Stockholm/Wien.

Doch die Umgebung soll nicht nur zum Spielen, sondern auch zum Lernen animieren. Die Ratten aus Stoff sind nicht nur zum Kuscheln da. Die Kinder sollen erzählen, wo sie die Tiere gefunden haben: Ortsangaben wie "unter, hinter, vor" würden helfen, ein mathematisches Verständnis zu entwickeln. "Wir lernen alles durch spielen", so Hall.
80 Kinder tummeln sich auf zwei Stockwerken und 800 Quadratmetern - und kommen sich dank vier Altersgruppen dennoch nicht in die Quere; die Jüngsten sind zwischen einem und zwei Jahren alt, die "Regenbogen"-Gruppe besteht aus 14 Kleinstkindern. Wenn sie im Herbst hier anfangen, können sie kaum sprechen, aber schon im Frühjahr erzählen sie von ihren Wochenendplänen. Jede Gruppe wird von zwei Pädagoginnen und einer Helferin betreut, der Betreuungsschlüssel ist somit etwa 5:1.

Alle Pädagoginnen haben einen Uni-Abschluss: Seit über 30 Jahren werden sie universitär ausgebildet. In Österreich soll es dies ab 2013 geben, dann soll es eine einheitliche Ausbildung für alle Lehrer geben. Bis dahin werden angehende Kindergartenpädagogen wie bisher an Berufsbildenden höheren Schulen ausgebildet - in Schweden reicht eine vergleichbare Ausbildung gerade einmal zur Kindergartenassistentin.
Kindergartenpädagogik unbedingt auf Unis
Braucht man ein Uni-Studium, um Kleinkinder zu betreuen? Ja, lautet die einhellige Meinung in Skandinavien. Hier ist längst unumstritten, dass frühkindliche Förderung die Basis für den weiteren Bildungsweg ist. In Österreich wird hingegen mehr als die Hälfte der unter Dreijährigen zu Hause betreut, und viele wollen diese "schönste Zeit" mit den Kindern nicht missen.
Doch auch in Täppan will man die Eltern am Fortschritten, die die lieben Kleinen machen, teilhaben lassen: Fette Ordner dokumentieren ihre ersten Schreibversuche, Selbstgebasteltes baumelt von der Wand, Ausflugsfotos sind am Computer zu sehen.
Schwedische Eltern schrecken nicht davor zurück, die Kinder früh abzugeben: "Es ist gut, dass sie schon früh lernen, mit anderen Kindern zu interagieren", sagt der 33-jährige Architekt Daniel Norell. Seine Zwillinge Iris und Ivar sind zweieinhalb, die Kinder laufen wild durch den Raum und machen auch vor Fensterscheiben nicht halt. Seit sie eineinhalb Jahre alt sind, gehen sie in den Kindergarten. Davor war zuerst Norells Freundin ein Jahr lang zu Hause, für ein weiteres halbes Jahr übernahm der Papa die Betreuung.