• vom 17.03.2015, 11:27 Uhr

Boko Haram

Update: 20.05.2016, 15:48 Uhr

Nigeria

Die Entstehung der Boko Haram




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Von WZ Online/APA

  • Seit 2009 mehr als 13.000 Menschen getötet.
  • Hauptziele sind Polizei, Armee, Kirchen und Schulen.

Abuja. Die Islamistengruppe Boko Haram kämpft seit Jahren mit Gewalt für einen islamischen Staat im armen und mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Die Gruppe lehnt das westliche säkulare Bildungssystem ab und will die Einführung islamischen Rechts (Scharia) in ganz Nigeria. Boko Haram bedeutet übersetzt in etwa "westliche Bildung ist Sünde".

Seit 2009 tötete die Gruppe bei Anschlägen und Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen mehr als 13.000 Menschen. Laut Angaben des UNHCR sind bisher etwa 157.000 Menschen in den Niger, nach Kamerun sowie in den Tschad geflohen. Fast eine Million Menschen sind laut der nigerianischen Katastrophenschutzbehörde innerhalb des Landes auf der Flucht.

2015

Aufgrund des gewaltsamen Vormarsches der Boko Haram werden in Nigeria die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im Februar um mehr als ein Monat verschoben.

Im Jänner kommen bei einem Massaker in der Stadt Baga bis zu 2.000 Menschen ums Leben. Mehr als 14.000 Menschen fliehen nach UN-Angaben allein im Jänner in den benachbarten Tschad.

Die tschadische Armee dringt im Kampf gegen die Extremistengruppe erstmals auf das Gebiet Nigerias vor. Nigeria und seine Nachbarländer Benin, Niger, Kamerun und der Tschad wollen im Kampf gegen die Extremisten von Boko Haram künftig enger zusammenarbeiten. Sie beschließen die Gründung einer regionalen Eingreiftruppe aus 8.700 Soldaten, Polizisten und Zivilisten.

2014

Die Boko Haram schlägt immer häufiger zu. Jeden Monat fallen Hunderte Menschen Anschlägen der Terrormiliz zum Opfer. Von April 2013 bis August 2014 fliehen laut der UNO mehr als 80.000 Menschen vor den Angriffen der Terrormiliz und der Gegenoffensive der nigerianischen Armee. Kamerun verlegt zum Schutz vor Angriffen etwa 1.000 Soldaten an die Grenze zu Nigeria.

Im April entführt die Boko Haram 200 Schülerinnen und kündigt deren "Verkauf", "Versklavung" und Zwangsverheiratung an. US-Präsidentenehefrau Michele Obama drängt unter dem Twitter-Schlagwort #BringBackOurGirls für ihre Freilassung. Gespräche scheitern jedoch im Oktober. Wenig später werden weitere 100 Schülerinnen entführt.

Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau wird mehrmals für tot erklärt, meldet sich jedoch stets wenig später mit einer Videobotschaft zu Wort.

2013

Vor allem gegen Ende des Jahres intensivieren sich die Anschläge. Zwischen Mai und Dezember fallen nach Angaben der UNO mehr als 1.200 Menschen dem Terror der Boko Haram zum Opfer.

Schulen zählen häufig zu den Zielen der Anschläge. Laut Human Rights Watch brannte die Boko Haram seit 2012 mehr als 300 Schulen nieder und machte es damit mehr als 10.000 Kindern unmöglich, die Schule zu besuchen. Daneben werden Kirchen, Sicherheitskräfte und Regierungsvertreter am häufigsten angegriffen.

Im Mai verhängt Nigerias Präsident Goodluck Jonathan für drei Provinzen im Nordosten von Nigeria den Notstand. Dieser wird im November verlängert.

Im Juni stuft Nigeria die islamistischen Extremistengruppen Nigeria die islamistischen Extremistengruppen islamistischen Extremistengruppen Boko Haram und Ansaru offiziell als "terroristisch" ein und verbietet sie damit. Auf die Mitgliedschaft stehen damit bis zu 20 Jahre Gefängnis.

Im August tötet die nigerianische Armee die Nummer zwei der Boko Haram, Momodu Bama alias Abu Saad. Anfang des Jahres fassen Sicherheitskräfte haben einen der wichtigsten Anführer, Mohammed Zangina, ein Mitglied des leitenden Schura-Rates (Shura-Rates).

2012

Laut Human Rights Watch sterben zwischen Jänner bis Oktober 2012 mehr als 900 Menschen, und damit mehr als in den Jahren 2010 und 2011 zusammen.

Die Anschläge der Boko Haram richten sich vor allem gegen Christen.

2011

Bei einem Anschlag auf ein Bierlokal im Juni wird erstmals der Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit zum Ziel gemacht.

Laut Human Rights Watch beklagt Nigeria in diesem Jahr 425 Opfer durch Anschläge der Terrormiliz. Der Terror zwingt immer mehr Menschen, Nigeria zu verlassen. Der britische Sender BBC spricht von einem "Exodus" aus der Stadt Maiduguri.

2010

Kämpfer der Boko Haram verüben vereinzelte Anschläge. Zu den Opfern gehören Christen sowie Polizei- und Sicherheitskräfte.

Auch abseits des Boko Haram-Terrors kommt es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Muslimen und Christen. Der Norden des westafrikanischen Landes ist mehrheitlich von Muslimen bevölkert, während im ölreichen Süden die Christen in der Mehrheit sind. Das Verhältnis zwischen den beiden Landesteilen ist seit langem angespannt. Alleine in der Stadt Jos fallen 2010 mindestens 1.000 Menschen ethnisch und religiös motivierter Gewalt zum Opfer. Für einen Teil der Anschläge zeichnet die Boko Haram verantwortlich.

2009

Mehrere Anhänger der Boko Haram werden festgenommen. Die radikal-islamistischen Sekte attackiert daraufhin mehrere Polizeistationen in den nördlichen Bundesstaaten Borno und Yobe. Mehr als 780 Menschen sterben bei Gefechten zwischen den nigerianischen Sicherheitskräften und den Anhängern der Terrormiliz. Der 39-jährige Führer der Sekte, Mohammed Yusuf, wird in Polizeigewahrsam genommen und wenig später erschossen.

2004

Die "nigerianischen Taliban", wie sich die Islamisten auch nennen, machen erstmals mit einem Trainingslager "Afghanistan" an der Grenze zum Nachbarland Niger auf sich aufmerksam. Gegründet wurde die Sekte wahrscheinlich bereits 2002 von dem charismatischen Prediger Mohammed Yusuf.

1999

12 der 36 Staaten des ölreichen Nigeria führen Formen der Scharia (islamisches Recht) ein. Es kommt immer wieder zu vereinzelten Gewalttaten.

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Dokument erstellt am 2015-03-17 11:31:36
Letzte ─nderung am 2016-05-20 15:48:59



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