• vom 22.04.2015, 09:41 Uhr

Armenier Hintergrund

Update: 23.04.2015, 17:58 Uhr

Armenischer Genozid 1915

Der geleugnete Völkermord




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Von Ines Scholz

  • Am Sonntag jährt sich zum 90. Mal das Massaker an den Armeniern in der Türkei

Der gezielte Massenmord an den Armeniern diente der NSDAP und Adolf Hitler als Vorbild bei ihrer Vernichtungspolitik gegen die jüdische Bevölkerung Europas.

Der gezielte Massenmord an den Armeniern diente der NSDAP und Adolf Hitler als Vorbild bei ihrer Vernichtungspolitik gegen die jüdische Bevölkerung Europas.

Sie wurden erschlagen, erstochen, erschossen, zu Todesmärschen durch die syrische Wüste getrieben und dem Tod durch Erschöpfung oder Verhungern überlassen. Dass dies vor 90 Jahren das Schicksal von bis zu 1,5 Millionen Armeniern in der heutigen Türkei war, ist nicht mehr umstritten. "Wer spricht heute noch von der Vernichtung der Armenier?", fragte Adolf Hitler am 22. August 1939, am Vorabend vom Zweitem Weltkrieg und Holocaust. Bis heute umstritten ist aber, ob es sich um den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts handelte.

Die Verfolgung der Armenier begann am 24. April 1915, als das jungtürkische Regime die gesamte armenische Elite in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, verhaften ließ. Verantwortlich war das schattenhafte "Komitee für Einheit und Fortschritt" um Innenminister Talaat Pascha und Kriegsminister Enver Pascha. Und das verbündete Deutsche Reich schwieg dazu.

Information

(Erschienen am 22.4.2005 in der Wiener Zeitung)


Die Verfolgung von Armeniern hatte es schon unter Sultan Abdul Hamid II. Ende des 19. Jahrhunderts gegeben. Doch nach der jungtürkischen Revolution 1908/09 steigerten sich Talaat und Enver in den Wahn, ihr Land müsse von allen nicht-muslimischen Elementen "gesäubert" werden. Und als wichtigster "innerer Feind" wurden die 1,5 Millionen Armenier ausgemacht, die schon Jahrhunderte vor der Ankunft der Seldschuken in Ostanatolien gesiedelt und es im Osmanischen Reich als Bankiers, Anwälte, Ärzte, Apotheker, Lehrer, Kaufleute, Unternehmer und Gewerbetreibende zu beneidetem Wohlstand gebracht hatten.

Sadistische Orgien

Seit dem 24. April 1915 wurden sie zusammengetrieben und auf Todesmärschen in die syrische Wüste nach Deir es-Sor nahe der heutigen Grenze zum Irak gepeitscht, wenn sie nicht vorher erschossen, erschlagen, gehängt oder ertränkt wurden. An Sammelpunkten suchten sich türkische Offiziere und Zivilisten wie auf Sklavenmärkten armenische Mädchen und junge Frauen als Konkubinen und Mägde aus.

Auch in den Konzentrationslagern von Deir es-Sol herrschte purer Horror. Die Menschen wurden ermordet, viele starben an Hunger und Krankheiten. Nur Wenigen gelang die Flucht nach Russland. Die Leichen seien in den Kellern wie Feuerholz gestapelt worden, erinnern sich Augenzeugen. Widerstand gegen die Deportationen und das "Große Gemetzel" - oder "Mez Eghern", wie die Armenier sagen - gab es nur vereinzelt. Franz Werfel setzte 1933 anhand eines authentischen Falles in seinem Roman "Die 40 Tage des Musa Dagh" den Armeniern ein Denkmal.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2005-04-22 09:41:58
Letzte nderung am 2015-04-23 17:58:14


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