• vom 17.03.2015, 11:04 Uhr

Boko Haram

Update: 16.03.2016, 16:07 Uhr

Boko Haram

Boko Haram als politisches und territoriales Projekt




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Von WZ Online/APA

  • Afrika-Experte: Terrorgruppe gefährlicher als Al Kaida

Abuja/Bern. Vor den Präsidentschaftswahlen in Nigeria hat die islamistische Terrororganisation Boko Haram ihre Angriffe verstärkt. Die Offensive erklärt sich nach Ansicht des Afrika-Spezialisten Philippe Hugon mit dem Willen von Boko Haram, in der Politik eine Rolle zu spielen.

Die Gruppierung versuche die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im Lande zu beeinflussen, sagte Philippe Hugon, emeritierter Professor der Universität Paris-X-Nanterre, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Die ursprünglich für den 14. Februar angesetzten Wahlen wurden dann auch um sechs Wochen nach hinten verschoben.

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Mehr als verrückte Gotteskrieger

Es wäre falsch, Boko Haram allein als verrückte Gotteskrieger zu betrachten, sagte Hugon. Die Gruppierung habe politische Ziele und, trotz der blutigen Attacken, eine überlegte Strategie.

Boko Haram erhebt laut Hugon einen Territorialanspruch. Anführer Abubakar Shekau berufe sich immer wieder symbolisch auf die nigerianische Geschichte, indem er sich auf das Reich von Kanem Bornou oder das Kalifat von Sokoto, eines mächtigen islamischen Staates im 19. Jahrhundert, beziehe.

Die Terrorgruppe wolle sich mit dem Bezug auf die Geschichte legitimieren, sagte Hugon weiter. "Solche politische Forderungen würden aber von Abuja niemals akzeptiert, egal wie viele Eroberungen die Gruppierung auf dem Feld erringt. Das ist eine Illusion."

Dennoch gibt es aus Hugons Sicht das Risiko einer faktischen Teilung des Landes. Boko Haram verfüge in den nördlichen Teilstaaten Borno und Yobo über eine beachtliche Kontrolle.

Militärisch effizient

Die Islamisten hegten aber auch regionale und sogar supraregionale Ambitionen, in denen auch eine Präsenz in Kamerun und das Eindringen in den Tschad vorkomme. "Das demonstriert eine gewisse militärische Effizienz. Bis heute wird die Gruppe in dieser Hinsicht unterschätzt", sagte der Forschungsdirektor des Instituts für internationale und strategische Beziehungen (IRIS).

Die anstehenden Wahlen fänden unter einem großen Risiko statt, sagte Hugon weiter. Boko Haram werde mit aller Kraft versuchen, die Wahlen zu verhindern. Ganze Bevölkerungsteile könnten dem Urnengang fernbleiben, was zu einer tiefen Beteiligung, vor allem im Norden, führen dürfte und Fragen zur Legitimität der Wahl aufwerfe.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-03-17 11:05:18
Letzte ńnderung am 2016-03-16 16:07:58



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