• vom 25.03.2015, 18:20 Uhr

Boko Haram Aktuell

Update: 26.03.2015, 07:54 Uhr

Nigeria

Boko Haram schlägt zurück




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  • Die islamistische Terrorsekte entführte in Nigeria offenbar erneut hunderte Frauen und Kinder. Das könnte sich auf die Präsidentenwahl auswirken.



Abuja/Wien. (klh) Es war wohl kein Zufall, dass die islamistische Terrorsekte Boko Haram ausgerechnet jetzt, wenige Tage vor der Präsidentenwahl in Nigeria, zuschlug: Die selbst ernannten Gotteskrieger haben in dem Ort Damasak in Nordnigeria laut Augenzeugen 500 Frauen und Kinder gefangen genommen. Boko Haram wollte damit kurz vor dem Votum, das am Samstag stattfindet, noch einmal Stärke demonstrieren, vermuten Beobachter.

Einige der Geiseln sollen die Boko-Haram-Kämpfer sofort vor Ort umgebracht haben. "Wir wissen nicht, ob sie noch andere getötet haben, nachdem sie weg waren", sagte laut Agenturberichten ein Händler aus Damasak. Offiziell wurden die Zahlen bisher nicht bestätigt. Auf Boko Harams Konto gehen allerdings bereits mehrere Massenentführungen - so fehlt etwa von den 300 Schülerinnen aus Chibok, die im April vergangenen Jahres entführt worden waren, noch immer jede Spur. Bei den Boko-Haram-Verschleppungen werden Buben häufig als Kämpfer zwangsrekrutiert, aus Mädchen werden Sexsklavinnen, oder sie werden zwangsverheiratet.

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Boko Haram kämpft im Norden Nigerias für ein Kalifat und geht dabei skrupellos vor - 10.000 Menschen soll die Miliz allein im vergangenen Jahr getötet haben. Zuletzt waren die Gotteskrieger aber in die Defensive geraten: Eine Militärallianz aus den Nachbarstaaten Tschad, Kamerun, Niger und Benin unterstützte die nigerianische Armee bei ihrer Offensive. Die Boko-Haram-Kämpfer, die zeitweise ein Gebiet von der Größe Belgiens erobert hatten, wurden aus zahlreichen Städten wieder vertrieben, vermeldete Nigerias Regierung. Mit der jüngsten Entführung schlug Boko Haram nun aber zurück.

Hiobsbotschaft für Präsidenten
Laut Beobachtern ist es auch sehr beunruhigend, wo die Entführung stattfand. Damasak war offiziellen Meldungen zufolge bereits von Truppen aus dem Niger und Tschad befreit worden. Dass Boko Haram nun dort zuschlug, lässt zwei Schlüsse zu: Entweder die schon eroberten Städte werden nicht gut genug gesichert. Oder die Erfolgsmeldungen von der Front, zu der kaum ein unabhängiger Beobachter Zugang hat, entsprechen nicht der Wirklichkeit.

Die Entführung ist eine Hiobsbotschaft für Präsident Goodluck Jonathan. Die Wahl wurde bereits wegen der prekären Sicherheitslage im Norden von Mitte Februar auf Ende März verschoben. Die jüngst gestartete Armeeoffensive sollte beweisen, dass Jonathan fähig ist, Boko Haram zu besiegen - und nun erlitt er einen herben Rückschlag. Sein Gegenkandidat Muhammadu Buhari versucht indes, sich als Hoffnungsträger im Kampf gegen Boko Haram zu positionieren. Der Ex-Militärherrscher, der sich nun zur Demokratie bekennt, ist im Gegensatz zu Jonathan selbst ein Mann aus der Armee. Zudem argumentieren Buharis Unterstützer, dass der Oppositionskandidat besser mit dem Boko-Haram-Aufstand umgehen könne, weil Buhari selbst ein Moslem aus dem Norden ist, während der Christ Jonathan aus dem Süden Nigerias stammt.




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Dokument erstellt am 2015-03-25 18:20:05
Letzte nderung am 2015-03-26 07:54:18



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