• vom 22.05.2012, 10:07 Uhr

Naher Osten - Hintergrund

Update: 22.05.2012, 10:12 Uhr
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Syrien-Konflikt erreicht Libanon

Beirut vor Angst gelähmt


Von Weedah Hamzah/dpa

  • Feindseligkeiten zwischen Gegnern und Anhängern Assads.

Beirut. Im Libanon geht die Angst um. Die Gewalt aus dem Nachbarland Syrien ist über die Grenze geschwappt. Beirut meldet Tote und Verletzte. Droht jetzt ein Flächenbrand?

Verbrannte Autos am Straßenrand, Glasscherben am Boden, Stille statt geschäftigem Treiben: Im Tarik-al-Jadida-Viertel in der libanesischen Hauptstadt traut sich nach nächtlichen Straßenkämpfen kaum jemand aus dem Haus. Eine der größten Sorgen ist bittere Realität geworden: Der Syrien-Konflikt hat Beirut erfasst. Gegner und Anhänger des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad lieferten sich heftige Straßenkämpfe, mindestens zwei Menschen starben, mehrere wurden verletzt. Schüsse aus Maschinengewehren und Panzerfäusten hielten die Bewohner wach. Viele fühlten sich an den Bürgerkrieg erinnert, der von 1975 bis 1990 im Land tobte.

"Wer auch immer dafür verantwortlich ist, versucht, den Libanon mit Gewalt in den syrischen Sturm hineinzuziehen", sagt Ahmed Daouk. "Wir haben die Nacht damit verbracht, von einem Zimmer unseres Hauses ins nächste zu fliehen, um uns zu verstecken und unsere Kinder zu beschützen", sagt Mustafa Kaddoura, ein anderer Bewohner des sunnitischen Viertels. Eltern schickten ihre Kinder am Montag nicht in die Schule. Ganz Beirut war wie gelähmt.

Angespannte Stimmung
Am Morgen patrouillierten Soldaten in der Stadt. Der Beschuss war vorbei, doch die Stimmung blieb angespannt. Die Straßenkämpfe waren ausgebrochen, nachdem am Sonntag an einem Militärkontrollpunkt im Nordlibanon der sunnitische Geistliche Ahmed Abdel Wahid erschossen worden war. Der Scheich war ein bekannter Gegner des Assad-Regimes. Daraufhin ordnete ein Militärgericht die Festnahme mehrerer Offiziere und Soldaten des Kontrollpunkts an.

Die seit 15 Monaten andauernden Aufstände in Syrien haben den Libanon bisher in zwei Lager geteilt: Auf der einen Seite die Anhänger der vom Westen unterstützten syrischen Opposition und auf der anderen die mächtige schiitische Hisbollah-Bewegung und ihre Bündnispartner, die mit dem syrischen Regime kooperieren.

Doch die Beiruter Straßenkämpfe waren anders: Diesmal standen sich zwei rivalisierende sunnitische Gruppen gegenüber - einerseits Assad-Gegner rund um den früheren Ministerpräsidenten Saad Hariri und andererseits Anhänger einer sunnitischen Pro-Assad-Gruppe. Im Libanon werde gerade ein Krieg zwischen den Glaubensrichtungen angezettelt, glaubt Daouk. Damit solle von den Bluttaten in Syrien abgelenkt werden, fügt der Mann aus dem Beiruter Tarik-al-Jadida-Viertel hinzu.




Schlagwörter

Arabische Revolution, Libanon

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-22 10:08:44
Letzte Änderung am 2012-05-22 10:12:57


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