
Wien. Wer ein freiwilliges Sozialjahr als Zivildienst-Ersatz propagiert, muss freilich auch Anreize dafür schaffen und sich um mögliche Anwärter kümmern. So soll es laut Sozialminister Rudolf Hundstorfer nicht nur 1300 Euro monatlich für die Arbeit im Sozialjahr geben - die Jobs sollen auch über das Arbeitsmarktservice (AMS) vermittelt werden, wie er nun verkündete. Das AMS spricht sich klar für diesen Vorschlag aus, von ÖVP und FPÖ hagelte es indes Kritik.
Das Modell des SPÖ-Ressortchefs sieht ja vor, dass im Falle eines Endes der Wehrpflicht und dem damit einhergehenden Aus für den Zivildienst (Volksbefragung am 20. Jänner 2013) die rund 6400 wegfallenden Jobs im Gesundheits- und Sozialbereich durch ein freiwilliges Sozialjahr kompensiert werden. Zwingen könne man freilich niemanden, ein Sozialjahr zu absolvieren, so Hundstorfer, aber: "Man kann Arbeitslose darauf hinweisen, sie informieren und es anbieten."
Erstes Treffen mit Trägerorganisationen
Ein konkretes Modell soll bereits Ende September respektive Anfang Oktober fertig sein, kündigte Hundstorfer am Dienstag im Ministerrat an. Die Frage, ob das Sozialjahr mit zwölf oder 14 Monatsgehältern abgegolten werden soll, sei zwar noch offen -daran werde das Modell aber nicht scheitern. Am Donnerstag sei ein erstes Treffen mit den Trägerorganisationen im Sozialministerium angesetzt.
AMS-Vorstand Johannes Kopf würde es jedenfalls begrüßen, durch das Sozialjahr "mehr freie Stellen zu bekommen", da es sich bei diesen um reguläre Beschäftigungsverhältnisse handelt, bei denen sämtliche arbeitsrechtliche Voraussetzungen gelten. Diese Stellen sollen von den NGOs vergeben werden und können damit auch dem AMS gemeldet werden. "Das AMS wird diese Stellen gern vermitteln, Arbeitsuchenden bietet sich dadurch die Chance auf einen befristeten Arbeitsplatz oder sogar die Möglichkeit, nach dem Sozialjahr mit den angeeigneten Kenntnissen bei den NGOs zu bleiben", so Kopf zur "Wiener Zeitung".
"Das Rettungswesen wäre konjunkturabhängig"
Innenministerin Johanna Mikl-Leitner bleibt dennoch bei ihrer Kritik. "Wenn Arbeitslose für das Sozialjahr herangezogen werden, würde das ja heißen, dass das Rettungswesen konjunkturabhängig ist", hieß es am Dienstag auf Anfrage der "Wiener Zeitung" aus dem Innenministerium. Für den Zivildienst gebe es einfach "keinen adäquaten Ersatz".
Dass Hundstorfer offenbar auf möglichst viele Arbeitslose hoffe, damit sich für sein Modell eines Sozialdienstes genug Freiwillige finden, meinten auch ÖVP-Sozialsprecher und ÖAAB-Generalsekretär August Wöginger und FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl. "Das ist eine Gefahr für das Sozialsystem", so Wöginger. Hundstorfer lasse auch die Frage unbeantwortet, was passiere, wenn sich nicht genügend Freiwillige melden, und begebe sich damit "ins gleiche gefährliche Fahrwasser" wie Verteidigungsminister Norbert Darabos. Kickl ergänzt: "Das sind Arbeitsverhältnisse, bei denen auch jene Frage unbeantwortet ist, was mit den Beschäftigten nach Ablauf des Jahres, in dem sie in einem für sie fremden Berufsfeld tätig waren, passieren soll. Das ist eine Loch-auf-Loch-zu-Politik aber keine Problemlösung."
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