• vom 28.06.2012, 16:52 Uhr

Beschneidung

Update: 28.06.2012, 17:22 Uhr
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Jüdisch leben

Beschnitten? – Selbstverständlich!


Von Alexia Weiss

Alexia Weiss ist Journalistin und Autorin.

Alexia Weiss ist Journalistin und Autorin.Paul Divjak Alexia Weiss ist Journalistin und Autorin.Paul Divjak

Es sommerfestet, auch in der Wiener jüdischen Gemeinde. Zu bereden gibt es bei solchen Gelegenheiten genug: da kündigt sich die Geburt eines Babys an, dort haben die Kinder eben maturiert und wohin es sie nun wohl zieht? – Zivildienst? ein Jahr in Israel? Studium im Ausland?, und schließlich sind ja im Herbst auch noch Wahlen. Für die Zusammensetzung des Kultusrats der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien werden im November die Karten neu gemischt.

Mittwoch Abend gesellte sich ein brisantes Thema dazu: das Urteil des Landgerichts Köln in Deutschland, wonach die aus religiösen Gründen durchgeführte Beschneidung von männlichen Babys künftig als Körperverletzung gewertet und unter Strafe gestellt wird. Die Haltung von IKG-Präsident Oskar Deutsch ist klar und eindeutig: die Brit Mila (Brit: Bund, Mila: Beschneidung), kurz auch oft Briss genannt, ist das Zeichen für den Bund mit Gott. "Das ist eines unserer wichtigsten Gebote."

Die Liste Chaj – Jüdisches Leben (www.chaj.at) des Psychoanalytiker Martin Engelberg formulierte kurz nach Veröffentlichung des Urteils ein Protestmail an deutsche Politiker, das auf der Seite der Fraktion unterzeichnet werden kann. Die zentrale Botschaft: das Urteil des Landgerichts Köln wird als "unsensibler Eingriff in die Religionsfreiheit" empfunden. An die deutschen Politiker wird appelliert, die religiöse Beschneidung in Deutschland legal zu ermöglichen – und zwar sowohl für Juden als auch für Muslime.
Wie selbstverständlich – oder umstritten – ist aber nun die Beschneidung in der jüdischen Gemeinde Wiens?

Für die Orthodoxie steht sie außer Frage. Es ist zwar nicht so, dass ein Bub, der nicht beschnitten wird, nicht als Jude gilt – denn Jude ist laut Halacha, dem jüdischen Religionsgesetz, wer von einer jüdischen Mutter geboren wurde oder nach orthodoxem Ritus zum Judentum übergetreten ist. Dennoch ist es so, dass mit der Entfernung der Vorhaut am achten Lebenstag des kleinen Buben, dessen Bund mit Gott geschlossen wird.
Zurück geht dieses Gebot auf das erste Buch Mose (Hebräisch: Bereschit), in dem Abraham einen Bund mit Gott schloss. Gott verspricht Abraham dabei, ihn zu segnen und fruchtbar zu machen, wenn ihm dieser dafür treu ist. Der Bund wird durch eine Beschneidung besiegelt. Dazu heißt es im ersten Buch Mose 17,11: "Und ihr sollt beschnitten werden an eurem Gliede der Vorhaut, und das sei zum Zeichen des Bundes zwischen mir und euch."
In der Wiener Community ist es aber auch für nahezu alle anderen Gemeindemitglieder eine Selbstverständlichkeit, ihre Söhne beschneiden zu lassen – selbst wenn sie an sich überhaupt nicht religiös sind. Warum das so ist? "Es ist da auch ein sehr starker Zugehörigkeitsaspekt", war da Mittwoch Abend zu hören. "Für mich ist die Brit Mila die Schnittstelle zwischen Zugehörigkeit und Religion", sagte ein Vertreter der Orhtodoxie.
Eine Mutter von zwei kleinen Buben, die nicht orthodox lebt, aber doch auf Traditionen Wert legt, erzählte, für sie sei es nie eine Frage gewesen, ob sie die Kinder beschneiden lasse oder nicht. "Mir waren aber die Rahmenbedingungen wichtig. Ich habe vorher mit einem Urologen gesprochen. Und ich habe mich über Verbände informiert." Wie viele andere hat sie sich dann auch für die Beschneidung durch einen Mohel entschieden.




Schlagwörter

Judentum, Beschneidung

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-06-28 17:02:03
Letzte Änderung am 2012-06-28 17:22:55


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