• vom 22.09.2015, 13:42 Uhr

Europas Grenzen

Update: 22.09.2015, 14:19 Uhr

Flüchtlinge

OECD erwartet rund eine Million Aslyanträge




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Von WZOnline/APA, dpa

  • Studie zu Flüchtlingen in Europa

Berlin. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwartet für das laufende Jahr einen Rekordwert an Asylanträgen in ihren 34 Mitgliedstaaten. Mit bis zu einer Million Anträgen könnte 2015 der höchste gemessene Wert seit Ende des Zweiten Weltkriegs erreicht werden, heißt es im am Dienstag in Berlin vorgestellten Migrationsausblick 2015 der OECD.

Aufgrund der anhaltenden Gewalt in Syrien, des weitgehenden Zusammenbruchs staatlicher Institutionen in Libyen sowie der sich verschlechternden Sicherheitslage in Irak, Afghanistan, Libanon und der Türkei erwartet die Organisation auch für die kommenden Jahre weiter sehr hohe Flüchtlingszahlen im OECD-Raum.

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Alleine in der Türkei zwei Millionen Flüchtlinge

So geben in Nigeria 44 Prozent der über 15-Jährigen an, dauerhaft auswandern zu wollen. In Albanien sind es 39, im Senegal 37 und in Syrien 31 Prozent. Bei fast allen dieser Länder wird mindestens ein EU-Land unter den ersten drei bevorzugten Zielen genannt. Die Organisation verweist zudem auf jene, die bereits außerhalb ihres Heimatlandes auf eine Weiterreise warten. Alleine in der Türkei leben aktuell etwa zwei Millionen Flüchtlinge, rund 300.000 aus Afghanistan, dem Irak und Pakistan würden Richtung EU ausreisen wollen. Mehr als 1,1 Millionen Syrer seien im zunehmend unsicheren Libanon.

Während OECD-Staaten wie Australien oder Großbritannien in den vergangenen Jahren den Zugang für Flüchtlinge erschwert hätten, sei der Zuwachs an Asylanträgen insbesondere auf die hohen Zahlen in Deutschland zurückzuführen, schreiben die Autoren des Migrationsausblicks. Gemessen an den Asyl-Anträgen pro Einwohnern bleibe allerdings Schweden mit 7,8 Asylanträgen pro tausend Einwohnern das von der Flüchtlingskrise meist betroffene Land, gefolgt von Österreich mit 3,3 und der Schweiz mit 2,7.

Problemfeld: Unbegleitete Minderjährige

Sorge bereitet der OECD insbesondere die hohe Zahl unbegleiteter Minderjähriger unter den Flüchtlingen. Obwohl viele Minderjährige überhaupt keinen Asylantrag stellten, seien 2014 unter den Asylantragstellern 24.000 unbegleitete Minderjährige gewesen, schreibt die OECD.

Die Autoren des Berichts sehen Deutschland und Europa aber in der Lage, die Herausforderung hoher Flüchtlingszahlen zu stemmen. Der OECD-Bericht verweist unter anderem auf die Flüchtlinge des Bosnien-und Kosovokrieges. "In all diesen Fällen konnten europäische Länder, obwohl sie anfangs auf dem kalten Fuß erwischt worden waren, die Situation erfolgreich bewältigen und verbleibende Migranten integrieren", heißt es in dem Ausblick.

Empfehlung rascher Arbeitsgenehmigung

Die Autoren fordern die OECD-Mitgliedstaaten auf, frühzeitig in die Neuankömmlinge zu investieren und sie insbesondere über Sprachförderung schnellstmöglich an den Arbeitsmarkt heranzuführen, um die Menschen erfolgreich zu integrieren. Anders als bei früheren Migrationsbewegungen müssten sich die Länder auf sehr unterschiedliche Neuankömmlinge vorbereiten. Die OECD empfiehlt deshalb ihren Mitgliedstaaten auf die Herkunftsländer maßgeschneiderte Integrationsmaßnahmen zu entwickeln.




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Dokument erstellt am 2015-09-22 13:43:48
Letzte nderung am 2015-09-22 14:19:10



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