• vom 14.10.2014, 16:25 Uhr

Europas Grenzen

Update: 15.10.2014, 11:17 Uhr

Fluchthilfe-Tagung

"Schlepperei": Ein üppig beackertes Feld




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Von Eva Zelechowski 

  • Experten fordern differenzierten Umgang der Medien mit Sprache - Manche "Schlepper" auch als Fluchthelfer begreifen.

Schleppen: mitnehmen, transportieren, tragen.  - © Eva Zelechowski

Schleppen: mitnehmen, transportieren, tragen.  © Eva Zelechowski

Wien. Darf man Fluchthelfer aus der NS-Zeit nicht mit den heutigen Schleppern vergleichen? "Man muss es sogar", schrieb Sibylle Hamann Anfang des Jahres in einem Gastkommentar von "Die Presse". Heute macht die hitzig geführte Debatte der Asylpolitik einen großen Bogen um die Frage der Begrifflichkeiten, im Fokus stehen verstärkter Grenzschutz und die Brutalität der "Schlepperbanden", denen es einen Riegel vorzuschieben gilt. Doch gibt es nicht auch Fluchthelfer unter den "Schleppern"? Und ist Flucht ohne schleusende Personen überhaupt möglich?

Beim Internationalen Symposium "'Schleppen' - schleusen, helfen. Flucht zwischen Rettung und Ausbeutung" spricht sich Fabiane Baxewanos vom Institut für Staats- und Verwaltungsrecht der Universität Wien für eine stärkere Differenzierung der Begriffe aus. "Legale Migration ist in der heutigen Zeit nicht möglich. Und wenn es keine ‚legalen Migranten‘ gibt, dann kann auch nicht von ‚illegalen Migranten‘ gesprochen werden", sagte Baxewanos am ersten Tag der Tagung am Montag. Nahezu jeder, der heute in Europa um Schutz ansuchen möchte, sei auf Fluchthilfe angewiesen. Demnach fördere "die derzeitige europäische Einwanderungspolitik ‚Schlepperei‘ anstatt sie zu bekämpfen", zog Baxewane Fazit.

"Schlepper" auch als "Fluchthelfer" begreifen


Medienwissenschafter Fritz Hausjell veranschaulicht anhand von Schlagzeilen der letzten Jahre, wie tendenziös der Diskurs ins öffentliche Bewusstsein der Bevölkerung hinein getragen wurde: "Schlepper verdienten Millionen" – "Illegale stürmen EU-Festung" – "Die Tricks der Schlepperbanden" – "Die miesen Tricks der Schlepper", las Hausjell in seinem Vortrag über die Materie der "Schlepperei", die in den vergangenen 15 Jahren, wie er sagt, ein "üppig beackertes Themenfeld" in der heimischen Medienlandschaft darstellte.

Wie viele "Schlepper"-Stories finden sich in den Medien?

"Kronen Zeitung"

"Alleine in der 'Kronen Zeitung' erschienen zwischen 1. Jänner 2000 und 30. September 2014 insgesamt 4.207 Berichte, in denen dieser Begriff verwendet wurde, nur in 10 davon kam auch der Begriff 'Fluchthilfe' vor. Menschen auf der Flucht gelangen zumeist ohne 'Schlepper' oder – wie sie im Westen häufig genannt werden – 'Schleuser' nicht über die Grenze nach Österreich oder in ein anderes europäisches Land", erörterte Fritz Hausjell. Insofern könnten "Schlepper" auch als "Fluchthelfer" begriffen werden.

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Dokument erstellt am 2014-10-14 16:32:27
Letzte nderung am 2014-10-15 11:17:00



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