• vom 29.08.2013, 13:53 Uhr

Naher Osten - Aktuelle Berichte

Update: 29.08.2013, 13:59 Uhr

Syrien

US-geführter Einsatz wäre Stich ins Wespennest




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Warren Strobel und David Alexander/Reuters

  • Bei US-Militärschlag drohen Vergeltung und Cyberkrieg

Damaskus. Der Nahe Osten gleicht derzeit einem Pulverfass. Bei einer Eskalation im Konflikt in Syrien drohen Israel und Iran in den Konflikt hineingezogen zu werden.

Werbung

Die Regierung in Teheran hat als Verbündeter Assads im syrischen Bürgerkrieg auf das amerikanische Säbelrasseln bereits mit Drohungen gegen den Erzfeind Israel reagiert. Der jüdische Staat liegt ebenso wie Jordanien und der amerikanische NATO-Partner Türkei in Reichweite ballistischer Raketen Syriens und des Iran. Doch statt auf Vergeltungsaktionen zu setzen, könnten sich Assad, der Iran und die mit ihm verbündete Hisbollah-Miliz zu einer Strategie der Nadelstiche gegen die übermächtige Militärmacht USA und ihre engen Verbündeten entschließen: Mit Anschlägen oder mit elektronischen Angriffen auf strategisch wichtige Ziele im Internet.

Cyberwar

"Iran und Syrien könnten amerikanische Ziele im Netz angreifen. Sie haben sich auf diesem Gebiet bereits als recht fähig erwiesen", meint Nahost-Experte Hayat Alvi vom US Naval War College. Erst jüngst hatten Unterstützer Assads die Internetseite der "New York Times" mehrere Stunden lang lahmgelegt. Die Hackergruppe Syrische Elektronische Armee (SEA) bekannte sich dazu.

Solche Hackerangriffe sind eine unblutige und zugleich effektive Variante des sogenannten asymmetrischen Krieges, in dem ein übermächtiger Gegner außerhalb des Schlachtfeldes angegriffen wird. Die aggressivere Variante heißt Extremismus: So drohte der aufseiten der Hisbollah stehende Scheich Afif Nabulsi im Libanon unverhohlen damit, dass ein US-Militärschlag gegen Syrien Attacken auf US-Ziele in Nahost oder Angriffe "direkt auf Israel" auslösen werde. Die Iran-treue Schiiten-Miliz hat tausende Kurzstreckenraketen im Südlibanon in Stellung gebracht und brennt offenbar darauf, loszuschlagen. "Ein Hisbollah-Angriff auf Israel ist wahrscheinlich. Einige sehen bereits einen neuen Krieg im Libanon heraufziehen", so Nahost-Kenner Alvi.

Vergeltung

Doch der Iran könnte auch im Irak zuschlagen, falls er auf Rache für Angriffe auf seinen syrischen Verbündeten sinnen sollte. Mit Anschlägen der Teheran-treuen Schiiten-Milizen würde das von den USA mühsam in friedliche Bahnen gelenkte Bürgerkriegsland wieder destabilisiert. Bislang hatten die Schiiten-Kämpfer im Zweistromland weitgehend auf Vergeltung für Anschläge sunnitischer Milizen verzichtet. Doch das könnte sich bei einem US-Militärschlag gegen Syrien rasch ändern, raunt ein US-Regierungsvertreter hinter vorgehaltener Hand. Milizen im Iran würden "sehr wahrscheinlich reagieren, wenn sie von Teheran dazu gedrängt werden sollten." "Das macht Sorge und das haben alle im Hinterkopf", weiß der US-Nahost-Kenner.

Syriens Machthaber Assad dürfte hingegen nach Ansicht vieler Beobachter auf einen begrenzten Militärschlag der USA und ihrer Verbündeten mit einer Strategie des Aussitzens reagieren. "Es würde mich überraschen, wenn er zurückschlagen würde. Denn das würde die USA noch stärker in den Krieg hineinziehen", meint Syrien-Experte Shawn Brimley vom Center for a New American Security. Dies könnte seiner Ansicht nach für den syrischen Präsidenten fatale Folgen haben: "Er muss ins Kalkül ziehen, dass er das wahrscheinlich nicht überleben wird."




Schlagwörter

Syrien

1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2013-08-29 13:54:34
Letzte Änderung am 2013-08-29 13:59:48


Twitter Wall


Werbung



Syrien

"Beide Seiten werden bis zur völligen Erschöpfung kämpfen"

Luftangriff: Bewohner des Bezirks Al-Maysar in Aleppo halten Ausschau nach Kampfjets. - © reu/Abobrahim "Wiener Zeitung": Der Iran wird nicht an der am Mittwoch in der Schweiz startenden Syrien-Friedenskonferenz teilnehmen... weiter




Syrien

Bans missglückter Schachzug

Lädt Teheran an den Verhandlungstisch: UN-Generalsekretär Ban Ki-moon. - © epa/Szenes New York/Genf. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon pokert mit hohen Einsätzen. Er hat den Iran überraschend eingeladen, an der Syrien-Friedenskonferenz... weiter




Syrien

Das Versagen des Westens

Ein syrischer Regime-Gegner bereitet ein Katapult vor. - © reuters Azaz, eine kleine, von Aufständischen besetzte Stadt in Syrien, Ostern 2013: Der deutsche Fernsehjournalist Jörg Armbruster wird von seinem Guide Amar... weiter




Stefan Haderer

Putins Interessen in Syrien

Stefan Haderer ist Kulturanthropologe und Die Vereinigten Staaten und Russland konnten sich also auf einen UNO-Resolutionsentwurf zum Konflikt in Syrien einigen... weiter




Syrien

Waffenvernichtung im Chaos

U.S. Army Chemical Materials Agency - © U.S. Army Chemical Materials Agency Die Vernichtung syrischer Chemiewaffen würde die internationale Gemeinschaft nach Ansicht von Experten vor beispiellose Herausforderungen stellen... weiter




Syrien

Dokumente zum Giftgaseinsatz in Syrien

Giftgas Auf dem Weltgipfel 2005 beschlossen die Teilnehmer Maßnahmen zum Schutz von Zivilisten in Konflikten:"Jeder einzelne Staat hat die Verantwortung für... weiter






Marlies Schild beendet ihre aktive Laufbahn.

Bundespräsident Heinz Fischer (links) mit Bundeskanzler Werner Faymann (Mitte) und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner bei der Angelobung der neuen Regierungsmitglieder. 02.09.2014: Zum bevorstehenden Taoyuan Kunstfestival in Taiwan beeindruckt der niederländische Künstler Florentijn Hofman mit einem 25 Meter großen, weißen Hasen.

Die Ausstellung 'Transmutaciones', in Guayaquil, Ecuador zeigt unter anderem ein Teeservice von Alexandra Cedeno aus menschlicher Plazenta angefertigt. Link: <a href="http://www.museodeguayaquil.com/  " target="_blank"> Museo de Guayaquil </a> Alejandro Gonzalez Inarritu.