• vom 11.09.2012, 17:20 Uhr

Bundesheer

Update: 11.09.2012, 17:50 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Hundstorfers Zivildienstmodell soll in nächsten Wochen fertig sein

Sozial tätig statt arbeitslos


Von Petra Tempfer

  • AMS-Vorstand begrüßt Hundstorfers Vorschlag, ÖVP und FPÖ sind dagegen.

Gestern noch Arbeitslosengeld-Bezieher - heute angestellt. Wer will, hat zumindest die Chance, bei den NGOs zu bleiben.

Gestern noch Arbeitslosengeld-Bezieher - heute angestellt. Wer will, hat zumindest die Chance, bei den NGOs zu bleiben.© Andreas Pessenlehner Gestern noch Arbeitslosengeld-Bezieher - heute angestellt. Wer will, hat zumindest die Chance, bei den NGOs zu bleiben.© Andreas Pessenlehner

Wien. Wer ein freiwilliges Sozialjahr als Zivildienst-Ersatz propagiert, muss freilich auch Anreize dafür schaffen und sich um mögliche Anwärter kümmern. So soll es laut Sozialminister Rudolf Hundstorfer nicht nur 1300 Euro monatlich für die Arbeit im Sozialjahr geben - die Jobs sollen auch über das Arbeitsmarktservice (AMS) vermittelt werden, wie er nun verkündete. Das AMS spricht sich klar für diesen Vorschlag aus, von ÖVP und FPÖ hagelte es indes Kritik.

Werbung

Das Modell des SPÖ-Ressortchefs sieht ja vor, dass im Falle eines Endes der Wehrpflicht und dem damit einhergehenden Aus für den Zivildienst (Volksbefragung am 20. Jänner 2013) die rund 6400 wegfallenden Jobs im Gesundheits- und Sozialbereich durch ein freiwilliges Sozialjahr kompensiert werden. Zwingen könne man freilich niemanden, ein Sozialjahr zu absolvieren, so Hundstorfer, aber: "Man kann Arbeitslose darauf hinweisen, sie informieren und es anbieten."

Erstes Treffen mit Trägerorganisationen
Ein konkretes Modell soll bereits Ende September respektive Anfang Oktober fertig sein, kündigte Hundstorfer am Dienstag im Ministerrat an. Die Frage, ob das Sozialjahr mit zwölf oder 14 Monatsgehältern abgegolten werden soll, sei zwar noch offen -daran werde das Modell aber nicht scheitern. Am Donnerstag sei ein erstes Treffen mit den Trägerorganisationen im Sozialministerium angesetzt.

AMS-Vorstand Johannes Kopf würde es jedenfalls begrüßen, durch das Sozialjahr "mehr freie Stellen zu bekommen", da es sich bei diesen um reguläre Beschäftigungsverhältnisse handelt, bei denen sämtliche arbeitsrechtliche Voraussetzungen gelten. Diese Stellen sollen von den NGOs vergeben werden und können damit auch dem AMS gemeldet werden. "Das AMS wird diese Stellen gern vermitteln, Arbeitsuchenden bietet sich dadurch die Chance auf einen befristeten Arbeitsplatz oder sogar die Möglichkeit, nach dem Sozialjahr mit den angeeigneten Kenntnissen bei den NGOs zu bleiben", so Kopf zur "Wiener Zeitung".

"Das Rettungswesen wäre konjunkturabhängig"
Innenministerin Johanna Mikl-Leitner bleibt dennoch bei ihrer Kritik. "Wenn Arbeitslose für das Sozialjahr herangezogen werden, würde das ja heißen, dass das Rettungswesen konjunkturabhängig ist", hieß es am Dienstag auf Anfrage der "Wiener Zeitung" aus dem Innenministerium. Für den Zivildienst gebe es einfach "keinen adäquaten Ersatz".

Dass Hundstorfer offenbar auf möglichst viele Arbeitslose hoffe, damit sich für sein Modell eines Sozialdienstes genug Freiwillige finden, meinten auch ÖVP-Sozialsprecher und ÖAAB-Generalsekretär August Wöginger und FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl. "Das ist eine Gefahr für das Sozialsystem", so Wöginger. Hundstorfer lasse auch die Frage unbeantwortet, was passiere, wenn sich nicht genügend Freiwillige melden, und begebe sich damit "ins gleiche gefährliche Fahrwasser" wie Verteidigungsminister Norbert Darabos. Kickl ergänzt: "Das sind Arbeitsverhältnisse, bei denen auch jene Frage unbeantwortet ist, was mit den Beschäftigten nach Ablauf des Jahres, in dem sie in einem für sie fremden Berufsfeld tätig waren, passieren soll. Das ist eine Loch-auf-Loch-zu-Politik aber keine Problemlösung."




