• vom 27.07.2012, 13:03 Uhr

Beschneidung

Update: 27.07.2012, 13:07 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (9)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Sorge um Religionsfreiheit

Beschneidungen: Religionen fordern Regierungsbekenntnis



  • Karl sieht keinen Handlungsbedarf.

Die Beschneidung sei "ein religiöser Akt", sagen Religionsvertreter. - APAweb/epa/Vassil Donev

Die Beschneidung sei "ein religiöser Akt", sagen Religionsvertreter. APAweb/epa/Vassil Donev

Wien. Ein klares Bekenntnis der Regierung zur Religionsfreiheit und der Zulässigkeit der männlichen Beschneidung haben Kirchenvertreter am Freitag gefordert. In einer erstmals in dieser Zusammensetzung so abgehaltenen gemeinsamen Pressekonferenz drückten der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Oskar Deutsch, der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ) Fuat Sanac, der Generalsekretär der Bischofskonferenz Peter Schipka und der evangelische Bischof Michael Bünker ihre Sorge um die Religionsfreiheit und ihre Betroffenheit über die Art der Diskussion um ein Beschneidungsverbot aus.

Die Debatte sei vom Ausland nach Österreich transportiert worden und dem Land "nicht würdig", verwies Sanac auf die Tradition und die in der Verfassung garantierte Religionsfreiheit. Das Urteil des Kölner Gerichts, das Beschneidung als strafbare Körperverletzung qualifiziert hatte, fuße auf der deutschen Rechtslage, diese sei ungeklärt, erklärte Bünker. "In Österreich ist die rechtliche Lage klar." Beschneidungen "sind in Österreich völlig legal", versicherte auch Deutsch.

Dass Justiz- und Gesundheitsministerium daher bisher keinen Änderungsbedarf sahen, begrüßten zwar alle Seiten, dennoch forderten sie ein klares Bekenntnis von "höchster Stelle", also Regierungsspitze, das die rechtliche Zulässigkeit und die Religionsfreiheit garantiere und die Diskussion damit "friedlich beenden solle". Auch an die Staatsanwaltschaften und die Landeshauptleute - der Kärntner LH Gerhard Dörfler (FPK) hatte zuletzt ein Verbot gefordert - sollten entsprechende Mitteilungen ergehen.

"Religiöser Akt"
Abermals wurde betont, dass die Beschneidung ein "religiöser Akt" sei, der seit Jahrtausenden praktiziert und von den Betroffenen auch überhaupt nicht infrage gestellt werde. Es handle sich ausschließlich um eine "Diskussion unter Außenstehenden", meinte Sanac. Ohne Beschneidung wäre es Juden und Moslems nicht möglich, in Österreich zu leben, betonte Deutsch. Ein Verbot würde daher einer "geistigen Vertreibung" nahekommen, schloss er sich der Aussage seines Vorgängers in der IKG, Ariel Muzicant an, der am Donnerstag ein Beschneidungsverbot mit der Vernichtung der Juden verglichen hatte. Aber: "Wir lassen uns nicht vertreiben."

Diejenigen, die ein Verbot forderten, würden "im Kern eine religionsfeindliche und menschenrechtswidrige" Haltung zeigen, bemerkte Schipka. Es sei "besorgniserregend", wenn allgemein die religiöse Erziehung von Kindern infrage gestellt werde. Fragen der Religionsgemeinschaften hätten immer noch partnerschaftlich gelöst werden können, so Bünker. Europa wäre aber "schlecht beraten", wenn diese künftig von Gerichten gelöst werden müssten.

Karl sieht keinen Handlungsbedarf
Justizministerin Beatrix Karl sieht in der Debatte um Beschneidungen indes keinen Handlungsbedarf. In Österreich sei die Beschneidung kein strafrechtlicher Tatbestand. Und es gelte, das Grundrecht auf Religionsfreiheit zu berücksichtigen, sagte Karl am Freitag in einer Pressekonferenz.




Schlagwörter

Religion, Beschneidung

9 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-27 13:04:20
Letzte Änderung am 2012-07-27 13:07:16


Werbung



Beliebte Inhalte



Wenn Eis taut, dann ändert sich die physikalische Ordnung der Materie. - corbis
  • Das Modell ist auf viele, unterschiedlichste Systeme anwendbar.
  • weiter

  • Kostendruck für Leiterplattenhersteller war zu hoch, 109 Mitarbeiter betroffen.
  • weiter

Fekter will von der EU mehr Zeit für die Abwicklung der Hypo. - apa
  • Ministerrat beschließt gesetzliche Regeln für ein Banken-Frühwarnsystem.
  • weiter

Das Duo Daft Punk findet sein Glück in der Disco-Ära: "Lose yourself to dance!" - David Black
  • Auf "Random Access Memories" regiert der Disco-Sound von seinerzeit.
  • weiter

  • Der Streit um religiöse Symbole ist ein Nebenschauplatz
  • weiter

"Bevor uns das Rohöl ausgeht, geht uns das Wasser aus" , ist Brabeck-Letmathe überzeugt. - dpa
  • Spitzenmanager über Europas Defizite und emotionale Debatten.
  • weiter

Schütze Bosko Rasovic trainiert fünfmal pro Woche. S. Jenis
  • Rund 24.000 Wiener haben eine Waffenbesitzkarte.
  • weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter





Mailands "neubabylonischer" Hauptbahhnhof

Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi" Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York.

Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen: 21. 5. 2013: Schwere Zeiten für Fans des glänzenden Metalls: Der Goldpreis erklimmt keine neuen Höhen mehr, das Interesse der Anleger ist merkbar gesunken.

Werbung