• vom 14.12.2015, 18:00 Uhr

Autismus

Update: 14.12.2015, 18:19 Uhr

Gesundheit

Antidepressiva begünstigen Autismus




  • Artikel
  • Lesenswert (9)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Alexandra Grass

  • Neue Erkenntnisse: Empathie-Defizite könnten Trugschluss sein.

100 von 10.000 Kindern werden mit Autismus diagnostiziert - 1966 waren es noch vier von 10.000.

100 von 10.000 Kindern werden mit Autismus diagnostiziert - 1966 waren es noch vier von 10.000.© JAMA Pediatrics 100 von 10.000 Kindern werden mit Autismus diagnostiziert - 1966 waren es noch vier von 10.000.© JAMA Pediatrics

Montreal/Wien. Die Schwangerschaft ist, so sollte man meinen, eine Zeit der Freude und des Glücks. Bei den meisten werdenden Müttern ist dies auch der Fall, doch zehn Prozent von ihnen leiden unter Depressionen. Häufig werden diese Gefühle von den Betroffenen nach außen hin überspielt, denn die Gesellschaft erwartet eine glückliche, werdende Mutter. Depressionen sind daher nach wie vor ein Tabuthema, aber dennoch vorhanden.

Die Ursachen dafür sind von Frau zu Frau unterschiedlicher Natur und reichen von familiären Vorbelastungen über massive körperliche Beschwerden bis hin zur Überlastung im alltäglichen Leben. Ganz typische Alarmsignale sind stark negative Gedanken über das Kind und die Schwangerschaft. Damit einher gehen der Verlust von Freude und das Gefühl, keine Kraft mehr aufbringen zu können.


Gehirnentwicklung beeinflusst
Die Gynäkologen agieren zwar grundsätzlich sehr behutsam, wenn es bei Schwangeren um den Einsatz von Medikamenten geht, dennoch werden in manchen Fällen Psychopharmaka verschrieben - vorwiegend sogenannte selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI), die als gut untersucht und gut verträglich gelten. In einer aktuellen Studie warnt Anick Bérard, Forscherin an der University of Montreal, allerdings vor einem Einsatz von Antidepressiva. Während des zweiten und dritten Trimesters eingenommen, verdoppelt sich für das Kind das Risiko, Autismus zu entwickeln, wie die Wissenschafterin im Fachblatt "Jama Pediatrics" berichtet.

Ihre Daten stammen aus der Quebec Pregnancy Cohort und inkludieren die Beobachtung von insgesamt 145.456 Schwangeren sowie deren Kindern bis zu einem Alter von zehn Jahren. "Die verschiedenen Gründe für Autismus bleiben unklar, aber Studien haben gezeigt, dass Genetik und Umwelt eine Rolle spielen können", erklärt Bérard. Die Erkenntnisse seien angesichts der Tatsache, dass sechs bis zehn Prozent der werdenden Mütter in den Wochen des zweiten und dritten Trimesters Antidepressiva erhielten, besonders wichtig.

"Es ist biologisch gesehen durchaus plausibel, dass Antidepressiva in jener Zeit, in der die Gehirnentwicklung stattfindet, Schaden anrichten können", so Bérard. Denn Serotonin ist in zahlreiche vor- und nachgeburtliche Prozesse involviert - die Zellteilung, die Zelldifferenzierung, aber auch die Synapsenbildung zwischen den Gehirnzellen. "Manche Antidepressiva, wie die SSRI, basieren auf der Hemmung von Serotonin, was einen negativen Einfluss auf die Fähigkeit des Gehirns hat, sich im Uterus vollständig zu entwickeln", erklärt die Wissenschafterin im Fachblatt. Waren es im Jahr 1966 noch vier von 10.000 Kindern, die an Autismus erkrankten, so seien es heute 100 von 10.000 Kindern.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-12-14 16:38:05
Letzte nderung am 2015-12-14 18:19:09



Wissen

Autismus-Spektrum-Störungen

20140331autismuswissen - © Wiener Zeitung Autismus-Spektrum-Störungen zählen zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Bereits im frühen Kindesalter vermeiden die meisten Betroffenen zum... weiter




Multimedia

Literatur, Videos und Links

20140331videoautismus - © Screenshot Youtube Die Anzahl der Literatur, Filme, Essays und Videos über Autismus-Spektrum-Störungen und von Betroffenen ist riesig... weiter




Service

Hilfe und Beratung

Autistenhilfe – Dachverband Österreich, Eßlinggasse 17, 1010 Wien Telefon: 01/533 96 66 Link: ... weiter





Werbung




Werbung


Werbung