2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-11 17:26:07
Letzte Änderung am 2012-09-11 17:50:06


Hundstorfers Zivildienstmodell soll in nächsten Wochen fertig sein

Sozial tätig statt arbeitslos

Gestern noch Arbeitslosengeld-Bezieher - heute angestellt. Wer will, hat zumindest die Chance, bei den NGOs zu bleiben. - © Andreas Pessenlehner Wien. Wer ein freiwilliges Sozialjahr als Zivildienst-Ersatz propagiert, muss freilich auch Anreize dafür schaffen und sich um mögliche Anwärter... weiter




"Burschen und Mädchen sollen soziales Jahr leisten"

Max Haller, geboren 1947, habilitierte sich 1985 an der Universität Mannheim. Er ist seit 1985 ordentlicher Professor für Soziologie in Graz. Schwerpunkte sind der internationale Gesellschaftsvergleich, Sozialstruktur- und Wertwandel, europäische Integration, angewandte Soziologie und Sozialforschung, soziologische Theorie. - Archiv "Wiener Zeitung":Sollte die Wehrpflicht abgeschafft werden, fällt damit gleichzeitig auch der Zivildienst; in diesem Fall muss ein Ersatz gefunden... weiter




Deutschland: Als aus den Zivis Bufdis wurden

Wien. Wie so oft hat Deutschland es schon vorgemacht. Sollte Österreich die Wehrpflicht und damit den Zivildienst abschaffen... weiter




"Der Zivildienst lehrte mich Eigenverantwortung"

Wien. Wenn die Wehrpflicht fällt, fällt auch der Zivildienst. Das zurzeit viel diskutierte Thema Berufsheer scheint unsere Gesellschaft zu spalten... weiter




Michael Häupl startete Debatte bereits 2010

Bundesheer: Chronologie der Debatte

20120828bundess - APAweb/BUNDESHEER/ANDY WENZEL Wien. Über die Wehrpflicht in Österreich wird schon seit über zwei Jahren diskutiert. Ausgelöst wurde die Debatte vom Wiener Bürgermeister Michael... weiter




Premiere für österreichweite Befragung?

So würde die Volksbefragung funktionieren

Wien. Seit 1989 gibt es die gesetzliche Grundlage für österreichweite Volksbefragungen, durchgeführt wurde bisher noch keine... weiter



Werbung



Beliebte Inhalte



Zum Abschluss des zweitägigen Treffens am Lough Erne verständigten sich die führenden Industriestaaten und Russland (G-8) auf eine engere Zusammenarbeit, um Steuerflucht zu bekämpfen. - APAweb/AP Photo/RIA-Novosti, Alexei Nikolsky, Presidential Press Service
  • Engere Zusammenarbeit bei Steuerflucht und Übergangsregierung in Syrien geplant.
  • weiter

Ein Bub kämpft auf der Seite der Free Syrian Army. - reuters
  • Die UNO berichtet von Kindersoldaten, Exekutionen und warnt vor Massakern.
  • weiter

  • Außenminister spricht von Angebot der UNO zu Abzug per 31. Juli
  • weiter

Ein erster Schritt wäre es, eher auf in Europa angesiedelte Internetdienste, etwa deutsche E-Mail-Provider, zurückzugreifen...weiter

Hassan Rohani hat die Hoffnung auf eine liberalere Politik beflügelt - verhalfen ihm doch moderate Kräfte zum Sieg. - reuters/Sina Shiri
  • Ohrfeige für Khamenei und die Ultrakonservativen.
  • weiter

Die US-Geheimdienste lesen mit. - © Andrea Danti - Fotolia.com
  • Unter Barack Obama wurde das Programm noch ausgeweitet.
  • weiter

In Hongkong versteckt: Ex-NSA-Mann Snowden. - ap
  • Held oder Verräter: Heftige Reaktionen auf Enthüllungen.
  • weiter

Ein Bub kämpft auf der Seite der Free Syrian Army. - reuters
  • Die UNO berichtet von Kindersoldaten, Exekutionen und warnt vor Massakern.
  • weiter

Stets siegessicher - Ahmadinejad konnte sich anfänglich als Anwalt der Armen profilieren. - ap
  • Hohe Inflation, hohe Arbeitslosigkeit, hohe Selbstmordrate - der Iran heute.
  • weiter

Syrische Rebellen sollen mit Waffen unterstützt werden. - APAweb / AP / AP / Aleppo Media Center AMC
  • Obamas "rote Linie" in Syrien überschritten.
  • USA erwägen, eine Flugverbotszone über Syrien einzurichten.
  • weiter




Werbung