• vom 26.11.2017, 08:00 Uhr

Blockchain


Bitcoin

Bitcoins und die Angst, etwas zu verpassen




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Von Anja Stegmaier

  • Der Verhaltensökonom Martin Angerer über die heftigen Kursschwankungen der digitalen Währung, ihre Chancen als paralleles Zahlungsmittel und die Möglichkeit des Totalverlustes für Anleger.





"Wiener Zeitung": Der Kurs der digitalen Währung Bitcoin hat sich in den letzten zwei Monaten mehr als verdoppelt. Haben wir es mit einer Investment-Blase zu tun?

Martin Angerer: Die Natur einer Blase ist, dass man im Vorhinein nicht weiß, dass es eine ist. Wenn sie platzt, wird es danach viele Experten geben, die wussten, dass es eine Blase ist. Und wenn sie nicht platzt, dann werden viele sagen, sie wussten, dass es keine ist. Die Frage muss vielmehr lauten: Hat der Bitcoin oder haben andere Kryptowährungen das Zeug dazu, dauerhaft als Zahlungsmittel zu bestehen oder nicht? Wenn er das Zeug dazu hat, dann wird er eher noch aufwerten. Falls er das Zeug nicht dazu hat, dann ist alles bis zum Totalverlust möglich.

Information

Martin Angerer ist Verhaltensökonom. Der Österreicher ist am Lehrstuhl für Finance an der Universität Liechtenstein Assistenzprofessor und forscht zu experimenteller Finanzwirtschaft.

Gibt es sachliche Kriterien, die dafür sprechen, dass er das Zeug dazu hat?

Der Bitcoin als Zahlungsmittel hat im Moment noch große Probleme, aber nicht als Anlageform. Aus Sicht der Anwender gibt es einige Nachteile im Vergleich zu regulären Währungen. Als Zahlungsmittel hat er etwa eine zu hohe Volatilität im Preis. Zweitens gibt es immer noch sehr wenige Orte, wo man mit Bitcoin tatsächlich bezahlen kann. Auch wenn es einen starken Anstieg der Akzeptanz gibt. Und drittens ist der Schutz der Bitcoins am eigenen PC noch nicht ausreichend, obwohl das System der Blockchain im Hintergrund an und für sich sehr sicher ist. Aus Sicht der Regulatoren ist es problematisch, dass Notenbanken keinen Einfluss auf die Geldmenge nehmen und Zinsen nicht mehr direkt beeinflussen können. Diese Nachteile müssten alle gelöst werden, um ihn als Zahlungsmittel tatsächlich im Handel auf Dauer halten zu können.

Ist das nicht ein Widerspruch? Die Anleger hoffen ja, dass sich der Bitcoin als Währung durchsetzt.

Anleger setzen natürlich darauf, dass es den Bitcoin auf Dauer gibt. Er muss sich aber nicht zwangsweise als Währung durchsetzen. Er muss auch den Euro nicht ersetzen. Die Währungen können parallel bestehen. So wie es etwa in der Ostschweiz möglich ist, mit Euro und mit Schweizer Franken im Alltag zu bezahlen. In Zukunft könnte der Bitcoin bestimmte Aufgaben im Zahlungsbereich übernehmen. Insbesondere wenn man eine Transaktion äußerst sicher abwickeln möchte oder solche, die sonst hohe Gebühren auslösen würden, wie Auslandsüberweisungen.

Es gibt mittlerweile mehr als 1200 Kryptowährungen. Könnte Bitcoin an der Spitze abgelöst werden?

Bei der großen Anzahl der Kryptowährungen ist nicht jede als Zahlungsmittel gedacht. Die neueste Entwicklung sind ICOs, Initial Coin Offerings. Das ist eine Methode des Crowdfunding, da geht es um Start-up-Finanzierung. Von denen, die als Zahlungsmittel konzipiert sind, wird sich auf Dauer vermutlich nur eine durchsetzen - so wie bei den meisten neuen technologischen Entwicklungen. Es wird wie bei den großen Internet-Suchmaschinen oder Online-Händlern ein bis zwei globale Player geben. Welche das sein werden, ist aber schwer zu sagen. Der Bitcoin hat jedenfalls den Startvorteil, dass er momentan immer noch die Währung ist, die die mit Abstand höchste Marktkapitalisierung hat, sprich am meisten verwendet wird.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-11-24 18:02:09
Letzte ─nderung am 2017-11-24 18:48:10



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