• vom 09.12.2017, 10:00 Uhr

Blockchain


Kryptowährungen

Selbstversuch im Bitcoin-Fieber




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (34)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Matthias Punz

  • Die Kurse der Digitalwährung explodieren. Niemand weiß, wohin die Reise geht. Eine Woche als Spekulant - ein Erlebnisbericht.



Wien. Es ist ein Rausch. Hätte ich vor sieben Jahren um weniger als 100 Euro Bitcoins gekauft, wäre ich jetzt Multimillionär. Dieser und ähnliche Gedanken treiben immer mehr Menschen an, in Bitcoins zu investieren. Das Kursfeuerwerk nimmt kein Ende: Noch im Sommer wurde von den Anlegern darüber gejubelt, dass der Wert eines Bitcoins die Grenze von 4000 Dollar geknackt hat - mittlerweile ist ein Bitcoin schon mehr als 13.000 Dollar wert.

Als digitale Währung konzipiert, die zu mehr Freiheit, zu einer Welt ohne Zentralbanken und andere lästige Regulierungsinstanzen führen sollte, sind Bitcoins heute vor allem eines: ein Spekulationsobjekt. In den kommenden Tagen werden die US-Derivatebörsen CBOE und CME den Handel mit Bitcoin-Terminkontrakten starten, mit denen Anleger künftig auf steigende oder fallende Kurse der Kryptowährung wetten können, ohne sie in ihren Depots halten zu müssen.


Doch wenn man Bitcoins kaufen will: Wie macht man das eigentlich? Und was kann man mit den digitalen Münzen in der realen Welt erwerben? Ich habe mir Bitcoins gekauft und den Selbstversuch gestartet.

Die digitale GeldbörseEs erfordert einiges an Geduld und Recherche. Wer "Bitcoins kaufen" in Google eingibt, bekommt eine Flut an bezahlten Werbeeinträgen verschiedenster Handelsplattformen - Bitcoin ist zum großen Geschäft geworden. Für einen Bitcoinkauf braucht man zwei Dinge: Einen Handelsplatz und ein sogenanntes Wallet - eine digitale Geldbörse - zur Aufbewahrung. Nach ein paar Klicks melde ich mich bei der Plattform "coinfinity" - einem österreichischen Unternehmen mit Sitz in Graz - an, um die Münzen zu kaufen.

Meine persönlichen Daten kann ich direkt online bestätigen lassen. Ein Dienst der österreichischen Staatsdruckerei macht es möglich. Ich werde in eine Videokonferenz mit einem dortigen Mitarbeiter geschalten und muss ein persönliches Dokument wie den Führerschein und irgendeine Art von Meldebestätigung für meine Wohnadresse - möglich sind zum Beispiel auch Rechnungen - in die Kamera halten. Die Prozedur dauert rund 10 Minuten, dann ist das Benutzerprofil offiziell aktiviert.

Bevor ich nun Bitcoins kaufen kann, brauche ich aber noch ein Wallet. Die diversen Anbieter unterscheiden sich in den Funktionen und dem gewünschten Speicherplatz des Wallets - es muss nämlich an einem bestimmten Ort digital aufbewahrt werden. Etwa am Laptop wie ein normales Computerprogramm. Oder mobil am Handy als App. Vergisst man Handy oder Laptop irgendwo, kann die Wallet also - wie eine echte Geldbörse - auch ausgeraubt werden. Sie kann auch verloren gehen: Unlängst machte ein Brite Schlagzeilen, weil seine Festplatte aus Versehen im Müll landete. Seine darauf gespeicherten 7500 Bitcoins - umgerechnet etwa 80 Millionen Euro - liegen jetzt auf einer Müllhalde. Wer sein Wallet also löscht, verliert oder etwa Bitcoins an ein falsches Wallet versendet, kann sich nirgendwo hinwenden, um sich sein Geld erstatten zu lassen. Das ist die Konsequenz der hierarchielosen Welt der Digitalwährungen, für die zuständige oder regulierende Institutionen fehlen.

weiterlesen auf Seite 2 von 3




Schlagwörter

Kryptowährungen, Bitcoin

1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-12-08 18:05:05
Letzte ńnderung am 2017-12-08 19:20:05



Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Internetseite listet rauchfreie Lokale auf
  2. Experten warnen vor gefälschten Smartphone-Apps mit Schadsoftware
  3. Keine 100-Prozent-Löschung von Hasspostings
  4. Apple dehnt "Jeder kann programmieren" auf Europa aus
  5. "Sogar unsere Elefanten sind hoch qualifiziert, um große
    Mengen Scheiße abzuladen"
Meistkommentiert
  1. "Sogar unsere Elefanten sind hoch qualifiziert, um große
    Mengen Scheiße abzuladen"
  2. Internetseite listet rauchfreie Lokale auf
  3. Keine 100-Prozent-Löschung von Hasspostings
  4. Intel-Chef sieht Schaden bei Chip-Sicherheitslücke eingegrenzt
  5. EU-Kommission will "Weltklasse-Supercomputer" für Europa


Werbung


Werbung