanschlag Dutzende Tote.
Die Deserteure entdeckten in der Ortschaft Al-Dhiyabiya außerhalb von Damaskus 50 Leichen. Die FSA gab an, die Männer seien von regimetreuen Truppen getötet worden. Revolutionskomitees berichteten, Regierungstruppen und Milizen hätten im Damaszener Viertel Al-Birse 16 Angehörige einer Familie massakriert. Erstmals habe es auch im Stadtteil Malki, in dem viele Funktionäre und Profiteure des Regimes leben, eine Razzia gegeben. Landesweit zählten die Aufständischen 125 Tote.
Inzwischen mehr als 30.000 Menschen getötet
Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden in dem Konflikt inzwischen mehr als 30.000 Menschen getötet. Bei einer Konferenz von Oppositionsgruppen, die von der Führung toleriert werden, sagte indes der Rebellenkommandant Khaled Abdel Rahman al-Samel, er habe gemeinsam mit rund zehn Kämpfern dem Aufstand abgeschworen und kehre zu den regulären Truppen zurück. "Wir alle sind Syrer, wir lehnen eine Revolution ab, die mit Blutvergießen beginnt", sagte er.
Indes sagte der tunesische Präsident Moncef Marzouki am Rande der UNO-Generaldebatte: "Wir Araber müssen unsere Verantwortung übernehmen." Ein arabischer Friedenseinsatz sei etwas, "was wir uns gut vorstellen können". Katar hatte am Dienstag einen Militäreinsatz der arabischen Staaten in Syrien vorgeschlagen. Der Konflikt habe eine "inakzeptable Phase" erreicht", hatte der Emir von Katar, Scheich Hamad bin Khalifa al-Thani, gesagt. Dagegen bekräftigte der ägyptische Präsident Mohammed Mursi in seiner Rede vor der UNO-Generalversammlung sein Eintreten für eine diplomatische Lösung des Konflikts. Es gehe um eine Lösung, die die Einheit Syriens erhalte, alle Gruppen des syrischen Volkes ohne Diskriminierung einbeziehe und Syrien eine ausländische Militärintervention erspare, betonte Mursi.
Neuerliche Beratung
Auf deutsche Initiative kam am Mittwochnachmittag in New York der UNO-Sicherheitsrat zu neuerlichen Beratungen über den Syrien-Konflikt zusammen. Außenminister Guido Westerwelle rief dabei die gespaltenen Vetomächte zu einer "gemeinsamen Antwort" für Syrien auf. "Für das syrische Volk scheint die Aussicht auf Frieden immer noch wie ein ferner Traum", sagte der deutsche Chefdiplomat zum Auftakt der Sitzung. Nach Westerwelle mahnte auch UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon zu mehr gemeinsamen Anstrengungen für eine politische Lösung des Syrien-Konflikts. Ein härteres Vorgehen gegen Machthaber Baschar al-Assad wird im Sicherheitsrat von den beiden Veto-Mächten Russland und China verhindert. Von der Sitzung wurden keine konkreten Beschlüsse erwartet. (APA/AFP/dpa)
Österreich droht mit dem Abzug aus dem Golan. Die Republik sei "entschieden gegen die Aufhebung oder Teilaufhebung" des Syrien-Waffenembargos...weiter
"Let us shape the future together – not wait for it", "Lasst uns die Zukunft gemeinsam gestalten und nicht darauf warten"...
weiter