• vom 01.04.2014, 11:45 Uhr

Autismus

Update: 21.04.2014, 17:44 Uhr

Asperger Syndrom

Leben mit Asperger Syndrom: Ein Leben ohne Filter




  • Artikel
  • Kommentare (9)
  • Lesenswert (184)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von V. Vilkrée

  • Gedanken eines erst kürzlich diagnostizierten Autisten: "Wir sind nicht schlechter und nicht besser als Nichtautisten".


© V. Vilkrée © V. Vilkrée

Meistens beginnt es mit einem Gefühl, als ob ich verstimmt werden würde: Geräusche, Gerüche, visuelle Informationen, sie alle steigen in mir hoch und vermischen sich in einem erstickenden Chaos. Als ob sich Gift im Blut im ganzen Körper ausbreiten würde. Ein Kribbeln bahnt sich seinen Weg in meine Arme - so schwer wie Blei. Und der Vorhang schließt sich. Sollte ich noch bei Bewusstsein sei, so kann ich dennoch nicht mehr mit der Außenwelt kommunizieren. Die Geräusche und die Gerüche treiben scheinbar weit weg, alles in meinem Blickfeld ist hell und verschwommen. Ich wurde in den Stand-by-Modus versetzt.

Angefangen von ein paar Minuten, bis zum Verlust des Bewusstseins: Die Hyperventilations-Anfälle passieren immer dann, wenn mein Gehirn die wahrnehmenden Informationsflüsse nicht mehr verarbeiten kann.

Werbung

Im Alter von 40 Jahren stellte man mir die Diagnose Asperger-Syndrom. Dieses Syndrom gehört zu den Autismus-Spektrum-Störungen, es wurde erst in den frühen 1990er Jahren international anerkannt. Im Unterschied zu niedrig- oder hochfunktionierendem Autismus, gibt es generell keine Sprachverzögerung in der frühen Kindheit, die sozialen Schwierigkeiten fangen oft im Kindergarten an.

Dies ist ein Grund, warum es so lange gedauert hat, bis es eine Verbindung zwischen den verschiedenen Symptomen und Autismus hergestellt wurde. Und warum so viele Erwachsene nach wie vor nicht diagnostiziert sind. Während wiederum unter denjenigen mit einer Diagnose offenbar nur wenige eine feste Arbeit haben – für die sie oft überqualifiziert sind.

Eine unsichtbare Behinderung

Die Anfälle, die ich beschrieben habe, sind nicht mit dem Syndrom gleichzusetzen. Auch wenn sie oft vorkommen können. Nicht jeder mit Asperger leidet unter ihnen. Fast wäre ich geneigt zu sagen, dass diese Kurzschlüsse mir nicht das größte Leid zufügen: sie sind sichtbar und werden von anderen als etwas höchst Ungewöhnliches wahrgenommen. Was für die meisten Schwierigkeiten, die mit dieser Form des Autismus verbunden ist, nicht zutrifft. Auch wenn sie von Person zu Person höchst unterschiedlich ausgeprägt sind: was allen gemeinsam ist, sind die Probleme mit gesellschaftlichen Situationen.

Sozialisation ist eine Fremdsprache für mich. Durch Erfahrung habe ich gelernt, soziale Interaktionen zwischen Menschen zu übersetzen, aber nur, wenn ich in der Situation nicht involviert bin. Wie ein Wissenschafter, der Insekten beobachtet. Ist dies nicht der Fall, so werde ich schnell von den Datenflüssen, die ich verarbeiten muss, um zu einer Konklusion zu kommen, überwältigt. Gibt es ein oder zwei unbekannte Gesprächspartner, so wird das zusammen mit den zusätzlichen visuellen, auditiven und olfaktorischen Inputs aus der Umgebung unmöglich.

weiterlesen auf Seite 2 von 4




9 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-03-31 21:12:57
Letzte ─nderung am 2014-04-21 17:44:07



Wissen

Autismus-Spektrum-Störungen

20140331autismuswissen - © Wiener Zeitung Autismus-Spektrum-Störungen zählen zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Bereits im frühen Kindesalter vermeiden die meisten Betroffenen zum... weiter




Multimedia

Literatur, Videos und Links

20140331videoautismus - © Screenshot Youtube Die Anzahl der Literatur, Filme, Essays und Videos über Autismus-Spektrum-Störungen und von Betroffenen ist riesig... weiter




Service

Hilfe und Beratung

Autistenhilfe – Dachverband Österreich, Eßlinggasse 17, 1010 Wien Telefon: 01/533 96 66 Link: ... weiter





Werbung




Werbung