• vom 31.10.2015, 17:53 Uhr

Die große Flucht

Update: 31.10.2015, 17:58 Uhr

Flüchtlinge

Kritik aus Oberösterreich an Bayern




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Von WZOnline/APA, red

  • Landesrat Anschober appelliert an deutsche Behörden, mehr Busse einzusetzen.

In oberösterreichischen Kollerschlag steht bereits ein großes Zelt, es ist mit 1.000 Menschen völlig ausgelastet. - © APA/AFP, CHRISTOF STACHE

In oberösterreichischen Kollerschlag steht bereits ein großes Zelt, es ist mit 1.000 Menschen völlig ausgelastet. © APA/AFP, CHRISTOF STACHE

Schärding. In der oberösterreichischen Stadt Schärding an der Grenze zu Bayern wurde am Samstag damit begonnen, ein Zelt für die durchreisenden Flüchtlinge aufzustellen. Es soll am Montag in Betrieb gehen. Die Stadt hat dies nach einem Protest am Freitag nunmehr zähneknirschend akzeptiert.

"Wir sind nach wie vor der Meinung, dass es andere Standorte gäbe, wo keine Altstadt angrenzt und so massiv betroffen ist, aber wir müssen die Entscheidung akzeptieren und mit der neuen Situation umgehen. Unsere Warnungen wurden leider nicht erhört und wir befürchten nach wie vor große Probleme am Wirtschaftssektor, was selbstverständlich auch die Arbeitsplätze betreffen kann", meinte Bürgermeister Franz Angerer (ÖVP) in einer Presseaussendung.

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Immerhin werde das Zelt nicht im unmittelbaren Altstadtbereich sondern auf einem Grundstück in der Passauerstraße angrenzend an das Altstoffsammelzentrum aufgestellt und es sei geplant, dass die Flüchtlinge nicht mehr durch die Innenstadt sondern direkt über die "Neue Innbrücke" auf der B 137 geleitet werde, hieß es weiter. Unklar sei noch, wie genau dann die Übernahme durch die deutschen Behörden stattfindet. "Wir hoffen, dass gemeinsam eine Lösung gefunden wird, die einerseits die soziale Betreuung der Flüchtlinge auf eine menschenwürdige Weise garantiert und andererseits die massiven Bedenken Schärdings berücksichtigt", so der Bürgermeister.

Mehr als 6.000 Personen nach Oberösterreich gebracht

Mehr als 6.700 Menschen wurden am Freitag  mit 115 Bussen und vier Sonderzügen nach Oberösterreich gebracht. Diese Bilanz zog Landesrat Rudi Anschober (Grüne), der seit der neuen Legislaturperiode auch für Integration zuständig ist. Ein erstes in Kollerschlag in Betrieb gegangenes Wartezelt habe sich bewährt.

Der Landesrat sprach sich erneut dafür aus, auch in Braunau und Schärding Zelte einzusetzen, um die Wartezeiten besser überbrücken zu können. Gerade im beginnenden Winter könnten so Krisensituationen vermieden werden. Den Betroffenen könne ein Warten in Wärme und damit ohne Gesundheitsgefährdung ermöglicht werden, für die Helfer ermögliche das Wartezelt ebenfalls ein besseres Arbeiten, die Betreuung und Lenkung sei viel strukturierter und ohne Risiko. "Das Wartezelt ist keine Zusatzbelastung, sondern eine Erleichterung und Verbesserung für alle", betonte Anschober.

Schleppende Übernahme durch Bayern

In Kollerschlag ist das Zelt in der Nacht auf Samstag mit 1.000 Menschen völlig ausgelastet, dazu eine Halle mit Kapazität für 500 Personen. Doch niemand habe in der Kälte warten müssen, trotz einer eher schleppenden Übernahme durch Bayern. Am Übergang Achleiten seien am Abend rund 200 Flüchtlinge in der Warteschlange im Freien gestanden, der Andrang sei aber deutlich weniger als in den Tagen davor gewesen. Seit Samstag wird Achleiten nicht mehr gezielt angefahren.

In Schärding waren 450 Wartende im ehemaligen Altenheim. Regelmäßig werden dort laut Anschober Gruppen von 50 bis 100 Betroffenen von Bayern übernommen und auf der anderen Seite des Inns in Neuhaus in einem beheizten Zelt aufgenommen und von dort aus weiterverteilt.  Braunau verzeichnete eine starke Auslastung aller geschützten Wartemöglichkeiten durch am Abend 960 Menschen. Dieser Ort sei laut Anschober am Limit. "Mein Appell geht an die deutschen Behörden, mehr Busse einzusetzen und die Übernahme mit höherem Tempo zu verwirklichen. Dann kann die Situation noch besser bewältigt werden."




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Flüchtlinge, Oberösterreich

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Dokument erstellt am 2015-10-31 12:54:24
Letzte nderung am 2015-10-31 17:58:54



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